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Interkommunale Gewerbegebiete

Gemeinsam Land gewinnen

Städte und Gemeinden gehen dazu über, Gewerbegebiete gemeinsam auszuweisen. Dadurch kann man den anspruchsvollen Investoren bessere Angebote machen. Positiver Nebeneffekt: Der Flächenverbrauch sinkt. Von Dr. Wolfgang W. Fruhmann

Bürgermeister und Kommunalverwaltungen ringen als Einzelkämpfer um Investoren und Arbeitsplätze: Dieses Klischee hält einer Überprüfung nicht stand. Die moderne Regionalentwicklung hat längst erkannt, dass die zentralen Herausforderungen (z.B. Bewältigung des demografischen Wandels, Bereitstellung einer modernen In-frastruktur oder Etablierung regionaler Wertschöpfungsketten) nur mit gemeindeübergreifenden Strategien zu meistern sind. Das spiegelt sich auch in der Förderpolitik wider: Regionalfördergelder wie das EU-Programm „Leader“, Förderungen der Ämter für Ländliche Entwicklung oder die Programme der Städtebauförderung sind oft nur dann zugänglich, wenn die Projekte „interkommunal“, d.h. in Kooperation von mehreren Städten und Gemeinden, durchgeführt werden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Jede Kommune bringt ihre individuellen Stärken ein, es entstehen Synergien, was wiederum ganz im Sinne der vielzitierten Nachhaltigkeit Ressourcen spart. Interkommunale Gewerbegebiete sind ein konkretes Ergebnis aus solchen Kooperationsstrategien.

Für Thomas Merkel, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Landkreis Ansbach GmbH, sind interkommunale Gewerbegebiete gerade im ländlichen Raum ein bewährtes Instrument, um den Investoren attraktive und wettbewerbsfähige Flächenangebote machen zu können. Denn die Investoren stellen hohe Anforderungen, wenn es um Standortattraktivität, Verkehrsanbindung, Flächenzuschnitt oder positives Umfeld geht. Diese Vorgaben können bei weitem nicht alle Gemeinden allein erfüllen. Was liegt also näher, als den erfolgversprechendsten Standort zu definieren und diesen gemeinsam zu entwickeln?

 Vorteile beim Marketing

 Sieben Städte und Gemeinden im westlichen Landkreis Ansbach haben mit dem „Gewerbepark Endsee – Rothenburg o.d. Tauber und Umland“ genau das am Standort Steinsfeld umgesetzt. Die Lösung nutzt allen Beteiligten: Die Stadt Rothenburg o.d. Tauber und die Gemeinde Neusitz, ebenfalls mit unmittelbarem Anschluss an die A7, konnten einen gewissen Flächenengpass auflösen. Andere Gemeinden wie Ohrenbach, Adelshofen, Geslau und Windelsbach rücken gleichsam an die Autobahn heran. Und auch Steinsfeld profitiert von der Zusammenarbeit, denn für die Gemeinde wären die Entwicklungskosten alleine schwer zu tragen gewesen. Bei der Namenswahl hat man sich schließlich den internationalen Bekanntheitsgrad Rothenburgs zunutze gemacht, der „Gewerbepark Endsee – Rothenburg o.d. Tauber und Umland“ dürfte mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen als etwa ein Areal mit dem Namen „Gewerbegebiet Steinsfeld“. Die Vermarktung für die rund 13 Hektar große Fläche, die unmittelbar an der Anschlussstelle zur A 7 liegt und zusätzlich die Option eines Gleisanschlusses bietet, ist bereits angelaufen.

Innerhalb der Metropolregion Nürnberg gibt es eine Reihe solcher Projekte: So hat die kommunale Allianz „InterFranken“, der die Städte und Gemeinden Diebach, Dombühl, Feuchtwangen, Schillingsfürst, Schnelldorf, Schopfloch, Wettringen und Wörnitz angehören, den Industriepark „InterFranken“ entwickelt, der mit rund 81 Hektar im Bereich des Autobahnkreuzes A6/A7 (Feuchtwangen/Crailsheim) liegt. Ebenfalls unmittelbar an der A7 ist der Industrie- und Gewerbepark Gollhofen-Ippesheim (Gollipp) entstanden, der von einem Zweckverband aus acht Gemeinden realisiert wurde. Im Ballungsraum Nürnberg gibt es seit 1998 den Gewerbepark Nürnberg-Feucht-Wendelstein, an dem über 50 Betriebe ansässig sind. Auch an der A6 gibt es ein Gewerbegebiet, das gemeinsam von der Stadt Amberg und der Gemeinde Ursensollen (Landkreis Amberg-Sulzbach) entwickelt wird. Der Leiter des Referats für Kreisentwicklung und Wirtschaftsförderung im Landkreis Amberg-Sulzbach, Harald Herrle, betont die ressourcenschonenden Vorteile einer solchen Zusammenarbeit: Wenn Gemeinden zusammenarbeiten, statt jeweils einzeln Gewerbeflächen auszuweisen, könnten potenziellen Investoren bessere Angebote gemacht werden und die Gemeinden optimieren ihre Erschließungskosten. Außerdem spare man Flächen ein und werde dadurch dem Anspruch einer ökologischen Entwicklungspolitik gerecht.

Wenn interkommunale Gewerbegebiete Erfolg haben sollen, muss die Kooperation organisatorisch klar geregelt sein. Ein bewährtes, kostengünstiges und den Kommunen vertrautes Organisationsmodell ist der Zweckverband. Auf der Basis des Gesetzes über die kommunale Zusammenarbeit (KommZG) regeln eine Satzung und eine Geschäftsordnung das Verhältnis der kommunalen Kooperationspartner. Dabei geht es natürlich insbesondere darum, die Kosten (z.B. für Erschließung oder Standortmarketing) und die Einnahmen (z.B. aus Grundstücksverkäufen oder Gewerbesteuer) angemessen zu verteilen.

Der ansiedlungswillige Unternehmer bleibt von diesen Regularien völlig unberührt, wie Hans Beier, Bürgermeister der Gemeinde Steinsfeld und zugleich Vorsitzender des Zweckverbandes Gewerbepark Endsee, unterstreicht: „Selbstverständlich stehen mit dem Geschäftsführer des Zweckverbandes sowie dem Bürgermeister der Standortgemeinde zentrale Ansprechpartner zur Verfügung.“ Im Übrigen blieben auch die üblichen Abläufe und Zuständigkeiten in der Bauleitplanung, also Flächennutzungsplanung und Bebauungsplanung, in Kraft. Die letztgültigen politischen Beschlüsse werden von der Standortgemeinde getroffen.

Was bringt also die interkommunale Zusammenarbeit gerade auch in der Standortentwicklung? Schon im Jahr 2002 stellte die Oberste Baubehörde im Bayerischen Innenministerium in ihrem Leitfaden „Gewerbeflächenmanagement in interkommunaler Zusammenarbeit“ als wesentlichen Anreiz die Bündelung von Finanz- und Verwaltungskraft heraus. Das gilt sicher heute mehr denn je. Die Notwendigkeit, den Flächenverbrauch weiter zu senken, kommt als „hartes“ Kriterium hinzu. Aber auch die Veränderungen in Gesellschaft, Demografie und Wirtschaftsstruktur lassen erwarten, dass durch Kooperationen Lösungen entstehen, die für die Zukunft besser geeignet sind. Um nur einige Beispiele für solche nachhaltigen Angebote zu nennen: Wenn die Kommunen ihre Kräfte bündeln, entstehen für die Bürger Arbeitsplätze in der Nähe ihrer Wohnorte. Dadurch verringern sich die Pendlerströme und es fällt den Arbeitnehmern in einer älter werdenden Gesellschaft leichter, Beruf und familiäre Verpflichtungen in Einklang zu bringen. Außerdem können die Arbeitgeber in Zeiten des Fachkräftemangels die Mitarbeiter in einem Gewerbegebiet mit integrierter Kinderbetreuung, Gesundheitsdienstleistungen und Nahversorgung besser an sich binden. Aber solche Angebote werden die wenigsten Kommunen alleine und mit eigner Kraft auf den Markt bringen können. 

Autor: Dr. Wolfgang W. Fruhmann ,ist Geschäfts-führer der Dr. Fruhmann & Partner Beratungsgesellschaft mbh, Parsberg, zu deren Mandanten Unternehmen und Kommunen gehören (standort@drfruhmann.de).
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 09|2011, Seite 34

 
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