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Kammergespräch

Wie geht es weiter mit der BayernLB?

„Wir sind von der Intensivstation runter“: So beschrieb Vorstandsvorsitzender Dr. Michael Kemmer die aktuelle Lage der Bayerischen Landesbank.

Es sei noch zu früh „für eine abschließende Analyse“, sagte Dr. Michael Kemmer, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Landesbank, beim 133. IHK-Kammergespräch. Nachdem das IHK-Saalgebäude wegen Brandschutz umgebaut wird, sprach der Banker im Historischen Rathaussaal, den die Stadt Nürnberg zur Verfügung gestellt hatte. Sein Thema: „Die globale Finanzkrise. Auswirkungen und Erkenntnisse zwei Jahre nach dem Ausbruch – ein Zwischenfazit“.

Die BayernLB, eine Anstalt des öffentlichen Rechts, gehört dem Freistaat Bayern und dem Sparkassenverband Bayern. Kemmer, der den Vorstandsvorsitz seit vergangenem Jahr innehat, kam zu einem schwierigen Zeitpunkt: Mit zehn Mrd. Euro ist der Freistaat im Zuge der Finanzkrise beigesprungen. Wegen dieser Beihilfe wird die Landesbank von der EU unter die Lupe genommen. Mit dem internen Programm „Herkules“ will sich das Institut gesundschrumpfen und auf weniger Aufgaben konzentrieren – Mitarbeiterabbau und gekürzte Pensionszahlungen gehören dazu. Und die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Kemmers Vorgänger wegen eines – so der Vorwurf – überteuerten Kaufs der österreichischen Bank Hypo Group Alpe Adria (HGAA) im Herbst 2007.

„Wir sind von der Intensivstation runter“, beschrieb Kemmer die aktuelle Situation der Bayerischen Landesbank. In seinem Vortrag stellte er zunächst eine Chronologie der Finanzkrise seit Anfang 2007 dar. Dann beleuchtete er die Schwachstellen, die auch sein Haus in eine schwere Schieflage geführt hatten.

Im Rückblick konstatierte der Vorstandschef, man habe die systemischen Risiken beim Kauf von so genannten Kreditersatzprodukten nicht gesehen. Das gelte aber auch „für alle anderen Marktteilnehmer“, also nicht nur andere Banken. Auch die Aufsichtsgremien wie die Europäische Zentralbank oder die BAFin, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, die Wissenschaft und auch die Politik hätten die Risiken nicht richtig eingeschätzt. Bei einer Bilanzsumme von 420 Mrd. Euro hatte die BayernLB 20 Mrd. Euro der heute als toxisch beklagten Papiere im Bestand. Tatsächlich, so Kemmer, hätte die Bank bisher „nur“ einen Ausfall an nicht bedienten Zahlungen von bis zu „170 Mio. Euro“ zu beklagen.

Als Folge der Finanzmarktkrise erwarte er Zusammenschlüsse der Landesbanken, es würden am Ende aber „mehr als eine sein“. Zudem würden sich „Spielregeln verändern“, etwa die krisenverschärfenden Bilanzierungsregeln. Kemmer warnte aber zugleich vor einem „regulativen Overkill“, schon heute sei die Finanzbranche am stärksten reguliert. In der anschließenden Fragerunde wurden auch deutlich kritische Töne von den mittelfränkischen Unternehmern laut. Nicht der Freistaat sei mit zehn Mrd. Euro eingesprungen, sondern die Steuerzahler, so der Unmut eines Teilnehmers. Der Verwaltungsrat der BayernLB habe seine Aufsichtsrolle nicht intensiv ausgeübt, wurde von einem anderen Firmenchef beklagt. Auf die Frage, wann die zehn Mrd. Euro zurückgezahlt werden, konnte Kemmer keine konkrete Antwort geben, verwies aber auf einen möglichen Verkaufserlös in der Zukunft.

Autor: 
tt.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 11|2009, Seite 16

 
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