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IHK-Kulturforum

Kreativität ist gefragt

Wer die kreativen Köpfe hat, dem gehört die Zukunft. Kreativität ist der Erfolgsfaktor schlechthin im 21. Jahrhundert. Dieser Erkenntnis folgt auch die Standortpolitik der Europäischen Metropolregion Nürnberg.

Wer die kreativen Köpfe hat, dem gehört die Zukunft. Kreativität ist der Erfolgsfaktor schlechthin im 21. Jahrhundert. Entsprechend dieser Erkenntnis folgt die Standortpolitik der Europäischen Metropolregion Nürnberg (EMN) dem Leitmotiv „Heimat für Kreative“. Um die Situation und Entwicklungsmöglichkeiten der kreativen Kraftfelder sowie die Beziehung von Wirtschaft und Kultur in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken, lud die IHK zu ihrem Kulturforum am 14. April Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Kultur zum Gesprächsaustausch ein. Es war die zweite Veranstaltung in dieser Reihe. Sie fand diesmal im Rahmen des Festivals „made in… Die Kultur- und Kreativlandschaft Nürnberg Fürth Erlangen Schwabach“ statt.

Das Museum Industriekultur bot im historischen Fabrikgebäude dafür die ideale Umgebung, inklusive der Möglichkeit, in die Geschichte der Industrialisierung Nürnbergs einzutauchen. Markus Lötzsch, Hauptgeschäftsführer der IHK Nürnberg für Mittelfranken dankte Museumsleiter Matthias Murko sowie allen Beteiligten für die engagierte Unterstützung. Anschließend erläuterte er die Ziele der IHK-Kulturstiftung und brachte diese mit dem Kernsatz „Wirtschaft braucht Kultur – Kultur braucht Wirtschaft“ auf den Punkt.

 „Wie kreativ ist die Wirtschaft?“

 Diese Frage stellte Anabel Schaffer, Feuilleton-Journalistin der Nürnberger Zeitung, den Gästen der ersten Podiumsrunde. Dirk von Vopelius, Präsident der IHK Nürnberg für Mittelfranken, verdeutlichte den außerordentlichen Erfindergeist der mittelfränkischen Wirtschaft anhand der Patent-Erstpublikationen im Jahr 2009 in Deutschland: Ganze Zehn Prozent kamen allein aus Nordbayern. Er forderte im Hinblick auf die kulturellen Veranstaltungen eine intensivere Nutzung des Metropolregion-Logos, um den Standort in der Außenwirkung noch stärker zu kommunizieren. Bei der Weiterentwicklung der kulturellen Kraftfelder wünsche er sich grundsätzlich eine höhere Wertschätzung der zeitgenössischen Kunst und des Künstlernachwuchses. So ist die Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg die älteste im deutschsprachigen Raum.

Insbesondere Prof. Dr. Julia Lehner, Kulturreferentin der Stadt Nürnberg und erste Sprecherin der „Arbeitsgemeinschaft Kultur im Großraum Nürnberg, Fürth, Erlangen, Schwabach“, sieht hier noch einiges an Nachholbedarf. Das Potenzial werde noch zu wenig wahrgenommen. Zwar schafften die Kulturreferate entsprechende Vernetzungen, Strukturen und Präsentationsmöglichkeiten, die wirtschaftliche Grundlage von Künstlern und Kulturschaffenden sei aber nach wie vor schwierig. Ein florierender Kunstmarkt fehle und die Zahl der professionellen Galerien bleibe übersichtlich. Das Zusammenwirken von Wirtschaft und Kultur funktioniere trotzdem dann, wenn die richtige kreative Idee und der entsprechende Wirtschaftspartner zusammenträfen. Sie wünsche sich eine größere Offenheit und Nähe der Kunst und Kultur gegenüber, nicht zuletzt würden ja gerade in diesem Bereich unverzichtbare, unschätzbare gesellschaftliche Werte geschaffen und vermittelt.

Jochen Hunger, selbstständiger Ausstellungsgestalter, Museum & exhibition design in Erlangen, definierte Kreativität als Transformation und Neu-Kombination. Ist das Konzept tragfähig? Ist es die überzeugendste Lösung? Letztlich ließe sich aber erst in der Realität wirklich überprüfen, ob eine ästhetische Idee funktioniere. Scheitern und daraus die Lehren ziehen, seien wesentlicher Teil des kreativen Prozesses. Dass deutsches Design hohe Wertschätzung im Ausland genießt, machte Dr. Silke Claus, Geschäftsführerin der bayern design GmbH, deutlich. Sie erklärte, dass sich der Focus hier von der Technologieförderung immer mehr hin zur Innovationsförderung verlagere. Der Beruf des Designers sei äußerst anspruchsvoll, Hochschulen seien in der Pflicht, das Wissen zu vermitteln, das im Beruf später tatsächlich gebraucht werde.

 „Wie wirtschaftlich ist Kreativität?“

Die Moderation der zweiten Podiumsdiskussion übernahm Dr. Kurt Hesse, Leiter des IHK-Geschäftsbereichs Kommunikation. Wie wirtschaftlich Kreativität ist, lautete die Kernfrage. „Sehr wirtschaftlich. Ökologie, Kultur und Bildung sind heute die entscheidenden Standortfaktoren“, sagte Dr. Dieter Rossmeissl, Geschäftsführer Forum Kultur der Metropolregion Nürnberg und Referent für Kultur, Jugend und Freizeit der Stadt Erlangen. Er bezog sich im Wesentlichen auf den US-Ökonomen und Hochschullehrer Richard Florida, nach dessen These die Kreativen der wichtigste Motor für das ökonomische Wachstum einer Stadt seien. Natürlich müsse man dies differenziert sehen. Nur wenige Künstler seien in der Lage, von ihrer Kunst zu existieren, im Unterschied zu Designern und Grafikern.

Dass geniale Ideen aus der Metropolregion Nürnberg weltweit durchaus gefragt sind, verdeutlichte der Beitrag von Viola Thies, Geschäftsführerin der Move it Media GmbH in Nürnberg und Vorsitzende des IHK-Kommunikationsausschusses. Im Auftrag von adidas realisierte ihr Unternehmen zur Fußball-EM 2008 drei Großprojekte, darunter die Installation eines 42 Meter hohen, achtarmigen Torwartgiganten am Wiener Prater. Gerd Schmelzer, Immobilienentwickler und Geschäftsführer der Alpha-Gruppe, forderte mehr Offenheit und Bewusstsein für Kreativität vor allem bei der Gestaltung architektonischer Fassaden. Die meisten Zweckbauten sähen ähnlich aus. Auch wenn dies höhere Investitionen erfordere, könne man sich damit doch maßgeblich vom Wettbewerb absetzen. Für den Kunstbuchverleger und ehemaligen Bankier Dr. Karl Gerhard Schmidt, Verlag für moderne Kunst Nürnberg, ist der Anspruch an höchste Qualität ein entscheidender Faktor.

Autor: 

Eva Schickler, Illustration: Anton Atzenhofer

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 05|2011, Seite 22

 
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