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142. Kammergespräch

Digitale Revolution sorgt für neue Spielregeln

Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks, spannte beim 142. Kammergespräch einen weiten Bogen: Veränderungen in der Medienlandschaft, neue Herausforderungen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und technischer Fortschritt in der Medienwelt.

Wilhelm gab den Gästen im Historischen Rathaussaal in Nürnberg eine Vorstellung davon, wie sich eine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt wie der Bayerische Rundfunk in der neuen Medienvielfalt positioniert. IHK-Präsident Dirk von Vopelius hatte bereits in seiner Begrüßung die Herausforderungen skizziert, die durch den Wandel der Medienwelt entstehen: „Die digitale Revolution ist in vollem Gange, sowohl online als auch in den klassischen Medien ringen die Spieler um neue Spielregeln.“ Vopelius würdigte Wilhelm, der derzeit unter anderem mit deutschen Zeitungsverlegern über diese Spielregeln diskutiert, als Intendanten mit ausgleichenden Qualitäten.

Kultur und Regionales

In seinem Vortrag „Demokratie in Zeiten der digitalen Revolution“ erläuterte Wilhelm die zentralen Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: Die Sender müssen durch hochwertige Berichterstattung über Politik, Wirtschaft, Kultur und andere Themen eine intensive Diskussion der Bevölkerung über diese Themen anregen. Zusätzlich sollen die ARD-Anstalten mit ihrem Programm die Identifikation mit der Kultur und der Geschichte einer Region ermöglichen. Um diesem hohem Anspruch gerecht zu werden, muss das Programm außerdem so vielfältig sein, dass jeder Bürger angesprochen wird. Daher sind nach Worten Wilhelms auch Sport- und Unterhaltungsformate wichtig für die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. „Nur wenn wir diese Aufgaben erfüllen, können in Deutschland die Demokratie und auch die Integration funktionieren. Wir tragen also eine immense Verantwortung“, sagte der BR-Intendant.

Alleine könne der öffentlich-rechtliche Rundfunk diese Aufgaben nicht übernehmen, das Zusammenspiel mit anderen Medien wie den Qualitätszeitungen sei dafür essenziell. Wilhelm rief daher zu mehr Kooperation auf: „Wir dürfen uns nicht nur als Konkurrenten sehen – schließlich leisten alle Medien gemeinsam einen wichtigen Dienst für die Allgemeinheit.“ Eine Situation, in der Zeitungen, Hörfunk- oder Fernsehsender sich gegenseitig nur noch attackieren und um Marktanteile käm-pfen, sollte laut Wilhelm vermieden werden.

Allerdings erhöht der Medienwandel den Druck auf alle Medien und stellt auch die öffentlich-rechtlichen Anstalten vor neue Herausforderungen. Beispielsweise treiben neue technische Vertriebskanäle die Kosten in die Höhe. Neue professionelle und nicht-professionelle Anbieter, die teilweise nicht den deutschen Mediengesetzen unterworfen sind, sorgen für harte Konkurrenz. Hinzu kommen steigende Erwartungen der Mediennutzer, vor allem in Bezug auf die Geschwindigkeit. „Natürlich muss auch der Bayerische Rundfunk neue Technologien wie beispielsweise das Internet oder Apps nutzen, um alle Bürger schnell und umfassend zu informieren“, erklärte Wilhelm. Er plädierte dennoch dafür, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk den Trends nicht uneingeschränkt folgt. „Wir sollten nicht jede Beschleunigung, jeden Hype und jedes Thema mitmachen.“ Vor allem in der unübersichtlichen Diskussionslandschaft im Internet sei es wichtig, dass klassische Medien mit qualitativ hochwertigen Beiträgen als „publizistische Leuchttürme“ Orientierung bieten: „Wir dürfen über die Revolution der Medienlandschaft unsere Kernaufgaben nicht vernachlässigen.“

Autor: 
jm.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 06|2012, Seite 14

 
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