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Info-Grafiken

Auf den Kern reduziert

Infografiken Shopping Statistik © almoond - Thinkstock

Aus komplexen Sachverhalten die zentralen Aussagen herausdestillieren und die Informationen auf das Wesentliche beschränken – das ist die Stärke von Info-Grafiken. Von Klaus Schardt

Der Mensch ist ein Augentier, schrieb eine deutsche Wochenzeitung im Jahr 2011 und begründete damit den Erfolg von Info-Grafiken. Schließlich nehmen wir einen Großteil an Informationen nicht über Text, sondern über visuelle Reize auf. Nach nur 250 Millisekunden haben wir ein Symbol erfasst und ihm eine Bedeutung zugeordnet. Deshalb ist es auch essenziell, dass uns Verkehrszeichen mit Bildern statt mit Texten durch die Straßen führen. Das belegt auch die Wissenschaft: So merkt sich ein Mensch rund zehn Prozent von dem, was er liest, jedoch 30 Prozent von dem, was er sieht. Nicht ohne Grund gibt es das Sprichwort: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“ Diese Gegebenheiten erklären, warum sich Info-Grafiken einer wachsenden Beliebtheit erfreuen: Ob in der Wissenschaft, im Journalismus oder in der Unternehmenskommunikation, ob als attraktive Verpackung einer eher trockenen Statistik oder als interaktives Marketing-Instrument für komplexe Inhalte.

Schwierige Themen auf kleinem Raum durch visuelle Elemente und einen maximalen Verzicht auf Text einfach zu erklären – das ist der Sinn einer jeden Info-Grafik. Dies ist keinesfalls eine Erfindung der Moderne, denn angewandt werden Prinzipien, die sich über Jahrhunderte bewährt haben: Die abstrakte Darstellung eines Sachverhalts, die Verringerung von inhaltlichen Wiederholungen und die Verwendung von Symbolen, die über Sprachgrenzen hinweg wirken. Dieser Mittel bedienen sich seit jeher Heerführer, wenn sie einen Schlachtplan erstellen. Oder Verkehrsexperten, die Bus- oder Bahnnetze entwickeln. Oder Architekten, wenn sie Blaupausen für ein Bauwerk entwerfen. Manche gehen sogar so weit, die antiken Höhlenmalereien als Info-Grafiken zu interpretieren. Florence Nightingale, die berühmte englische Reformerin des Sanitätswesens, kann jedoch durchaus ernsthaft als Pionierin auf diesem Gebiet angesehen werden: Um die verschiedenen Todesursachen der Soldaten der königlichen Armee darzustellen, wählte sie bereits 1858 eine Variante des Tortendiagramms. Ihre Begründung: Diese Grafiken seien dazu geeignet, „über die Augen zu bewirken, was wir der Öffentlichkeit über ihre gegen Worte abgedichteten Ohren nicht vermitteln können“. Laut dem Duden handelt es sich bei Info-Grafiken schlicht um eine „bildliche Darstellung von Zusammenhängen“.

Auch die modernen Info-Grafiken wollen Aufmerksamkeit auf sich ziehen und Lernprozesse in Gang bringen. Bei digitalen Medien können sie auch Animationen beinhalten, denn Bewegung merkt sich das Gehirn sogar noch besser als statische Bilder. Gefördert wird die Popularität von Info-Grafiken auch durch Social Media, über die attraktive Inhalte durch Likes und Shares verbreitet werden. Das Ergebnis: Allein von 2010 bis 2012 haben sich die weltweiten Suchanfragen zum Schlagwort „infographic“ mehr als verachtfacht. Die Darstellung durch Bilder statt Sprache ist ein klarer Mehrwert einer Info-Grafik. Doch getreu dem Motto „Qualität vor Quantität“ sollte man auch hier nicht übertreiben und die Grafik nicht überfrachten. Bestimmte Zielgruppen sprechen auf bestimmte Symbole und Inhalte an, diese sollte man kennen und entsprechend einsetzen.

Schriften und Farben

Die Kernbotschaft der Grafik wird prominent platziert: am besten weit oben und in auffälligem Schriftbild. Mit der Wahl der Farben, der Schrift sowie der Anordnung der Elemente muss sofort deutlich werden, welches Thema die Info-Grafik behandelt. Grelle Farben stehen für fröhliche, witzige Themen, besonders informativ und seriös wird es mit zurückhaltenden, dezenten Farbtönen. Know-how in der Farblehre ist also eine wichtige Fertigkeit, um Grafiken konzipieren zu können. Genauso wichtig ist es, die Wirkung von Schriften zu kennen: Welche Art von Schrift, welche Laufweite, welche Schriftgröße usw. transportiert die Aussage am besten? Nicht zu vernachlässigen ist natürlich auch der Aufbau der Grafik: Dem Kommunikator steht hier eine breite Palette an Möglichkeiten zur Verfügung, um Daten in ein Verhältnis zu bringen oder einen Prozess darzustellen. Tabellen, Venn-Diagramme (Mengen-Diagramme), Koordinatensysteme, Flow-Charts, Tortendiagramme oder Matrizen. Auch hier muss man wissen, auf welche Darstellungsformen die Zielgruppe konditioniert ist.

Ein Blick auf die aktuelle Info-Grafiken verdeutlich, was möglich ist: Die Frankfurter Allgemeine Zeitung entzückte ihre Leser am 13. September 2014 kurz vor dem Schottland-Referendum mit einer blauen und einer roten Schafherde. Die Botschaft: Während es in Schottland (blau) 88 Schafe pro 100 Einwohner gibt, sind es in England (rot) nur 21. Alles Wissenswerte über die Karotte gibt es in einer hübschen Info-Grafik unter www.meine-moehre.de. Den „Deutschen Info-Grafik Preis 2014“ in der Kategorie „Wissenschaft“ hat Michael Stünzi mit seinem Fakten-Film über „Unterwasserlärm“ gewonnen. Und dank der animierten Echtzeit-Grafik von kaufda.de wissen wir nun alle, dass in Deutschland pro Tag 52 Mio. Liter Bier getrunken werden, während es die Milch nur auf 11,8 Mio. Liter bringt.

Sorgfältige Recherche

Es gibt kaum Themen, die man mit Kreativität nicht auch bildlich darstellen kann. Eine gute Info-Grafik erfordert aber viel Recherchearbeit und eine ausgeklügelte Konzeption. Entscheidend ist: Aus der Vielzahl von vorliegenden Informationen muss eine genaue Auswahl der Daten erfolgen, aus der die Aussage der Info-Grafik destilliert wird. Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche, dann wird eine gelungene Info-Grafik herauskommen.

Autor: Klaus Schardt, ist Geschäftsführer der Agentur Kontext Public Relations GmbH in Fürth (www.kontext.com).
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 10|2014, Seite 38

 
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