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Verbundausbildung

Gemeinsam lernen

Viele Unternehmen können oder wollen nicht alle Inhalte einer Ausbildung selbst abdecken. Für sie bietet sich die Verbundausbildung an, bei der Teile der Ausbildung in einen anderen Betrieb ausgelagert werden. Ein Einblick in die Praxis dreier mittelfränkischer Unternehmen.

Die Semikron Elektronik GmbH & Co. KG beschäftigt an ihrem Stammsitz in Nürnberg 32 Auszubildende, die zu Industriekaufleuten, Fachinformatikern, Mechatronikern und Elektronikern für Betriebstechnik qualifiziert werden. In der gewerblich-technischen Ausbildung arbeitet Semikron seit Jahren erfolgreich mit dem Zentrum für Aus- und Weiterbildung (ZAW) Nürnberg sowie mit der Siemens AG zusammen.

„Neben unserer internen Ausbildungseinrichtung nutzen wir sehr gerne die enge und unternehmensübergreifende Zusammenarbeit, um unseren Auszubildenden eine bestmögliche Berufsausbildung zu bieten“, erläutert Anja Redlingshöfer, verantwortlich für die Koordination und Planung der Berufsausbildung am Standort Nürnberg. Ihre ersten Tage erleben alle Auszubildenden am Stammsitz von Semikron. „Das ist sehr wichtig für das gegenseitige Kennenlernen, die Identifikation und Bindung an das Unternehmen“, betont Redlingshöfer.

Die gewerblich-technischen Auszubildenden wechseln nach der ersten Einführungsphase zum jeweiligen Kooperationspartner. So erlernen die zukünftigen Elektroniker für rund ein halbes Jahr beim ZAW die Grundlagen ihres Berufsbilds, die Mechatroniker werden gemeinsam mit den Siemens-Auszubildenden in deren Ausbildungszentrum angelernt. Anschließend werden sie für einige Wochen bei Semikron zur sogenannten Bereichserkundigung eingesetzt.

In den beiden darauffolgenden Ausbildungsjahren durchlaufen die technischen Auszubildenden verschiedene Fachabteilungen am Stammsitz von Semikron und sind nur noch blockweise zu berufsbildspezifischen, vertiefenden Ausbildungsinhalten beim Kooperationspartner ZAW bzw. bei Siemens. Das vierte und letzte Ausbildungsjahr steht im Zeichen der Prüfungsvorbereitung, welche ebenfalls bei Semikron stattfindet.

Einer der Erfolgsfaktoren bei der dualen Berufsausbildung mit einem Kooperationspartner ist laut Redlingshöfer, dass die jungen Menschen stets im engen Kontakt zu ihren Ausbildern und Betreuern sowie der Ausbildungskoordinatorin stehen.

„Diesen höheren organisatorischen Aufwand nehmen wir gerne in Kauf, denn das gute Zusammenspiel mit den Kooperationspartnern und die guten Ausbildungsergebnisse rechtfertigen das Modell“, betont die Ausbildungsreferentin. Zudem erhalten die Auszubildenden einen ersten Einblick in unterschiedliche Arbeitsweisen: „Das weitet den Horizont und stärkt die Persönlichkeit.“ Entsprechend positiv fallen auch die Rückmeldungen sowohl von den Auszubildenden als auch von den Ausbildern aus. „Wir haben seit über 15 Jahren durchweg positive Erfahrungen mit der Verbundausbildung gemacht“, zieht Redlingshöfer Bilanz.

Vermittlung der Grundlagen im Verbund

In der Langenzenner Firma Maxfeld Stanzbiegetechnik GmbH & Co.KG ist Manfred Winter verantwortlich für die kaufmännischen und technischen Ausbildungsberufe, betreut aber inhaltlich als ausgebildeter Maschinenbautechniker nur den technischen Bereich. Von den 80 Mitarbeitern der Firma Maxfeld, die auf die Produktion von Metallwaren aus Draht- und Bandmaterial spezialisiert ist, sind zehn Auszubildende. Acht werden im technischen Bereich zu Industriemechanikern und Werkzeugmechanikern der Fachrichtung Stanz- und Umformtechnik ausgebildet.

Hinzu kommen zwei Azubis im kaufmännischen Bereich. Auch Maxfeld schickt seine Auszubildenden aus dem technischen Bereich ins ZAW. „Um Grundausbildungsinhalte zu vermitteln, ist das ZAW bestens gerüstet“, sagt Winter. Maxfeld halte dafür keine personellen Ressourcen bereit. Im ersten Jahr sind die Azubis nahezu ausschließlich im Partnerunternehmen anwesend, den vertiefenden Teil der Ausbildung im zweiten und dritten Lehrjahr übernimmt Maxfeld dann selbst.

„Von Zeit zu Zeit kommt die Verbundausbildung zwar bei uns auf den Prüfstand, insgesamt sind wir aber sehr zufrieden mit dieser Lösung“, betont Winter. Zu speziellen Themen arbeitet Maxfeld darüber hinaus auch mit anderen Fortbildungs- und Ausbildungsdienstleistern zusammen, etwa wenn es um CAD geht. Die Kunden von Maxfeld stammen aus Industriebranchen wie Automobil, Haushaltswaren, Medizintechnik und Elektroindustrie. „Entsprechend gut ausgebildete Leute benötigen wir, um künftigen Herausforderungen gewachsen zu sein“, betont Winter.

Azubis schneiden gut ab

21 Auszubildende beschäftigt die Zeitlauf GmbH & Co.KG mit Hauptsitz in Lauf, für die insgesamt 280 Mitarbeiter tätig sind. Der Antriebsspezialist, der seit Januar 2013 zum Schwarzwälder Motorhersteller EBM-Papst gehört, stellt Kleingetriebemotoren her. Die Produktpalette umfasst Stirnrad-, Planeten- und Winkelgetriebemotoren mit Kronenradtechnologie sowie kundenspezifische Sonderlösungen.

Auch bei Zeitlauf sind mit 17 Auszubildenden die meisten im technischen Bereich beschäftigt, hinzu kommen drei Azubis im kaufmännischen Bereich und einer im technischen Produktdesign. In fast allen Berufen, mit Ausnahme des Mechatronikers, bildet Zeitlauf selbst aus.

„Die Ausbildung zum Mechatroniker hat einen mechanischen Inhalt und einen elektronisch-technischen“, erläutert Personalreferent Kai Kühhorn. Den mechanischen Teil übernehme Zeitlauf selbst, für den elektronisch-technischen Teil arbeite das Unternehmen mit dem ZAW zusammen. „Da wir jährlich nur einen Ausbildungsplatz zum Mechatroniker besetzen, ist das letztlich eine Kosten-Nutzen-Rechnung“, erklärt Kühhorn.

Im ersten Lehrjahr ist der Azubi ausschließlich im ZAW. „Wir halten selbstverständlich in dieser Zeit den Kontakt aufrecht“, betont der Personalreferent. Die Zusammenarbeit mit dem ZAW sei gut. „Wir sehen das auch an den Abschlussprüfungen. Unsere Mechatroniker schneiden immer gut bis sehr gut ab“, zieht Kühhorn Bilanz.

Autor: 
Carsten Lange
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 10|2013, Seite 22

 
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