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"Limeseum" bei Ruffenhofen

Die Römer in Franken

Der obergermanische-rätische Limes, mit dem die Römer einst ihr Reich nach Norden absicherten, ist das einzige Unesco-Welterbe in Mittelfranken. Das neue Limeseum am Römerpark Ruffenhofen lässt diesen Teil der Geschichte wieder lebendig werden.

Unser Konzept kommt gut an“, lautet die Zwischenbilanz von Museumsleiter Dr. Matthias Pausch ein gutes halbes Jahr nach Eröffnung des Museums im Landkreis Ansbach. Seitdem hat sich das Limeseum als Besuchermagnet erwiesen. Nach einem lebhaften Start im vergangenen Jahr setzte sich das Besucherinteresse in diesem Jahr unvermindert fort. Nachdem bereits bis Anfang April über 5 000 Besucher nach Ruffenhofen kamen, wurde die ursprüngliche Zielmarke von 10 000 Besuchern im ersten Jahr bereits deutlich nach oben korrigiert.

Die Besonderheit des Kastells Ruffenhofen, dem größten und wichtigsten zwischen den Stützpunkten Aalen und Weißenburg, resultiert aus der Tatsache, dass es nie überbaut wurde. Die Kastellmauern umfassen ein ca. 3,7 Hektar großes Gebiet und boten Platz für rund 500 Reitersoldaten. Zunächst wurde es als Holzkastell errichtet und um 150 n. Chr. in Steinbauweise modernisiert. In der Nachbarschaft lebten rund 1 500 Händler, Handwerker und andere Bewohner.

Eindrucksvolle Architektur

Pausch sieht gute Gründe für die Anziehungskraft des Limeseums, beispielsweise die besondere Architektur des runden Gebäudes, das auf einem Hügel liegt. Im Inneren des Hauses bewegen sich die Besucher auf einer kontinuierlichen Steigung von ca. drei Prozent. Durch das Panoramafenster bietet sich ihnen ein beeindruckender Ausblick auf das Originalkastell von Ruffenhofen, dessen Umriss zur besseren Anschaulichkeit raumgebend bepflanzt wurde. Das lebendige Konzept der Dauerausstellung setzt Schwerpunkte auf die Themen Kastell und Soldaten, ziviles Leben, Holzerhaltung sowie Untergang der einstigen Grenze.

Soldat December als Begleiter

Um die damalige Zeit gut „nacherleben“ zu können, werden die Besucher von dem historischen Soldaten December begleitet, der namentlich aus dem Kastell Ruffenhofen bekannt ist und dessen Lebenstationen nachvollzogen werden. In einer Idealrekonstruktion, die als Film gezeigt wird, vermitteln Schauspieler römisches Leben vor Ort. Sequenzen des Films sind im Freigelände per App und Smartphone abzurufen, um die einzelnen Stationen auf dem Areal bildreich erlebbar zu machen. Das digitale Angebot kommt bei Jugendlichen, aber auch bei den älteren Museumsbesuchern gut an, wie Pausch beobachtet hat.

Dass das Limeseum überhaupt in dieser Form entstehen konnte, ist dem Zweckverband der umliegenden drei Gemeinden Gerolfingen, Weiltingen und Wittelshofen zu verdanken, in denen insgesamt 5 000 Einwohner leben. Der Zweckverband wurde 2001 gegründet, ein Jahr später stieß Pausch dazu. Die Investition von knapp vier Mio. Euro konnte nur durch den „Glücksfall Konjunkturpaket“ gelingen, aber auch der Landkreis Ansbach und der Bezirk Mittelfranken engagierten sich. Denn die Förderung durch den Bund kam nur in Frage, wenn auch der anschließende Betrieb finanziell gesichert werden konnte. Für Pausch ist es eine große Teamleistung, in die er alle Beteiligten bis hin zu den ehrenamtlichen Museumsführern einschließt.

Touristischen Flankenschutz bietet das Urlaubspaket „Romantisches Franken“, das auch überregional über den Römerpark Ruffenhofen informiert. Zudem ist der Römerpark, auf dessen Gebiet sich eine große Streuobstwiese mit alten Apfelsorten befindet, Mitglied in der „Fränkischen Moststraße“ rund um den Hesselberg. Die Bäume kommen nicht von ungefähr, denn die Römer brachten die bis dato unbekannten Äpfel, Walnüsse und Kirschen zur Kultivierung in die Region, die Kirschbäume wiederum hatten die Römer aus der heutigen Türkei mitgebracht. Deshalb informiert der Römerpark auch über die Verwendung von Obst zur Römerzeit.

Viele Besucher kommen eigens wegen des Limeseums nach Ruffenhofen, andere sind Wanderer, die auf ihren Touren dort Station machen. Wieder andere sind Städtetouristen, die dem Museum vom nahegelegenen Dinkelsbühl aus einen Besuch abstatten. „Das Limeseum bringt enorm viel für die Region“, ist sich Pausch sicher. Man habe sich vom Römerpark zwar im Vorfeld viel erhofft, aber es sei natürlich nicht abzusehen gewesen, ob er sich als touristische Attraktion erweise werde. Der Museumsleiter sieht das neue Angebot auch nicht als Konkurrenz zu den Limes-Standorten Weißenburg und dem baden-württembergischen Aalen, sondern als Ergänzung: „Jeder Ort macht Lust auf mehr.“ Deshalb setze jeder Standort eigene Akzente, wie dies in Weißenburg mit der römischen Therme der Fall sei.

Limes-App für das Welterbe

Die neue Smartphone-App „Limes Mittelfranken Mobil“ führt Besucher auf einer Wegstrecke von rund 60 Kilometern in die römische Vergangenheit Mittelfrankens. Die Bayerische Sparkassenstiftung initiierte das innovative Projekt und trug maßgeblich zu seiner Finanzierung bei; weitere Geldgeber waren der Bezirk Mittelfranken, die Kommunen am Limes sowie die Sparkassen Gunzenhausen, Mittelfranken-Süd und Ansbach.

Vom obergermanisch-raetischen Limes, der seit 2005 zum internationalen Unecso-Welterbe „Grenzen des Römischen Reiches“ gehört, sind allerdings nur wenige Spuren sichtbar. Deshalb bedarf es einer zeitgemäßen Präsentation dieses größten Bodendenkmals in Deutschland. Die App ermöglicht es den geschichtsinteressierten Besuchern, auch schwer zu lokalisierende archäologische Denkmäler zu entdecken und interessante archäologische Informationen vor Ort zu erhalten.

Von der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern wurde in Kooperation mit der Firma Boundary Productions (www.boundary.de) ein multimediales Informationssystem entwickelt, das filmische Inhalte, Bilder, Tonspuren und Texte direkt vor Ort auf mobilen Endgeräten (Smartphones und Tablet-Computern) bereitstellt. Insgesamt wurden 50 Punkte in der Landschaft festgelegt sowie für das Apple-Betriebssystem iOS weitere 25 im Archäologischen Museum der Stadt Gunzenhausen, im Limeseum am Römerpark Ruffenhofen und in den Römischen Thermen der Stadt Weißenburg.

Sie vermitteln die Geschichte der römischen Grenzanlage in dieser Region. Integriert ist auch eine GPS-Navigation: Das Smartphone meldet sich automatisch per Alert-Funktion, sobald ein interessanter Ort in der Landschaft zu entdecken ist und stellt den Zusammenhang zwischen Bodendenkmal und dort gefundenen Objekten her.

Die Applikation und alle Inhalte sind auch ohne Internet-Verbindung verfügbar. Alle Inhalte sind in die Anwendung eingebunden und werden mit der Applikation auf das Mobiltelefon geladen. Die kostenfreie Applikation steht über I-Tunes im App-Store bzw. im Google Play Store (https://play.google.com) in einer deutschen und einer englischen Version zum Download bereit.

Autor: 
tt.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 05|2013, Seite 54

 
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