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Bürogestaltung

Mehr Grün ins Grau

Die Unternehmen messen heute der Begrünung der Büros mehr Bedeutung bei als früher. Wie kann man durch Pflanzen das Wohlbefinden und die Motivation der Mitarbeiter steigern? Von Johanna Kulzer

Den Großteil des Tages (und des Lebens) verbringen Angestellte im Büro. Deshalb gehört für die meisten Firmen zu einer guten Büroplanung nicht nur die Auswahl geeigneter Möbel, Bodenbeläge und Wandfarben, sondern auch die Begrünung der Räume. Während sich früher die Auswahl auf wenige Pflanzen – insbesondere auf den Klassiker „Gummibaum“ – beschränkte, wird heute ein viel breiteres Angebot genutzt. Denn die Begrünung soll sich stimmig in das Ambiente einfügen und zur Unternehmensphilosophie passen.

Aber welche Pflanzen sind „passend“, wie geht man bei der Auswahl vor? Auf jeden Fall ist es nicht primär eine Frage des Preises. „Teuer“ bedeutet nicht unbedingt schön und ist auch nicht zwangsläufig ein Garant für „passend“. Wertigkeit und Stil müssen zum Unternehmen, seinen Produkten und der gewünschten Außendarstellung passen. So wird sich ein Großhandel mit eher nüchternen Produkten anders darstellen wollen als ein Unternehmen aus der Kreativbranche. Während bei ersterem Pflanzgefäße mit klaren Linien und eher dezenten Farben zu bevorzugen sind, darf und soll sich ein kreatives Büro ausgefallener, pfiffiger darstellen; hier soll ja gerade gezeigt werden, dass Lösungen außerhalb der ausgetretenen Pfade umgesetzt werden. Andere Maßstäbe sind wieder an die Gesundheits- und Wellness-Branche zu stellen: Hier bevorzugt man Wohlfühl-Pflanzen mit einer freundlichen Ausstrahlung (keine spitzen Blätter, keine Stacheln, keine düstere Farben etc.) und Pflanzgefäße aus Naturmaterialien (z.B. Holz, Geflecht, Stein-Kunststoff-Mischungen etc.).

Bei der Planung und Umsetzung einer stimmigen Begrünung haben sich die „Zehn goldenen Regeln der Gestaltung“ bewährt:

Individualität: „Allerwelts“-Gefäße und -Pflanzen zeugen von Beliebigkeit und Einfallslosigkeit – ein Image, das wohl kaum eine Firma vermitteln möchte. Also sollte man sich zunächst überlegen, was die Firma besonders macht und was dazu passen würde.

Die Welt ist bunt: Gerade Pflanzgefäße bieten eine hervorragende Möglichkeit, mit Farben zu „spielen“. Kann man vielleicht einen Farbton aus dem Mobiliar aufgreifen oder sogar die Farbe des Corporate Designs? Leider bevorzugen die meisten Firmen Silber oder Anthrazit, weil es zu den meist grauen Möbeln und Bodenbelägen ja so gut passt. Wie wäre es aber einmal, bewusst Akzente mit Farben zu setzen?

Keine Monotonie aufkommen lassen: Erliegen Sie nicht der Versuchung, ein geglücktes Ensemble beliebig zu duplizieren und überall dieselbe Pflanze hinzustellen. Natürlich soll es auch kein Sammelsurium werden. Bewährt hat es sich, bei einer Pflanzgefäßserie zu bleiben und diese in unterschiedlichen Größen (je nach Raum) zu verwenden. Das lässt keine Langeweile aufkommen und trotzdem ist alles aus einem Guss.

Material der Pflanzgefäße: Für jedes Ambiente und jeden Geldbeutel gibt es geeignete Materialien. Kunststoffgefäße sind in vielen interessanten Formen und allen (RAL-)Farben erhältlich, sie passen vor allem in moderne Räume. Naturmaterialien sind exklusiver, aber unverwechselbar in der Ausstrahlung und meist Unikate. Mischungen wie z.B. Polystone (gemahlener Stein mit Kunststoff) vereinen die Vorteile beider Materialien und sind universell einsetzbar.

Hydrokultur mit Stil: Nachdem das Hydrokultur-Granulat nicht gerade attraktiv aussieht, bietet es sich an, aus der Not eine Tugend zu machen und den Blähton mit farblich passenden Steinen (geschliffen oder Split) abzudecken, was überdies auch noch die Ausstrahlung des Ensembles unterstreicht.

Fühlt sich auch die Pflanze wohl? Dies ist vielleicht das wichtigste Kriterium überhaupt. Nur eine Pflanze, die sich an ihrem Standort wohl fühlt, wird mittel- und langfristig gut gedeihen und schön bleiben. Nachdem durch Hydrokultur eine optimale Wasserversorgung gewährleistet ist, muss man nur noch auf die richtigen Lichtverhältnisse achten. Faustregel, die für die meisten Pflanzen gilt: Ausreichend Licht (abhängig von der Pflanzenart), aber keine pralle Sonne.

Gibt es auch Pflanzen-„Typen“? Auch Pflanzen haben ihren speziellen „Charakter“ und deshalb harmoniert auch nicht jeder Pflanzen-„Typ“ mit jeder Umgebung. Buschige Pflanzen passen gut in eine natürlich wirkende Umgebung (Wellness, Gesundheit, Praxen), während skulpturale Pflanzen ein modernes bzw. minimalistisches Ambiente unterstreichen.

Es muss nicht immer Ficus benjamina sein: Zugegeben, Ficus benjamina (Birkenfeige) ist eine schöne Pflanze, trotzdem haben sich viele an ihr satt gesehen, weil er in fast jeder Wohnung und jedem Büro steht und überall zu haben ist. Dabei gibt es genug Alternativen (auch innerhalb der Familie der Ficusgewächse), die meist sogar pflegeleichter sind und noch nicht den Touch einer „Allerweltspflanze“ haben.

Pflanzen sind nicht nur schön, sondern auch nützlich: Wussten Sie, dass Pflanzen auch die Kreativität fördern? Das hat jedenfalls eine Studie der niederländischen Forschungseinrichtung TNO ergeben. Außerdem verbessern Pflanzen nicht nur die Luftqualität, sondern haben auch einen ausgleichenden und harmonisierenden Einfluss auf das zwischenmenschliche „Raumklima“. Sie lassen sich nicht zuletzt sehr gut zur Raumgliederung und als Sichtschutz einsetzen – und sehen dabei besser aus als die meisten Stellwände.

Lichtverhältnisse: Selbst wenn im Raum kein oder nur wenig natürliches Licht zur Verfügung steht, muss man nicht zwangsläufig auf lebendiges Grün verzichten. Bei schlechten Lichtverhältnissen verbessert eine Zusatzbelichtung die Begrünungsmöglichkeiten. In fensterlosen Räumen kann man sich immer noch mit Textilpflanzen bzw. floristischen Gestecken behelfen, wobei die Pflanzgefäße hier möglichst aus einem Naturmaterial sein sollten.

Wenn Sie diese zehn Regeln beachten, werden Ihre Räume nicht durch ein Pflanzen-Allerlei verdorben. Die Büros vermitteln dann vielmehr ein stimmiges und angenehmes Gesamtbild, das für eine positive und angenehme Arbeitsatmosphäre sorgt.

Autor: Johanna Kulzer, ist Inhaberin von GreenCoach – Individuelle Raumbegrünung in Eckental (johanna.kulzer@greencoach.de, www.greencoach.de).
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 11|2011, Seite 46

 
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