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DIHK-Studie

Auslandsinvestitionen bleiben auf hohem Niveau

Die deutsche Industrie will ihre intensive Investitionstätigkeit im Ausland in den nächsten Monaten fortführen, obwohl sich die Konjunktur in wichtigen Märkten abkühlt.

Fast die Hälfte der befragten Industrieunternehmen treibt ihr Auslandsengagement in diesem Jahr mit Investitionen voran. Allerdings steigen die Budgets nicht mehr so schnell wie im Vorjahr. Zu diesem Ergebnis kommt die Umfrage „Auslandsinvestitionen in der Industrie“, die der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) und Germany Trade and Invest (GTAI) gemeinsam vorstellten. Ein Drittel der Unternehmen geht davon aus, dass die Investitionssumme bis Ende dieses Jahres ansteigt, rund die Hälfte will ihr Engagement im gleichen Ausmaß wie im Vorjahr fortführen, nur 13 Prozent fahren ihre Auslandsinvestitionen zurück.

Die Präsenz auf internationalen Märkten ist für viele Unternehmen ein wichtiges Standbein und gewinnt auch für die heimische Geschäftstätigkeit an Bedeutung, so eine wichtige Erkenntnis der Erhebung. Industrieunternehmen, die im Ausland investieren, liegen bei den Geschäftserwartungen über dem Durchschnitt. Zudem planen sie auch im Inland höhere Investitionen und mehr neue Stellen als Unternehmen ohne Auslandsengagement. „Auch der heimische Arbeitsmarkt profitiert von den auslandsaktiven Industrieunternehmen. Kapitalengagements im Ausland erweisen sich als Stütze für die deutschen Unternehmen hierzulande“, erklären die Autoren der Untersuchung.

Nicht überraschend ist, dass sich die Unternehmen angesichts der wirtschaftlichen Schwächetendenzen in einigen Weltregionen bei Investitionen in Betriebsstätten derzeit zurückhalten. Zudem bremst der relativ schwache Außenwert des Euro größere Kapazitätsausweitungen außerhalb Europas. Dafür gewinnt der Aufbau von Vertrieb und Kundendienst im Ausland an Bedeutung.

Erfreulich für den Industriestandort Deutschland: Bei den Auslandsinvestitionen spielen Produktionsverlagerungen, die mit hohen Kosten im Inland begründet werden, fast keine Rolle mehr. Das war vor zehn Jahren noch anders: Damals erklärten über 40 Prozent der Industriebetriebe Produktionsverlagerungen mit dem teuren Standort Deutschland, heute nur noch rund 20 Prozent. Gerade bei den Arbeitskosten habe Deutschland seine Position im internationalen Wettbewerb in den letzten Jahren klar verbessert, so der DIHK. Nach wie vor eine Rolle spielt das Kostenargument allerdings in puncto Energie- und Rohstoffpreise, hier scheint Deutschland an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.

Die deutsche Wirtschaft spannt ihr Netz der Auslandsinvestitionen immer weiter. „Die Märkte werden zunehmend breitgefächert bearbeitet. Immer mehr Zielregionen und Kunden geraten in das Blickfeld der Unternehmen“, schreiben die Autoren. Diese erfreuliche Entwicklung werde aber dadurch getrübt, dass eine Reihe von Investitionen durch Handelshemmnisse oder „Local-Content“-Vorschriften erzwungen werden. Bundesregierung und EU-Kommission müssten deshalb auf bilateraler Ebene und bei der Welthandelsorganisation WTO entschlossen gegen die zunehmenden protektionistischen Tendenzen vorgehen.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 07|2012, Seite 24

 
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