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Ingo Klöcker

Kunst aus Produkten

Mikrochips, Nadeln, Kunststoff-Farbmuster oder Streuscheiben: Bei diesen Gegenständen denken die meisten Menschen an Technik und Industrie, aber nicht an Kunst. Das ist bei dem Fürther Wissenschaftler, Ingenieur und Künstler Prof. Dr. Ingo Klöcker anders: Er macht Kunst aus (technischen) Produkten.

Wie sich seine Arbeiten über die Jahre entwickelt haben, lässt sich bis zum 2. Dezember 2012 bei der Ausstellung „Ingo Klöcker: Die kleine Retrospektive“ bewundern, die anlässlich seines 75. Geburtstages im Schloss Burgfarrnbach zu sehen ist (www.schloss-burgfarrnbach.de).

Die Idee zu seiner speziellen Kunstform kam Klöcker, der über 20 Jahre als leitender Ingenieur in verschiedenen Unternehmen tätig war, während der Besichtigung des Entwicklungszentrum von General Motors in den USA. „Die Modelle und Bauteile formten sich in meinem Kopf zu einem Bild“, erinnert sich der Künstler. Zurück in Deutschland entstand sein erstes „Materialbild“, das er „Primeur“ nannte. Das war 1983, inzwischen hat er 366 Materialbilder angefertigt.

Schon während seiner Zeit als Ingenieur – zuletzt bei Uvex in Fürth – interessierte er sich für Kunst, sie spielte in seinem Leben jedoch noch eher eine Nebenrolle. Vor rund 30 Jahren wechselte Klöcker dann von der Wirtschaft in die Lehre und war Professor in den Bereichen Konstruktion, Werkstofftechnik, Industrial Design und Darstellungstechniken an der Nürnberger Ohm-Hochschule, für die er auch heute noch als Dozent tätig ist. Durch diesen Wechsel rückte die Kunst wieder mehr in den Mittelpunkt. „Technik und Kunst schließen sich für mich nicht aus“, betont Klöcker. „Der Begriff Technik stammt von dem griechischen Wort ,techne‘ und das bedeutet wörtlich übersetzt Kunst.“

Typisch für Klöckers Bilder und Skulpturen ist eine inszenierte Störung von Regelmäßigkeit, ein Punkt, an dem der Betrachter hängen bleibt. „Meine Kunst hat aber nichts Destruktives, Mülliges“, so Klöcker. „Kunst sollte erfreuen.“ Über Mundpropaganda kamen in den Jahren nach 1983 die ersten Projekte zustande. Zu seinen Auftraggebern aus der Region gehören Unternehmen wie Datev, Faber-Castell, INA-Schaeffler, Siemens, Leoni, Schwan-Stabilo, Arvena Park Hotel und die Spielwarenmesse. Vielen Unternehmen, die keine selbsterklärenden Produkte wie Autos oder Laptops herstellen, bietet Klöckers Kunst eine neue Darstellungsform, um sich den Kunden auf dem Betriebsgelände, im Firmengebäude oder bei Messen auf eine neue, künstlerische Weise zu präsentieren.

Klöckers Kunst findet man aber nicht nur in Empfangsbereichen, Besprechungszimmern oder Kantinen von Unternehmen, sondern auch auf öffentlichen Plätzen: In Fürth erinnert die Spiegelsäule am Rande der Dr.-Konrad-Adenauer-Anlage an die Spiegelindustrie, für die die Stadt in der Vergangenheit ein bedeutendes Zentrum war. Das Kunstwerk schuf Klöcker mit der in Nürnberg ansässigen Flabeg-Gruppe. Auch vor der Ohm-Hochschule Nürnberg in der Wollentorstraße ist eines seiner Kunstwerke zu sehen: Den 26 Tonnen schweren Läufer einer Dampfturbine hat er auf einem Eisenpfahl in luftiger Höhe montiert und ihn mit Edelstahlrohren versehen, die den Dampf repräsentieren – ein Koloss, der Leichtigkeit ausstrahlt.

Autor: 
am.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 11|2012, Seite 63

 
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