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Berufsbegleitendes Studium

Viele Wege führen zum Abschluss

In der Region Nürnberg gibt es zahlreiche Möglichkeiten, parallel zur Berufstätigkeit ein Studium zu absolvieren. Zunehmend beliebt sind Angebote, die zum „Master of Business Administration“ (MBA) führen.

Über 413 300 Frauen und Männer bekamen 2012 an deutschen Hochschulen ihr Abschlusszeugnisse überreicht. Damit haben die Absolventenzahlen eine Rekordmarke erreicht. Die Anziehungskraft einer akademischen Ausbildung wirkt auch auf diejenigen, die schon im Arbeitsleben stehen. Das Interesse an berufsbegleitenden Studiengängen ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen – so der einstimmige Tenor der Hochschulen in der Region Nürnberg.

Wer neben dem Berufsalltag ein Studium stemmen will, muss über einen langen Zeitraum eine Doppelbelastung und Abstriche am Freizeitbudget in Kauf nehmen. Wenn Freunde an Wochenenden am Badesee chillen, schwitzt der nebenberufliche Student bei der Klausurvorbereitung. Unter der Woche heißt es, die Synapsen im Gehirn nach einem Arbeitstag wieder in den Aktionsmodus zu versetzen.

Hohe Motivation

Diese Disziplin setzt nicht nur eine hohe Motivation voraus, sondern auch Verständnis der Kollegen am Arbeitsplatz sowie der Familienangehörigen und Freunde. „Das private Umfeld muss mitziehen, sonst ist die Doppelbelastung Studium und Beruf nicht zu schaffen“, betont Myren Neumann, Leiterin des Nürnberger Regionalzentrums der FernUniversität in Hagen. Sie weiß aus Erfahrung, dass die Beanspruchung durch das Nebeneinander von Arbeit und Studium bisweilen unterschätzt wird. Vor allem in den ersten Semestern sind die Abbrecherquoten hoch.

Die 1974 gegründete FernUniversität in Hagen ist die einzige staatliche deutschsprachige Universität, die Bachelor- und Master-Studiengänge sowie Weiterbildungsmöglichkeiten als Fernstudium anbietet. An den vier Fakultäten Kultur- und Sozialwissenschaften, Mathematik und Informatik, Wirtschaftswissenschaften und Rechtswissenschaften sind derzeit über 85 000 Studierende immatrikuliert, davon sind über 80 Prozent berufstätig. Dem Regionalzentrum Nürnberg, dessen Einzugsgebiet bis in die Oberpfalz und nach Oberfranken reicht, sind etwa 3 500 Studierende zugeordnet.

Flexible Lernzeiten

Den größten Zulauf haben die Wirtschaftswissenschaften und die Kultur- und Sozialwissenschaften, vor allem Psychologie. Das Fernstudium bedient insbesondere Zielgruppen, deren Arbeits- und Lebenssituation sich nicht in den fixen Stundenplan eines Präsenzstudiums pressen lässt. Dennoch sind die Studierenden nicht auf sich allein gestellt: Sie finden in den Regionalzentren Beratung und fachliche Unterstützung bei Mentoren. Einige Lehrveranstaltungen vermitteln das grundlegende Handwerkszeug wie Literaturrecherche, Lerntechniken oder Zeitmanagement.

Die Flexibilität eines Fernstudiums eröffnet den Studierenden Freiräume; sie bergen jedoch die Gefahr, sich darin zu verirren und letztendlich zu scheitern. Als die FOM Hochschule 1994 ihren Studienbetrieb in Essen aufnahm, wollte sie Berufstätigen mit akademischen Ambitionen eine Alternative zum Fernstudium bieten. Die FOM-Studierenden besuchen abends und am Wochenende Seminare und Vorlesungen an den Studienzentren der privaten Fachhochschule, deren Träger die gemeinnützige Stiftung „BildungsCentrum der Wirtschaft“ ist. Aktuell gibt es in Deutschland 32 Studienzentren, seit 2006 zählt auch Nürnberg zu den FOM-Standorten. Damals waren 60 Studierende bei der FOM eingeschrieben, heute sind es über 1 000.

Breites Studienangebot

Das Studienprogramm umfasst Bachelor-Studiengänge (Business Administration, International Management, Steuerrecht, Wirtschaftsinformatik, Wirtschaftsrecht sowie Gesundheits- und Sozialmanagement), die in der Regel auf eine Studiendauer von sieben Semestern ausgelegt sind. Die Master-Studiengänge dauern vier Semester. Außerdem hat die FOM in Nürnberg seit Beginn des Wintersemesters 2013/2014 die „Open Business School“ gestartet, die in drei Etappen zum Bachelor of Arts führt; der dreistufige Aufbau geht besonders auf die Bedürfnisse beruflich qualifizierter Teilnehmer ein. Betriebswirte (staatlich geprüft, IHK oder VWA) können gleich in Stufe 3 einsteigen und nach drei Semestern ihren Bachelor-Abschluss machen.

In allen Studienangeboten bleibt die FOM ihrem Grundsatz des Präsenzstudiums treu: „Die Veranstaltungen sind ein strukturgebender Rahmen, der die Doppelbelastung aus Arbeit und Studium erleichtert“, betont Felix von Dobschütz, Geschäftsleiter des Nürnberger Studienzentrums. Ein weiterer Vorteil sei die Gruppendynamik: „Wer einen Durchhänger hat, wird von den anderen Teilnehmern aufgefangen. Hinzu kommt, dass Teamarbeit und der Diskurs unter den Teilnehmern ein lösungsorientiertes Herangehen fördern und die Möglichkeit bieten, den Lernstoff zu vertiefen.“ Außerdem sei der kontinuierliche persönliche Kontakt zu den Dozenten ein enormer Mehrwert des Präsenzstudiums.

Das Management-Institut Technische Hochschule Nürnberg (GSO-MI) bietet seit 2002 berufsbegleitende Studiengänge und Weiterbildung in Betriebswirtschaft und deren Spezialgebieten. Am Institut, das der Technischen Hochschule Georg Simon Ohm angegliedert ist, können sich Berufstätige in zwölf Trimestern zum Bachelor in Betriebswirtschaftslehre qualifizieren. Die Lehrveranstaltungen finden werktags an drei Abenden statt und werden durch einen hohen Anteil an E-Learning ergänzt. Ein Angebot richtet sich speziell an IHK-Betriebswirte, die den Bachelor-Grad anstreben: Seit 2010 können sie nach einem Aufbaukurs in den Fächern Betriebsstatistik, Wirtschaftsmathematik und Business-Englisch in sechs Trimestern einen akademischen Abschluss als Bachelor erlangen.

Verein engagiert sich

Die Verwaltungs- und Wirtschafts-Akademie Nürnberg (VWA) engagiert sich schon seit vielen Jahrzehnten für die Weiterqualifizierung Berufstätiger. Träger dieser 1950 wiedergegründeten Institution ist der gleichnamige eingetragene Verein; zu seinen Mitgliedern zählen mehrere Städte und Unternehmen der Metropolregion Nürnberg sowie die IHK Nürnberg für Mittelfranken. Akademieleiter ist der Regierungspräsident von Mittelfranken, die Studienleitung übernehmen Professoren der Universität Erlangen-Nürnberg, an der auch ein großer Teil der Vorlesungen stattfindet.

Ansprechen will die VWA Nürnberg insbesondere auch Studieninteressierte ohne Abitur. Sie haben die Chance, sich in sieben Semestern zum Betriebswirt (VWA) zu qualifizieren, wobei folgende Schwerpunkte gewählt werden können: Informatik, Verwaltung, Business-English oder Gesundheits- und Sozialmanagement. Seit diesem Jahr wird mit einem VWA-Abschluss die allgemeine Hochschulzugangsberechtigung erreicht.

VWA-Geschäftsführerin Christine Berg weist darauf hin, dass mit dem VWA-Studium auch der akademische Bachelor-Grad einer staatlichen bayerischen Hochschule erworben werden kann. Für dieses Angebot, das in Kooperation mit der Hochschule Hof realisiert wird, registriere die VWA ein zunehmendes Interesse. Im laufenden Wintersemester sind an der VWA Nürnberg und ihren Zweigakademien in Ansbach, Bamberg, Bayreuth, Coburg und Hof insgesamt über 900 Studierende immatrikuliert.

MBA-Studiengänge

Das Kürzel „MBA“ findet sich inzwischen auf vielen Visitenkarten der Führungsebene von Unternehmen – ein klarer Hinweis, dass der „Master of Business Administration“ auch in Deutschland immer populärer wird. Der international anerkannte Abschluss setzt ein Erststudium sowie Berufserfahrung voraus und ist generalistisch konzipiert; das heißt, das MBA-Programm sollte die betriebswirtschaftliche Wissensbasis verbreitern. Eine wichtige Zielgruppen des MBA sind Hochschulabsolventen aus den Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften, die sich BWL-Know-how aneignen wollen. Aber auch viele Wirtschaftswissenschaftler entscheiden sich für ein MBA-Studium.

Das Management-Institut Technische Hochschule Nürnberg bietet seit über zehn Jahren MBA-Programme an, die zwei oder drei Semester dauern. Sie sollen den Teilnehmern die Fähigkeiten vermitteln, die im Management von Führungskräften erwartet werden. Dabei liegt der Fokus auf der internationalen Ausrichtung: Zum Programm gehören Studienwochen an Partneruniversitäten in den USA und in China. Die Unterrichtssprache ist Englisch. Viele Studierende kommen aus Indien und China. Für Marketing-Leiterin Ursula Nierhoff ist dies ein Zeichen, dass sich das MBA-Programm auch international einen guten Ruf erarbeitet hat.

Zum Angebot der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) gehört ein berufsbegleitendes MBA-Studium, das den Teilnehmern in drei Semestern ökonomische und internationale Kompetenzen sowie Führungsqualität vermitteln will. Organisiert und verantwortet wird das MBA-Programm vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften und der WiSo-Führungskräfteakademie, einem Institut, das der FAU angegliedert ist. Anfang Oktober hat das zehnte MBA-Programm begonnen, für das pro Jahrgang nicht mehr als 25 Teilnehmer aufgenommen werden.

In einem Zeitraum von 18 Monaten kommen sie an 36 Wochenenden jeweils Freitagnachmittag und samstags zusammen, um Vorlesungen zu hören, Fallstudien zu diskutieren und zu präsentieren sowie Projekte zu entwickeln. Die Unterrichtssprache ist Deutsch – in MBA-Programmen eher die Ausnahme denn die Regel. Aber die FAU und die WiSo-Führungskräfteakademie (WFA) haben diese Sprachenwahl bewusst getroffen, wie WFA-Geschäftsführer Dietmar Bendheimer erläutert: Der Großteil der Studierenden lebt und arbeitet in der Regel in einem Radius von 200 Kilometern rund um Nürnberg und hat Deutsch als Muttersprache. Vor diesem Hintergrund wirke es aufgesetzt, wenn sich die Teilnehmer und die Dozenten auf Englisch verständigen.

Bunte Mischung

Einen wesentlichen Erfolgsfaktor sieht Dietmar Bendheimer in der Vielfalt des Teilnehmerspektrums: Im MBA-Programm von FAU und WFA sind neben den Schwerpunkt-Berufsgruppen Ingenieure und Betriebswirte auch Theater- und Sportwissenschaftler oder Apotheker zu finden. Hinsichtlich der Branchen und Unternehmensgröße ist die Mischung der MBA-Studierenden ziemlich bunt und reicht vom Mittelständler bis zum Weltkonzern. „Diese Heterogenität ist sehr bereichernd für die Qualität des MBA-Programms“, betont der WFA-Geschäftsführer. Die Teilnehmer profitieren von den kreativen Lösungsansätzen, die erst durch einen „Blick über den Tellerrand“ entstehen können.

Als internationale Graduate School der Steinbeis Universität (Berlin) zählt die School of International Business and Entrepreneurship (SIBE) ebenfalls  zu den Anbietern von Master-Programmen. Die SIBE, die am Standort Nürnberg mit dem Steinbeis-Transfer-Institut für Unternehmensführung und Internationalisierung vertreten ist, setzt auf das Konzept einer berufsintegrierten Master-Ausbildung, deren Dreh- und Angelpunkt ein konkreter Projektvorschlag eines Unternehmens ist.

Einblick in den "Projektpool"

Studieninteressenten haben Einblick in diesen „Projektpool“ und bewerben sich für einen Master-Studiengang, in dessen Rahmen ein Projekt bearbeitet wird. Auf diese Weise bringt SIBE motivierte akademische Nachwuchskräfte und Unternehmen in Kontakt. Während des 24 Monate dauernden Master-Programms sind die Master-Aspiranten sowohl im Unternehmen, wo sie von einem Mentor betreut werden, als auch im Hörsaal aktiv. Dort wird ihnen an 80 Seminartagen das akademische Rüstzeug für den Master-Abschluss vermittelt. „Auf diese Weise ist eine enge Verzahnung zwischen Theorie und Praxis gewährleistet. Dieser Transferansatz ist charakteristisch für die Steinbeis Hochschule. Wir forschen nicht im Elfenbeinturm“, erklärt Prof. Dr. David Rygl, Direktor des Nürnberger Instituts.

Die Master-Programme der SIBE haben großen Zulauf, laut Rygl kann nur ein Zehntel der zahlreichen Bewerbungen berücksichtigt werden. Wer einen Platz bekommen hat, muss ihn nicht aus der eigenen Tasche finanzieren. Für die Studiengebühren und den Lebensunterhalt der Master-Kandidaten kommt das Unternehmen auf, das das Projekt ausgeschrieben hat.

Der Weg zum Hochschulabschluss

Viele Wege durch die Hochschullandschaft führen zu einem akademischen Abschluss. Hier ein kurzer Überblick:

Studienvoraussetzungen: Die Eintrittskarte für das Studium ist die Hochschulzugangsberechtigung. Deutsche Schulabschlüsse, die die Immatrikulation ermöglichen, sind die allgemeine Hochschulreife (Abitur), die fachgebundene Hochschulreife und die Fachhochschulreife. Unter bestimmten Voraussetzungen stehen die Türen der Hörsäle auch qualifizierten Berufstätigen ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung offen. Detaillierte Informationen für das Studieren ohne Abitur in Bayern bietet das Kulturministerium auf seiner Homepage (www.stmwfk.bayern.de/hochschule/studium-abschluesse).

Studienabschlüsse: Studiengänge werden entweder mit einer Staatsprüfung oder mit einer Hochschulprüfung abgeschlossen. Das Staatsexamen setzt den Schlusspunkt unter das Studium der Human-, Zahn- und Tiermedizin, Rechtswissenschaft, Pharmazie, Lebensmittelchemie und einiger Lehrämter. Die akademischen Grade Bachelor und Master werden nach einer erfolgreich abgelegten Hochschulprüfung verliehen. Mit dem Bachelor erwerben Studierende einen ersten berufsqualifizierenden Abschluss, der Master-Studiengang baut darauf auf. Nach einer Regelstudienzeit von mindestens einem und maximal zwei Jahren erlangen Absolventen den Mastergrad (Master of Arts, Master of Science, Master of Engineering). Studiengänge, die zu einem ersten Hochschulabschluss führen, werden grundständiges Studium genannt. Postgraduale oder weiterführende Studiengänge wie der Master setzen dagegen ein abgeschlossenes Erststudium voraus.

Studienformen: Der weit überwiegende Anteil der Studiengänge hat nach wie vor den Zuschnitt des Präsenzstudiums in Vollzeit. Es gibt jedoch immer mehr Alternativen zu diesem klassischen Schema: Das Teilzeitstudium bietet eine im Vergleich zum Vollzeitstudium verlängerte Regelstudienzeit, sodass sich das Studium besser mit einer Berufstätigkeit vereinbaren lässt. Beim Fernstudium eignet sich der Studierende sein Wissen räumlich und zeitlich unabhängig von der Hochschule an. Lerninhalte werden über Lehrbriefe und das Internet vermittelt; es gibt nur wenige Lehrveranstaltungen (z.B. Blockseminare) mit Anwesenheitspflicht.

Charakteristisch für ein Duales Studium ist die Verbindung des Hochschulstudiums mit einer Berufsausbildung bzw. der Berufspraxis in einem Unternehmen. Es gibt also zwei Lernorte, deren Curricula eng aufeinander abgestimmt sind.

Ein berufsbegleitendes Studium ist so konzipiert, dass die Teilnehmer ihre akademische Ausbildung neben ihrer Erwerbstätigkeit bewältigen können. Als Studienformen kommen entweder ein Fernstudium infrage oder ein Präsenzstudium, dessen Lehrveranstaltungen abends, am Wochenende oder in Blockseminaren stattfinden. Das berufsbegleitende Studium setzt keine zwingende Verbindung zwischen den Studieninhalten und der Berufstätigkeit voraus. Anders das berufsintegrierende Studium: Sein Merkmal ist die enge Verknüpfung von beruflichen Themen mit der akademischen Ausbildung.

Autor: 
Andrea Wiedemann
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 12|2013, Seite 14

 
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