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Unternehmenschronik

Wenn Ihre Firma Geschichte schreibt

Geschäftsjubiläen bieten einen Anlass, um die Entwicklung der eigenen Firma Revue passieren zu lassen – zum Beispiel in einem Buch. Worauf ist zu achten? Von Margaret Heckel

Neben einer Jubiläumsveranstaltung entscheiden sich immer mehr Firmeninhaber dazu, die Geschichte ihres Unternehmens professionell aufarbeiten zu lassen und in Buchform zu veröffentlichen. Im besten Fall entsteht dabei ein exklusives und spannendes Werk, das nicht nur den Leser fesselt, sondern auch für die Mitarbeiter und die Familie von unschätzbarem, weil bleibendem Wert ist. Wenn es jedoch nicht so gut geht, entsteht zwar ebenfalls ein Prachtband – aber einer, der achtlos ins Bücherregal gestellt wird, um niemals mehr zur Hand genommen zu werden.

Wo also liegen die Fallstricke auf dem Weg zu einer spannenden, gut lesbaren und faszinierenden Firmengeschichte? Das Wichtigste ist die Wahl des Autors. Soll es ein Wirtschaftshistoriker sein, der sich gut in den Aktenkellern auskennt? Ein Autor aus der Region, der das Unternehmen seit Langem begleitet? Oder lohnt sich der Aufwand, gegebenenfalls bundesweit nach jemanden zu suchen, der bereits mehrere Unternehmensgeschichten geschrieben hat?

Aufarbeitung durch Historiker

Jede Variante hat Vor- und Nachteile. Ein Historiker steht für eine wissenschaftlich einwandfreie Aufarbeitung. Es gibt mehrere wirtschaftsgeschichtliche Lehrstühle in Deutschland, die sich mit Firmengeschichten befassen. Sie werden oft eingeschaltet, wenn es um die Aufarbeitung der Geschichte von Großkonzernen während der Zeit des Dritten Reiches geht. Der dabei entstehende Text wird vor allem den Ansprüchen einer wissenschaftlich interessierten Leserschaft genügen. Reportage-Elemente und farbige Schilderungen der jüngeren Firmengeschichte werden dort eher nicht zu finden sein.

Deshalb scheint es nahe zu liegen, einen Autor aus der unmittelbaren Umgebung zu beauftragen. Man kennt sich möglicherweise schon seit längerem. Der Schreiber ist gut in der Region vernetzt und weiß um die Bedeutung der Firma für die dortige Wirtschaft.

Dies kann eine gute Lösung sein, wenn der Autor Erfahrung im Erstellen und Managen eines komplexen Buchprojektes hat. Schwieriger wird es, wenn er derartiges zum ersten Mal macht. Denn zwischen dem Schreiben von kürzeren Artikeln und der Recherche für ein richtiges Buch liegen Welten. Gibt es einen Spannungsbogen für das Buch? Soll es chronologisch sein? Oder soll eher an einzelnen Sachthemen entlang die Expansion der Firma erzählt werden? Gibt es besondere Elemente wie Interviews, Rückblenden und erzählerische Tricks? Beispielsweise ein in die Zukunft gelegter Prolog, der einen Ausblick auf die Firmenentwicklung gibt und neugierig macht? Ein Autor, der diese Fragen erst während der Arbeit beantwortet, wird die Zeit und die Nerven der Firmeninhaber – und damit ausgerechnet die wichtigsten und knappsten Ressourcen des Auftragsgebers – überlang strapazieren.

Dies ist bei Profis nicht zu erwarten. Sie werden jedem Interessenten ein kostenfreies Informationsgespräch anbieten, bei dem geklärt wird, wie die Firmengeschichte aufgearbeitet werden soll. Soll es ein opulenter, mit vielen Bildern ausgestatteter Prachtband werden? Ein eher auf den Text konzentriertes Werk, das dafür mit stilvoll geschriebenen Reportage-Elementen über die Unternehmerfamilie glänzt? Eine Firmengeschichte eventuell, die spannend wie ein Krimi inszeniert wird? Auch die grundlegenden Fragen der optischen Gestaltung und des Formates können hierbei angesprochen werden.

Ein versierter Profi wird danach einen verbindlichen Arbeitsplan vorlegen. Erst nach der Sichtung der schriftlichen Dokumente wird er zielführende, konzentrierte Gespräche führen. Der Zeitaufwand für die Auftraggeber lässt sich so in der Regel auf maximal drei bis fünf Interview-Termine von je zwischen zwei und drei Stunden Dauer reduzieren.

Oft sind diese Interviews auch für den Auftraggeber so anregend, dass er sie zur Reflexion über seine Firmenstrategie nutzen wird. Gerade Firmenchefs, die das Unternehmen vor einiger Zeit an die nachfolgende Generation übergeben haben, berichten darüber, wie sehr sie auch persönlich von dieser Geschichtsaufarbeitung profitiert haben.

Professionelle Autoren, die mit einem Netzwerk an Dienstleistern wie Grafikern und Layoutern zusammenarbeiten, oder auch auf Unternehmensgeschichten spezialisierte Firmen können eine Firmenbiographie in wenigen Monaten herstellen. Wer ein derartiges Projekt entspannt, aber konzentriert angehen will, sollte sechs bis neun Monate einkalkulieren.

Autor: Margaret Heckel, war viele Jahre Politikchefin der FTD, Welt und Welt am Sonntag. Sie hat den Bestseller „So regiert die Kanzlerin“ (Piper, Taschenbuch-Neuauflage 2011) geschrieben und lebt als Autorin in Potsdam (www.margaretheckel.de).
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 10|2011, Seite 34

 
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