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Geschäftskonzepte

Oft nicht belastbar

Die Gründer-Agenturen der IHKs verzeichnen deutlich mehr Beratungsgespräche. Allerdings fehlt es vielen Businessplänen an Tragfähigkeit, so der DIHK-Gründerreport 2010.

Über 360 000 Beratungsgespräche haben die Gründungsexperten der deutschen IHKs im vergangenen Jahr geführt. Das waren 14 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Stellungnahmen zu Förderanträgen stieg um 32 Prozent, bei arbeitslosen Existenzgründern sogar fast um die Hälfte. Das Problem dabei: Die Qualität der Geschäftsmodelle ist nach den Beobachtungen der IHK-Gründerberater, die in den DIHK-Gründerreport 2010 eingeflossen sind, vielfach nicht ausreichend.

Die wichtigsten Geschäftsfelder für Gründer waren im letzten Jahr Dienstleistungen wie Gebäudebetreuung, Garten- und Landschaftsbau, künstlerische Tätigkeiten, Werbung und Marktforschung. Die Berater der IHK verzeichneten in diesen Branchen acht Prozent mehr Gespräche als im Vorjahr. Allerdings suchten nur rund sechs Prozent der Neugründer einen Einstig in High-Tech-Branchen wie Informations-, Gesundheits- und Medizintechnik. Das ist ein Fünftel weniger als noch 2006. „Dabei sind es gerade Gründungen in den Branchen mit viel Innovationspotenzial, die Impulse für Wachstum und Beschäftigung liefern“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Wansleben. Neue High-Tech-Firmen schaffen vier bis sechs neue Arbeitsplätze im ersten Jahr – das sind doppelt so viele wie im Durchschnitt.

Stark angestiegen ist die Zahl der Kleingründer. Sie entscheiden sich oft nicht aufgrund von unternehmerischem Pioniergeist, sondern wegen drohender oder schon eingetretener Arbeitslosigkeit zur Selbstständigkeit. Nach IHK-Schätzungen fallen sechs von zehn Gründungen in diese Kategorie. Aufgrund von geringem Startkapital werden vor allem kleine Firmen in Branchen mit wenig Innovationspotenzial gegründet. Wansleben bemängelt außerdem die fehlenden Überlegungen im Vorfeld solcher Kleingründungen: „Zwei Drittel der arbeitslosen Gründer können die Vorzüge ihrer Idee gegenüber Konkurrenzangeboten nicht hinreichend erklären, die eher unternehmerisch motivierten Gründer sind zumeist deutlich besser vorbereitet.“

Trotz vieler Förderprogramme für Gründer ist es laut Wansleben nicht gelungen, eine Welle von Gründungen mit hohem Erfolgspotenzial anzustoßen: „Wir brauchen in den Schulen und Universitäten eine deutschlandweite Offensive für das Verständnis von Unternehmertum. Ohne findige Unternehmer verspielen wir Chancen auf Wachstum und Innovationen.“ Um im Bildungssystem das Thema Unternehmertum stärker zu verankern, unterstützt die IHK-Organisation daher die Initiative „Gründerland Deutschland“ der Bundesregierung. Viele regionale Veranstaltungen und Projekte dieser Initiative sollen dabei helfen, die Option Selbständigkeit noch während der Ausbildung stärker ins Bewusstsein zu rufen.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 08|2010, Seite 32

 
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