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Nachhaltigkeit

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Wie können Unternehmen ihren Einsatz für Nachhaltigkeit und Gemeinwohl mit konkreten Zahlen und Fakten dokumentieren?

Die soziale Verantwortung eines Unternehmens besteht darin, seine Gewinne zu erhöhen.“ In seinem 1970 publizierten Essay geißelt der US-Ökonom Milton Friedman all jene, die den Unternehmen eine soziale Verantwortung zuschrieben, als „ahnungslose Marionetten“ des Sozialismus. Diese verhärteten Fronten sind längst aufgeweicht. Heute gilt das Prinzip der Corporate Social Responsibility (CSR) nicht mehr als Bremsklotz, sondern als Wachstumsmotor für Unternehmen und als eine tragende Säule der Marktwirtschaft.

Den inhaltlichen Kern von CSR und der ähnlich besetzten Begriffe Nachhaltigkeit, Corporate Citizenship und Unternehmensethik bildet die Überzeugung, dass ökonomische, ökologische und soziale Grundsätze im Kerngeschäft verankert sein müssen. Kunden, Lieferanten, Politik, Gesellschaft und andere Stakeholder legen immer strengere Maßstäbe an die Nachhaltigkeitsleistung an. Wie können Unternehmen nach innen und außen darstellen, dass sie diesen Ansprüchen genügen? Dieses Thema griff die IHK Nürnberg für Mittelfranken mit der Veranstaltung „Nachhaltigkeitsberichterstattung in der Praxis“ in der Reihe Forum Ehrbarer Kaufmann auf. Gleich zu Beginn stellte IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Lötzsch klar: „CSR ist kein Gutmenschentum, sondern gutes Management.“

Für „gutes Management“ gilt das Credo „If you can’t measure it, you can’t manage it.“ Dieses Controller-Mantra erklärt die erhebliche Bedeutung der CSR-Berichterstattung. So rät Prof. Dr. Matthias Fifka, sie nicht als „Pflichtübel“ zu betrachten, sondern als „strategische Möglichkeit“ mit Potenzial für Innovationen und Kostensenkung. Diese Einschätzung des BWL-Professors von der Universität Erlangen-Nürnberg macht deutlich, dass die Nachhaltigkeitsberichterstattung (NBE) zweifachen Nutzen bringen kann: Zum einen liefern belastbare Daten und Informationen dem Management die Orientierung für die strategische Planung und Kontrolle von Nachhaltigkeitszielen. Zum anderen ist das CSR-Reporting ein wertvolles Instrument für die Kommunikation mit Stakeholdern. Betriebe, die mit harten Zahlen und Fakten aufwarten, unterstreichen ihre Glaubwürdigkeit in puncto nachhaltiges Wirtschaften.

Richtlinie der EU

Für frischen Schwung in der Debatte über die Gestaltung der CSR-Berichterstattung sorgt die Richtlinie 2014/95/EU der Europäischen Union. Sie verpflichtet Unternehmen „von öffentlichem Interesse“ mit mehr als 500 Mitarbeitern zur CSR-Berichterstattung. Darunter fallen vor allem kapitalmarktorientierte Unternehmen, große Kreditinstitute, Finanzdienstleister und Versicherungsinstitute. Nach der Richtlinie, die zum 6. Dezember 2016 in nationales Recht umzusetzen ist, müssen solche Betriebe ab dem Geschäftsjahr 2017 im Lagebericht nichtfinanzielle Informationen über Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelange, die Achtung der Menschenrechte und Aspekte der Korruptionsbekämpfung veröffentlichen, soweit diese für die Entwicklung des Unternehmens wesentlich sind. Es bleibt den Unternehmen überlassen, ob sie bei der Berichterstattung auf nationale oder internationale CSR-Standards zurückgreifen wollen.

Dazu zählen Global Compact der Vereinten Nationen, die OECD-Leitlinien für multinationale Unternehmen, ISO 26000, das Umweltmanagement- und Betriebsprüfungssystem Emas sowie die Richtlinien der Global Reporting Initiative (GRI). Sie gelten als globaler „Goldstandard“ des CSR-Reportings und sind inzwischen in der vierten Generation („G4“) erschienen.

Vor allem große, kapitalmarktorientierte Unternehmen nutzen die genannten Regelwerke. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) halten sich bei der CSR-Berichterstattung eher bedeckt – was nicht zuletzt an der Komplexität der internationalen Reporting-Standards liegen dürfte. Gerade Mittelständlern erschwert sie den Einstieg in die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Diese Hürde will der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) senken, den der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) konzipiert hat. Beim Forum Ehrbarer Kaufmann stellte Yvonne Zwick, Referentin in der RNE-Geschäftsstelle, den DNK als „guten Rahmen und Maßstab für nachhaltiges Wirtschaften“ vor, der sich für private und öffentliche Unternehmen jeder Größe und Rechtsform einsetzen lässt. Er sei besonders für Mittelständler geeignet, weil der Kodex einen einfachen Einstieg in die CSR-Berichterstattung biete.

Der DNK, zu dessen Kooperationspartnern die IHK Nürnberg für Mittelfranken gehört, soll anhand von 20 Kriterien aus den Bereichen Strategie, Prozessmanagement, Umwelt und Gesellschaft den „Kern unternehmerischer Nachhaltigkeit“ darstellen. Einige Leistungsindikatoren werden als Zahlen ausgedrückt, einige durch beschreibende Texte. Gemäß dem Comply-or-Explain-Ansatz muss ein Unternehmen berichten, dass ein Kriterium erfüllt wird („comply“), oder Abweichungen erklären („explain“). Weitere Pluspunkte des DNK: Der Kodex ist vollständig kompatibel mit den Vorgaben der EU-Richtlinie zur CSR-Berichterstattung. Außerdem fügt er sich in das System der internationalen Standards ein: Die Leistungsindikatoren aus den Berichten nach GRI, EFFAS, CoP UN Global Compact lassen sich in die DNK-Erklärung überführen.

Beispiele aus der Praxis

Die Kessel AG, ein mittelständisches Unternehmen im Bereich Entwässerungstechnik mit Sitz in Lenting, hat 2014 erstmals einen Nachhaltigkeitsbericht nach DNK-Vorgaben erstellt. „Damit sind wir der Vorreiter in unserer Branche“, sagte Florian Holzapfel, Leiter der Unternehmenskommunikation. Er berichtete gemeinsam mit Peter Heinrich, Inhaber der Ingolstädter PR-Agentur Heinrich GmbH, auf der IHK-Veranstaltung über die Erfahrungen mit diesem Instrument. Eine Voraussetzung für den Erfolg sei die Unterstützung der Geschäftsführung und der Mitarbeiter, so die Referenten. Bei der Kessel AG waren zwölf Leute aus verschiedenen Bereichen des Unternehmens in das „Nachhaltigkeitsteam“ eingebunden. Die interne Kommunikation über den Sinn und Zweck der CSR-Berichterstattung spielte von Anfang an eine wesentliche Rolle.

Auf dieser Basis wurde das Projekt Nachhaltigkeitsbericht ein voller Erfolg: „Unsere Vertriebsmitarbeiter verwenden das Dokument in der Kommunikation mit Kunden“, so Holzapfel. Auch im Personalbereich komme der Nachhaltigkeitsbericht gut an, denn die Themen Ökologie und soziales Engagement würden immer wichtiger, um Fachkräfte zu gewinnen und im Unternehmen zu halten. „Nur für die Schublade oder zum Auslegen in der Eingangshalle hätte sich der Aufwand nicht gelohnt“, so Holzapfel.

Diese Praxistipps konnte Lothar Hartmann, Nachhaltigkeits- und Qualitätsmanager der Memo AG, beim Forum Ehrbarer Kaufmann „voll bestätigen“. Das in Greußenheim ansässige Versandhandelsunternehmen hatte von Anfang an die Vision, mit einer langfristig angelegten, gleichermaßen ökonomisch, ökologisch und sozial ausgerichteten Strategie wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Dementsprechend ist Nachhaltigkeit das Kerngeschäft des Unternehmens: Die Memo AG gehört in Deutschland seit 2001 zu den Pionieren der CSR-Berichterstattung. „Wir haben’s damals einfach gemacht“, so Hartmann im Rückblick. Seitdem hat das Unternehmen im Zwei-Jahres-Turnus Nachhaltigkeitsberichte veröffentlicht und wurde mehrfach ausgezeichnet. Einfach machen – dieses Motto empfiehlt der Nachhaltigkeitsmanager zur Nachahmung: „Das Streben nach dem perfekten Bericht sollte niemand davon abhalten, mit dem CSR-Reporting anzufangen.“

Autor: 

aw.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 11|2015, Seite 14

 
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