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Außenwirtschaft

Zukunftsmärkte fest im Blick

Die Schuldenkrise hat die Länder der Euro-Zone im Griff, die Weltwirtschaft wächst derzeit nur moderat. Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass in einzelnen Ländern dynamische Entwicklungen zu erwarten sind. Von Armin Siegert

Im vergangenen Jahr ist die Weltwirtschaft noch um fast vier Prozent gewachsen, in diesem Jahr wird der Zuwachs mit 3,3 Prozent moderater ausfallen, wie die Welthandels- und Entwicklungskonferenz Unctad prognostiziert. Wesentliche Ursachen der Verlangsamung sind die Reform- und Sparanstrengungen in zahlreichen Industriestaaten sowie die gedämpften Wachstumszahlen aus den USA.

Die Konjunkturschwäche Europas und zunehmende protektionistische Tendenzen weltweit haben auch das globale Handelswachstum auf vier Prozent abgebremst. Auch der deutsche Export steigt in diesem Jahr um immerhin vier Prozent. Neben dem günstigen Euro-Außenwert kommt den Firmen zugute, dass sie sehr gut in den Wachstumsmärkten der Weltwirtschaft positioniert sind. Für 2013 sind die Perspektiven nach wie vor viel versprechend: Die deutschen Ausfuhren werden nach Schätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) im Jahr 2013 um sechs Prozent wachsen, sodass der Titel des Vize-Exportweltmeisters gesichert wäre.

Asien bleibt für dieses Jahr die dynamischste Region mit einem Wachstum von sechs Prozent, Lateinamerika punktet insbesondere dank starker Binnennachfrage. Gut halten sich im internationalen Vergleich die afrikanischen Länder südlich der Sahara und die Staaten der GUS. Die US-Wirtschaft weist für ihre Verhältnisse weiterhin magere Wachstumszahlen in einer Größenordnung von zwei Prozent auf.

Exporte 2013 wieder im Aufwind

Für das kommende Jahr rechnen die Konjunkturexperten mit einer Aufhellung des Konjunkturhimmels, laut DIHK wird die Weltwirtschaft um knapp vier Prozent zulegen. Analysten gehen davon aus, dass die angeschobenen Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit in der Euro-Zone erste Früchte tragen und dass sich der Abwärtstrend in Europa allmählich umkehrt. Davon dürften die deutschen Exporte profitieren. Trotz des verhaltenen Wachstums in den USA machen deutsche Unternehmen jenseits des Atlantiks sehr gute Geschäfte, in diesem Jahr und auch 2013 werden die Ausfuhren Prognosen zufolge um jeweils mehr als zehn Prozent zulegen.

Impulse erwarten die deutschen Exporteuren insbesondere aus den Schwellenländern, u.a. in den sogenannten BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China: Die Schwellenländer in Südamerika wachsen seit Jahren robust und zunehmend selbsttragend. Davon profitiert „Made in Germany“, zum Beispiel in Brasilien mit einem Exportplus von sieben Prozent. Von einem Rekord zum anderen eilte der deutsch-russische Handel in den letzten Jahren. Dies dürfte sich fortsetzen, denn die russische Wirtschaft wird Prognosen zufolge im Jahr 2013 um vier Prozent wachsen, positive Impulse werden auch vom Beitritt des Landes zur Welthandelsorganisation WTO erwartet.

Dies alles lässt es als realistisch erscheinen, dass die deutschen Exporte um mehr als 30 Prozent zulegen. In Indien besteht die Hoffnung, dass die Regierung auf ihren wirtschaftlichen Liberalisierungskurs zurückkehrt, für 2013 wäre dann ein Wachstum von rund acht Prozent möglich. Das könnte den deutschen Exporteuren einen Zuwachs von sieben Prozent bescheren, so die Schätzungen. China bleibt die treibende Kraft der Weltwirtschaft, für 2013 wird für das Reich der Mitte eine Zunahme der Wirtschaftsleistung um 8,5 Prozent vorhergesagt, die deutschen Ausfuhren in das aufstrebende Land werden aller Voraussicht nach erneut um zehn Prozent zunehmen.

Für die Wirtschaft werden die außereuropäischen Schwellenländer als Absatzmärkte immer wichtiger. Neben den BRIC-Staaten rücken zunehmend Schwellenländer mit hoher Einwohnerzahl, zum Teil ausgestattet mit Rohstoffen, starkem Wachstum und fortschreitender Integration der Weltwirtschaft in den Fokus. Beispiele sind Kasachstan, Kolumbien, Indonesien, Mexiko, Vietnam, die Türkei oder Südafrika. Ein Blick in diese zweite Reihe aufstrebender Nationen lohnt durchaus. Allerdings stehen den ökonomischen Höhenflügen oft gravierende Engpässe entgegen, besonders die öffentliche Infrastruktur kann mit dem rasanten Wachstum nicht mithalten. Hier müssen die neuen Überflieger im großen Stil investieren, was großes Potenzial für Geschäfte auf Feldern wie Logistik, Verkehr, Medizin und Umwelttechnik eröffnet.

Technische Innovationen bestimmen die Zukunft und werden die Welt in rasanter Geschwindigkeit tiefgreifend verändern. Um nur einige Beispiele zu nennen, die die Weltwirtschaft nachhaltig beeinflussen werden: Bereits in wenigen Jahren werden 80 Prozent des weltweiten Wissens in Echtzeit zur Verfügung stehen, und vier Mrd. Internet-Nutzer online sein. Der weltweite Umsatz mit Nanoprodukten wird – so eine Studie der New Yorker Marktforscher von Lux Research – bis 2015 von 200 Mrd. US-Dollar auf bis zu 2,6 Billionen US-Dollar emporschnellen. Für erneuerbare Energien sehen Experten im Jahr 2020 weltweit ein Marktpotenzial zwischen 115 und 250 Mrd. Euro vorher. Bis 2050 leben nach Angaben der UN-Organisation Habitat rund sechs Mrd. Menschen in Städten, wo die Wasserversorgung ein zentrales Problem bleibt. Bereits heute haben 700 Mio. Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Außerdem wird sich die Wirtschaft durch die demografischen Entwicklungen verändern: Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wird der Anteil der über 60-jährigen in China Mitte des Jahrhunderts bei 31 Prozent liegen, für Deutschland werden 35 Prozent prognostiziert, noch dramatischer verläuft der Prozess in Japan. Zudem wird die Welt asiatischer: Während 2004 Indien und China zusammen nur sechs Prozent zur weltweiten Wirtschaftsleistung beitrugen, sollen es nach Schätzungen der Asian Development Bank im Jahr 2050 bereits 45 Prozent sein.

Klimawandel, Ressourcenknappheit, Aufschwung Asiens und großer Metropolen, Vormarsch des Internets, der Nanotechnologie und der Biotechnik werden weltweit Wirtschaft und Gesellschaft prägen. Wer heute die globalen Megatrends erkennt und die Weichen richtig stellt, gehört morgen zu den Gewinnern. Klar ist: Der internationale Technologiewettbewerb wird härter, das Geschäft komplexer und schwieriger: Der globale Kampf um kluge Köpfe über die Grenzen hinweg hat schon begonnen, er wird an Intensität zunehmen. Ob Komplettlösungen für die Wachstumsmärkte oder eine noch stärkere internationale Kooperation bei Forschung und Entwicklung – neue Strategien sind gefragt.

IHK-Dienstleistungen

Für die strategische Ausrichtung auf internationale Wachstumsmärkte sind langfristige Prognosen unverzichtbar. Die IHK hat gemeinsam mit der NürnbergMesse eine bis zum Jahr 2020 angelegte Untersuchung veröffentlicht, bei der 14 ausgewählte Zielregionen – davon zwölf Schwellenländer – mit fünf technologischen Kompetenzfeldern der Metropolregion verknüpft wurden. Sie ist eine wichtige Navigationshilfe – sowohl für die heimische Wirtschaft, als auch für die strategische Ausrichtung der IHK-Projektarbeit. So hat die IHK bereits in zahlreichen Wachstumsmärkten nachhaltige Kooperationen vereinbart, die als Plattformen für die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, aber auch zwischen Unternehmen und Forschungseinrichtungen dienen.

Für das Asien-Pazifik-Forum Bayern am 10. Juli 2013 in Nürnberg wird eine neue IHK-Prognos-Studie den Fokus speziell auf dieses Wachstumszentrum der Weltwirtschaft richten – mit Blick auf 2025. Wir blicken optimistisch in die Zukunft. Schließlich ist die mittelfränkische Wirtschaft auf den Weltmärkten exzellent aufgestellt. Sie verfügt mit ihrer innovativen Produkt- und Dienstleistungspalette über das, was die Märkte der Zukunft brauchen. Denn eines ist klar: Die Märkte der Zukunft warten nicht!

Autor: Armin Siegert, ist Leiter des IHK-Geschäftsbereichs International.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 11|2012, Seite 14

 
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