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Schwerlasttransporte

Breite Brummis

Der Transport von großen Bauteilen und Maschinen setzt exakte Planung und zahlreiche Genehmigungen voraus. Ein internetgestütztes Verfahren erleichtert die Vorbereitung.

Rund 340 Tonnen wog der weltweit erste Transformator, der mit Pflanzenöl betrieben wird und der im vergangenen Sommer vom Nürnberger Siemens-Trafowerk zum Umspannwerk nach Karlsruhe transportiert wurde. „Sondergrößen“, die nicht mit üblichen Lastwagen bewältigt werden können, haben auch die Rotoren von Windkraftanlagen, riesige Industriemaschinen, große landwirtschaftliche Geräte oder Baufahrzeuge. Für sie müssen sogenannte Großraum-und Schwertransporte (GST) durchgeführt werden.

Damit sie sicher zum Ziel kommen, sieht das Verkehrs-, Verwaltungs- und Straßenrecht ein umfassendes Genehmigungsverfahren vor, dass mittlerweile im internetgestützten „Verfahrensmanagement für Großraum- und Schwertransporte“ (Vemags) gebündelt wird. Rund 280 Unternehmen, die das Vemags-Verfahren nutzen, sind in der Region Nürnberg ansässig, so die Regierung von Mittelfranken.

Es greift dann, wenn die Außenmaße (Länge, Breite oder Höhe) oder das Gewicht die üblich zugelassenen Werte überschreiten und es dadurch zu einer „übermäßigen Straßenbenutzung“ – wie es im Amtsdeutsch heißt – kommt. Eine Genehmigungspflicht besteht ab einer Masse von 40 Tonnen oder einer Länge von mehr als 20,75 Metern (einschließlich hinausragender Ladung), einer Breite von mehr als 2,55 Metern oder einer Höhe über vier Metern.

Bei besonders schweren Transporten liegt das Augenmerk u.a. auf der Belastbarkeit der Brücken, bei langen Transporten macht oft die Durchfahrt durch enge Ortschaften Probleme. Auch müssen solche Transporte häufig von der Polizei begleitet werden.

Wie aufwändig die Planung werden kann, weiß Markus Endt, Transportleiter beim Nürnberger Familienunternehmen Gebr. Markewitsch GmbH, aus eigener Erfahrung. Manchmal müssen sogar Verkehrsschilder und Ampeln vorübergehend demontiert oder der Strom in Überleitungen zeitweise abgestellt werden, wenn riesige Drahtseiltrommeln, Raummodule für Krankenhäuser oder Trafos transportiert werden.

Durchgängiges Verfahren

Zufrieden ist Endt trotz einiger „Kinderkrankheiten“ mit dem E-Government-Projekt Vemags, das seit 2007 das damalige Fax-Verfahren bundesweit abgelöst hat und bei dem das Nürnberger Unternehmen Noris Network als neuer Rechenzentrumspartner für die nötige Datensicherheit sorgt. Es bilde sämtliche Schritte in Echtzeit und komplett elektronisch über eine zentrale Datenbank ab – und zwar von der Antragstellung bis zur Zustellung des Bescheides.

Seit dem Betriebsstart von Vemags wurden laut der Regierung von Mittelfranken, die für die bayernweite Systembetreuung zuständig ist, deutschlandweit mehr als eine Mio. Anträge bei ca. 1 300 Behörden im ganzen Bundesgebiet gestellt und über das System genehmigt. Am Ende steht ein digitaler Genehmigungsbescheid, den auch die Polizei rund um die Uhr einsehen kann. Dies hat die nächtlichen Kontrollen vereinfacht und zu weniger Stillstandzeiten geführt.

Einen Sonderstatus nehmen die sogenannten Lang-Lkw ein, die mit unterschiedlichen Fahrzeugkombinationen aus Anhänger und Zugmaschine eine Länge von bis zu 25,25 Metern erreichen dürfen. Bei dem derzeit laufenden Feldversuch in mehreren Bundesländern dürfen einzeln registrierte Fahrzeuge auf bestimmten Strecken fahren, die in der „Verordnung über Ausnahmen von straßenverkehrsrechtlichen Vorschriften für Fahrzeuge und Fahrzeugkombinationen mit Überlänge“ aufgeführt sind. Dazu zählen auch die großen Autobahnachsen rund um Nürnberg.

Obwohl sich im Verkehrsausschuss der Stadt Nürnberg keine Mehrheit für eine Teilnahme an dem Feldversuch ergeben hatte, macht sich Wirtschaftsreferent Dr. Michael Fraas für eine erneute Diskussion stark. Ebenso wie die IHK Nürnberg für Mittelfranken plädiert er dafür, dass Lang-Lkw im Zuge des Feldversuchs das Güterverkehrszentrum (GVZ) Hafen Nürnberg auf dem kürzesten Wege von der Südwesttangente A 73 aus anfahren können.

Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) begleitet bis 2016 den Feldversuch mit Lang-Lkw wissenschaftlich und hat Ende Januar erste Erkenntnisse vorgelegt. Demzufolge besteht der am häufigsten eingesetzte Lang-Lkw-Typ aus einem Motorwagen mit Untersetzachse und Sattelauflieger. Transportiert wurden damit in der Regel voluminöse, aber relativ leichte Güter (z.B. Automobilteile, Haushaltsgeräte, Kleidung, Lebensmittel, Verpackungsmaterial).

Die durchschnittliche Auslastung der Stellfläche lag bei etwa 93 Prozent. Die Bundesanstalt stellte zudem fest, dass die Lang-Lkw ausschließlich bei solchen Transporten zum Einsatz kommen, die bisher mit konventionellen Lastwagen durchgeführt wurden. Der Lang-Lkw führe also nicht dazu, dass Transporte von der Schiene auf die Straße verlagert werden, so die Bundesanstalt für Straßenwesen.

Ansprechpartner für das Vemags-Verfahren in Mittelfranken:

Regierung von Mittelfranken
Hartmut Sauer
Tel. 0981 531-545, Fax -771
hartmut.sauer@reg-mfr.bayern.de

Autor: 
tt.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 03|2014, Seite 34

 
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