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Cloud Computing

Wolke ist nicht gleich Wolke

Es gibt verschiedene Arten, Daten in externe Rechenzentren auszulagern. Welche Modelle eignen sich für welche Anwendungen? Von Michael Jaekel und Bernd Steinle; Illustration: Anton Atzenhofer

Die Art und Weise wie Unternehmen ihre IT organisieren, ändert sich derzeit rapide. Bedingt wird diese Entwicklung nicht durch spektakuläre neue Technologien, sondern vielmehr durch die Einsicht in die Notwendigkeit, Hardware, Software und Daten möglichst effizient, sicher und kostengünstig bereitzustellen und in Form eines Miet-Modells („on demand“) zu nutzen. Dabei ist Cloud Computing nur der Oberbegriff, dahinter liegen hochkomplexe Architekturen – mit einer Vielzahl von Handlungsoptionen für die Unternehmen.

Public Clouds

Die bekanntesten Beispiele für Cloud Computing liefern die US-amerikanischen Unternehmen Google, Microsoft und Amazon, die verschiedene Services – von E-Mail-Postfächern bis zur Fotobearbeitung in riesigen Rechenzentrumsverbünden – bereitstellen. Bei diesen Organisationsformen handelt es sich um Public Clouds, also öffentliche, letztlich jedem Internet-Nutzer zugängliche und häufig kostenlose Services. Der genaue Ort der Daten (z.B. einer E-Mail), die in einem kostenfreien Mail-Account gespeichert ist, kann vom Endverbraucher nicht ermittelt werden. Im extremsten Fall kann sich diese Mail heute in einem Rechenzentrum in den USA und morgen in Indien befinden. Da die Daten flexibel innerhalb des Rechenzentrumsverbunds verschoben werden können, wird die Auslastung der Hardware optimiert. Positiv betrachtet bedeutet das geringere Material-, Wartungs- und Energiekosten, negativ betrachtet hat der Nutzer keine wirklich Hoheit über seine Daten. Das ist, um im Beispiel der E-Mail zu bleiben, solange unwichtig, bis aufgrund eines Defekts im Rechenzentrum alle Daten des Mail-Accounts gelöscht werden oder die Mail-Daten zu Werbezwecken an Dritte weiterverkauft werden. Datensicherheit, Datenschutz und Datenlokalisierung sind noch die großen Schwachpunkte der Public Clouds.

Private Clouds

Aus diesem Grund gibt es insbesondere für Unternehmen die Private Clouds: Die Architektur dieser IT-Bereitstellungsform unterscheidet sich prinzipiell nicht von Public Clouds: Im Rahmen eines Hardware-Verbundes werden die Daten und Anwendungen flexibel gespeichert und über das Internet abgerufen. Ein Unterschied ist, dass dieser Hardware-Verbund lokalisierbar ist: Eine Private Cloud ist eine abgesicherte Cloud-Lösung und befindet sich entweder im eigenen Rechenzentrum des Unternehmens oder im Rechenzentrum eines speziellen Dienstleisters. In der Private Cloud weiß der Nutzer, an welchem Ort sich seine Daten, zum Beispiel E-Mails, befinden. Dies ist für viele Unternehmen der entscheidende Vorteil: Bestimmte Kundendaten müssen entsprechend der Datenschutzgesetzgebung in Deutschland gespeichert werden, den Standort einer Private Cloud kann jedes Unternehmen selbst bestimmen. Die Themen Datenschutz und Datensicherheit lassen sich in den „eigenen vier Wänden“ durch Cloud-spezifische Leistungsvereinbarungen (Service Level Agreements SLAs) entsprechend organisieren, während ein Kunde in Public Clouds Nutzungsbedingungen des Anbieters unterliegt, die sich normalerweise nicht verhandeln oder ändern lassen. Die Sicherstellung der Datenverfügbarkeit beispielsweise lässt sich durch entsprechende Backup-Systeme im Rechenzentrum realisieren oder durch die Spiegelung des gesamten Datenmaterials in einem zweiten Rechenzentrum in nächster Nähe.

Hybride Clouds

Der Nachteil von Private Clouds ist, dass die Bereitstellung der gewünschten Services teurer ist als in der Public Cloud. Denn schließlich muss das Unternehmen weiterhin die Infrastruktur und das Personal für die Bereitstellung und Wartung selbst bezahlen oder diesen Service von Dienstleistern im On-Demand-Modus beziehen. Aus diesem Grund empfehlen die IT-Berater immer häufiger das Konzept der hybriden Clouds. Die Strategie lautet hier: So viel Public Cloud wie möglich, so viel Private Cloud wie nötig. Bei dieser Variante werden unternehmenskritische, sensible und besonderer Rechtsprechung unterliegende Daten und Anwendungen in eine Private Cloud verlagert. Hierzu zählen Kunden-, Personal-, Produktdaten, Forschungsdaten, aber mitunter auch die Mail-Postfächer der Mitarbeiter. Hoch standardisierbare, nicht unternehmenskritische Arbeitsprozesse hingegen (z.B. Erstellung von Grafiken oder Produktion von Werbemitteln) lassen sich weiterhin sehr gut in die Public Cloud auslagern. Dieses Konzept ist übrigens unabhängig von der Größe des Unternehmens – das heißt auch für mittelständische Kunden lohnen sich Hybride Cloud Ansätze.

Hybride Cloud-Lösungen lassen sich dann schließlich noch um die Ebene der Vernetzung unabhängiger Unternehmen über standardisierte Schnittstellen erweitern. Bei dieser sogenannten Community Cloud werden eigene und externe Cloud Computing-Partnerlösungen mit einbezogen. In hoch komplexen Wirtschaftssystemen findet die Wertschöpfung in den seltensten Fällen komplett im eigenen Unternehmen statt. Stattdessen müssen eine Reihe von Service-Dienstleistern, Zulieferern und Abnehmer mit eingebunden werden. Dies kann im Rahmen einer Cloud-Architektur funktionieren, indem beispielsweise Produktionsdaten eines Zulieferers zwar in dessen eigener Private Cloud verankert sind, diese aber in die Cloud-Umgebung des abnehmenden Unternehmens eingebunden ist.

Cloud Computing ist also kein monolithisches System, in dem es nur die Zustände „ein“ und „aus“ gibt. Cloud Computing entwickelt sich zu einem modular einsetzbaren Konzept. Das bedeutet, jedes Unternehmen kann und muss für sich entscheiden, welche Leistungen aus welchem Teil der Wolke bezogen werden sollen und welche nicht.

Autor:

Michael Jaekel

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ist Director Global Business Model Innovation bei der Atos IT Solutions and Services GmbH in Essen. Bernd Steinle ist Vertriebsleiter bei der Systemhaus Franken GmbH in Cadolzburg (bernd.steinle@systemhaus-franken.eu ).
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 11|2011, Seite 26

 
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