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Schienenverkehr

Bahn frei!

ICE-Trasse Nürnberg – Berlin, Ausbau des S-Bahn-Netzes und Stadt-Umland-Bahn: Es geht voran mit den Schienenverkehrsprojekten in der Metropolregion Nürnberg.

Gut im Zeit- und Kostenplan“ ist die ICE-Trasse Nürnberg – Berlin nach Worten von Bahn-Pressesprecher Frank Kniestedt. Ab 2017 soll die rund 500 Kilometer lange Strecke von Nürnberg nach Berlin in knapp drei Stunden mit dem ICE zu bewältigen sein. Der 83 Kilometer lange Abschnitt zwischen Nürnberg und Ebensfeld wird derzeit von zwei auf vier Gleise erweitert und auf eine Fahrgeschwindigkeit von bis zu 230 Kilometern pro Stunde ausgelegt.

Im Zusammenhang mit diesem „Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8“ (www.vde8.de) stehen auch die neuen Bahnanlagen für die S-Bahn von Nürnberg nach Forchheim. Sie gewährleisten, dass die S-Bahnen auf eigenen Gleisen getrennt von den ICEs fahren. Das bisherige Nadelöhr zwischen Nürnberg und Fürth ist bereits seit 2011 viergleisig in Betrieb und sorgt bei Fernbahn, Regionalbahn und S-Bahn für mehr Pünktlichkeit.

Bei Eltersdorf ist die viergleisige Trasse für ICE und S-Bahn fast fertig, in Erlangen beginnen die Vorbereitungen für den Tunnel unter dem Burgberg. Nicht voran kommt dagegen der geplante, sechseinhalb Kilometer lange Tunnel für den Güterverkehr, der von Erlangen-Eltersdorf bis Nürnberg-Kleinreuth führen und die Trasse für den Personenverkehr von den Güterzügen entlasten soll. Eine Finanzierungszusage des Bundes liegt laut Kniestedt trotz aller Dringlichkeit noch nicht vor.

Heftig diskutiert wird der Verlauf der ICE-Trasse in Bamberg, weil viele in der Stadt sich an den Lärmschutzwällen stören und die Aberkennung des Prädikats Weltkulturerbe fürchten. Kniestedt ist aber zuversichtlich, dass das Planfeststellungsverfahren wie geplant auf den Weg gebracht werden kann.

Sorgen macht der Bahn allerdings der Abschnitt der S-Bahn-Strecke im Nordosten Fürths mit dem sogenannten Verschwenk durch das Knoblauchsland und einer Haltestelle in Steinach. Diese Streckenführung wird von der Stadt Fürth entschieden abgelehnt. Umso größer war in der Kleeblattstadt die Enttäuschung darüber, dass das Eisenbahn-Bundesamt die Planung der Bahn vor Kurzem genehmigt hat. Ein breites Bündnis hatte sich für den Ausbau der bestehenden Trasse stark gemacht, die weniger Fläche verbrauchen und weniger kosten würde als der Verschwenk.

Die Gegner des Verschwenks bereiten deshalb eine Klage vor dem zuständigen Bundesverwaltungsgericht in Leipzig vor. Zwar habe das Eisenbahn-Bundesamt nun für Planungssicherheit gesorgt, aber ein Verfahren vor dem Verwaltungsgericht könnte das Projekt weiter verzögern, so Bahnsprecher Kniestedt. Die Bahn und andere Befürworter des Verschwenks verweisen darauf, dass die Station Fürth-Steinach in der Nähe des neuen Möbelhauses Höffner den Autoverkehr spürbar reduzieren könnte. Der S-Bahn-Halt würde zudem das bestehende Gewerbegebiet in Steinach, das noch erweitert werden könnte, gut an den öffentlichen Nahverkehr anbinden.

 Stadt-Umland-Bahn

Heftig diskutiert wird derzeit ein weiteres Schienenprojekt: die Stadt-Umland-Bahn (StUB), die vom Nürnberger Norden zum Bahnhof Erlangen führen soll und von dort aus Richtung Westen nach Herzogenaurach. Außerdem ist eine östliche Abzweigung nach Uttenreuth vorgesehen. Ein Teil dieser Trasse ist unabhängig von der StUB-Diskussion schon in Bau: die ohnehin geplante Verlängerung der Straßenbahn von der bisherigen Endhaltestelle Thon bis zum neuen Endpunkt „Am Wegfeld“ westlich des Nürnberger Flughafens.

Dieser Abschnitt soll bereits Anfang 2016 fertiggestellt sein und rund 36 Mio. Euro kosten, von denen der Freistaat Bayern rund 17 Mio. Euro und die Stadt Nürnberg 19 Mio. Euro trägt. Nach der Fertigstellung wird auch das Busnetz im Nürnberger Norden und im Erlanger Süden völlig neu gestaltet. Dann werden der Flughafen, das Nürnberger Gewerbegebiet Nordostpark und die U-Bahn noch besser von Erlangen aus erreichbar sein.

Wie es mit den anderen Abschnitten der StUB weitergeht, darüber wird derzeit heftig gestritten – nicht zuletzt, weil die Finanzierung noch unklar ist. Die Befürworter des Projekts, das schon einmal vor rund 100 Jahren diskutiert wurde, verweisen auf die großen Pendlerströme zwischen Nürnberg und Erlangen sowie die derzeit in den Spitzenzeiten überfüllten Busse.

Neuen Schwung hat die StUB durch den geplanten Siemens-Campus im Erlanger Süden bekommen, wo der Konzern 500  Mio. Euro in einen neuen Stadtteil investiert, in dem mehrere Erlanger Siemens-Standorte zusammengefasst werden und der auch Wohnviertel beinhalten wird. Die Siemens AG rechnet damit, dass eine hohe Zahl von Mitarbeitern vom Auto auf die StUB umsteigen würde.

Daher sollten sich die beteiligten Städte Erlangen und Nürnberg sowie der Landkreis Erlangen-Höchstadt nun dringend über das weitere Vorgehen einigen, so Dirk Domhardt, Chefplaner des Verkehrsverbundes Großraum Nürnberg (VGN). Es müsse auch eine geeignete Organisationsform für die Realisierung der StuB gefunden werden, die die Planung vorantreibt und als Betreibergesellschaft fungiert.

Bei der StUB geht es um viel Geld: Das Bayerische Innenministerium beziffert die Kosten auf rund 365 Mio. Euro, davon 320 Mio. reine Baukosten und 45 Mio. Euro an nicht förderfähigen Planungskosten. Im Rahmen des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) und des bayerischen Finanzausgleichsgesetzes können 80 Prozent der Baukosten gefördert werden. Im vergangenen Jahr hatte sich die IHK Nürnberg für Mittelfranken dafür eingesetzt, die StUB rechtzeitig für das GVFG-Förderprogramm anzumelden, um die Chance für dieses Jahrhundertprojekt nicht von vorneherein zu verspielen.

Derzeit prüft die Bayerische Staatsregierung, ob die staatliche Förderung um weitere 25 Mio. Euro ansteigen kann. Damit würde sich der Eigenanteil der Städte Nürnberg und Erlangen sowie des Landkreises Erlangen-Höchstadt von 117 Mio. auf 92 Mio. Euro verringern. Diese „Härtefall-Regelung“ in Form eines höheren Zuschusses hatte der Freistaat auch bei der Verlängerung der U-Bahn von München nach Garching angewendet.

Bedingungen für die Förderung

Die Staatsregierung setzt sich darüber hinaus beim Bund dafür ein, dass die Förderbedingungen geändert werden: Bisher können laut GVFG nur diejenigen Abschnitte von Schienenprojekten gefördert werden, die einen eigenen Gleiskörper haben. Damit fallen Abschnitte, bei denen die Straßenbahntrasse auf einer Straße verläuft, aus der Förderung heraus. Der Freistaat argumentiert, dass moderne Vorrangschaltungen an Kreuzungen den Straßenbahnverkehr deutlich beschleunigt hätten.

Der Bund lehnt bislang aber aus rechtlichen Gründen eine Lockerung der Förderkriterien ab, die die Kommunen bei der Finanzierung der StUB um weitere 20 Mio. Euro entlasten würde. Bayerns Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann will dennoch weiter prüfen lassen, ob eine Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen möglich ist.

Autor: 

tt.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 03|2014, Seite 30

 
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