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IHK-Konjunkturklima

Der Motor läuft rund

Motor Schaltung Getriebe Antrieb Kraft Leistung © iStock - Thinkstockphotos.de

Der Aufschwung in Mittelfranken setzt sich moderat fort. Geschäftslage und Erwartungen werden von den Unternehmen positiv eingeschätzt.

Die mittelfränkischen Unternehmen berichten von einer guten Geschäftslage und blicken optimistisch in die nächsten Monate. Trotz der weltpolitischen Turbulenzen und der Flüchtlingskrise hat sich deshalb der IHK-Konjunkturklimaindex im Frühjahr nochmals leicht erhöht. Im Vergleich zum Herbst 2015 legte er um 2,9 Punkte auf 129,2 Punkte zu – dies ist der höchste Wert seit fünf Jahren. „Der Konjunkturmotor läuft und läuft“, so IHK-Präsident Dirk von Vopelius.

Die Beurteilung der derzeitigen Geschäftslage hat sich bei der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage trotz gedämpfter Aussichten im vergangenen Herbst sogar verbessert: Vier von zehn Unternehmen melden eine Steigerung der Geschäfte, rund die Hälfte berichtet von einer konstant guten Geschäftslage und nur sieben Prozent sind unzufrieden. Die Geschäfte werden sich auch in den kommenden Monaten nicht verschlechtern, so die Erwartung: Die breite Mehrheit der Betriebe rechnet mit einem anhaltend guten Klima, ein Viertel erwartet sogar, dass sich die Wirtschaftstätigkeit weiter steigern wird. Impulse werden gleichermaßen aus dem In- und dem Ausland erwartet.

Die Investitions- und Beschäftigungspläne der mittelfränkischen Wirtschaft bleiben weiterhin positiv, gehen aber im Vergleich zu den Vorjahreswerten zurück. Denn trotz optimistischer Geschäftserwartungen sehen die Unternehmen deutlich gestiegene Risiken für die konjunkturelle Entwicklung. Insbesondere die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und der Fachkräftemangel könnten den Aufschwung bremsen. Immerhin jedes vierte Unternehmen beabsichtigt, die Investitionsausgaben zu erhöhen. Die Hälfte der Befragten will die Investitionen auf dem gleichen Niveau halten, nur rund 13 Prozent planen eine Reduzierung der Investitionstätigkeit. Die Beschäftigungsabsichten der heimischen Betriebe sind deshalb zu Jahresbeginn per Saldo positiv, aber zurückhaltend. Die gute wirtschaftliche Entwicklung der Region spiegelt sich in einer Arbeitslosenquote wider, die in Teilen Mittelfrankens nahe der Vollbeschäftigung liegt. Die Kehrseite dieser erfreulichen Entwicklung: Der Fachkräftemangel wird von den Unternehmen zunehmend als Risiko für die konjunkturelle Entwicklung gewertet.

Entwicklung der einzelnen Branchen

Die Industrie bewertet ihre aktuelle Lage unverändert positiv, bei fast der Hälfte der Industriebetriebe stellt sich die Situation sogar nochmals besser dar als im vergangenen Jahr. Dagegen stehen nur neun Prozent, die zu Jahresbeginn eine Verschlechterung der Geschäfte melden. Zur guten Lage der Industrie tragen die Aufträge aus dem In- und Ausland gleichermaßen bei. Besonders gut entwickelten sich zuletzt die Geschäfte in der Euro-Zone und in Nordamerika. Auch die Umsätze mit China steigen wieder an. Insgesamt ist der Auftragsbestand leicht gestiegen, die Auslastung der Produktionskapazitäten ist mit 85 Prozent unverändert hoch. Besonders positiv: Die Erwartungen des produzierenden Gewerbes haben sich gegenüber dem Herbst sowohl beim Inlands- als auch beim Exportgeschäft nochmals deutlich verbessert.

In der Bauwirtschaft hat sich die aktuelle Geschäftslage spürbar eingetrübt, bleibt aber auf hohem Niveau. Zudem geht mehr als die Hälfte der Betriebe davon aus, dass sich die Geschäftslage nach den Wintermonaten wieder verbessern wird, nur fünf Prozent rechnen mit einer Verschlechterung. „Dies ist im Hinblick auf die Saisonabhängigkeit der Bauwirtschaft ein bemerkenswertes Ergebnis“, so IHK-Konjunkturexpertin Dr. Maike Müller-Klier. Verantwortlich hierfür seien nicht nur die milden Temperaturen, sondern auch die niedrigen Zinsen, von denen insbesondere der Wohnungsbau profitiert. Zuwächse melden die Bauunternehmen aktuell auch für den Wirtschaftsbau.

Der Handel gibt sich zu Jahresbeginn so zufrieden wie seit zwei Jahren nicht mehr: 47 Prozent der Handelsunternehmen melden gute Geschäfte, nur 15 Prozent beurteilen die Lage schlechter als zuletzt. Im Saldo ergibt dies einen positiven Wert von plus 32 Punkten. Allerdings bewerten die Großhändler und die Handelsvertretungen die Lage deutlich besser als die Einzelhändler. Nur ein Drittel von ihnen spricht von besseren Geschäften, jedes fünfte Unternehmen ist sogar unzufrieden mit dem zurückliegenden Weihnachtsgeschäft. Im Saldo erreicht der mittelfränkische Einzelhandel einen Lagewert von plus elf Punkten – und liegt damit deutlich unter dem Handel insgesamt. Das dürfte auch daran liegen, dass Umsatzsteigerungen im Handel stärker aus dem Online-Geschäft als aus dem stationären Handel gemeldet werden. Die Aussichten der Handelsbetriebe für die kommenden Monate bleiben positiv, gehen aber gegenüber der Vorbefragung im Herbst etwas zurück.

Bei den unternehmensnahen Dienstleistungen hat sich die ohnehin gute Geschäftslage noch einmal deutlich verbessert. Jedes zweite Unternehmen berichtet von gestiegenen Umsätzen in den vergangenen Monaten, nur drei Prozent melden Gegenteiliges. Der Dienstleistungssektor verbessert sich damit gegenüber der vergangenen Befragung erneut. Der größte Optimismus mit Blick auf die nächsten Monate herrscht derzeit bei Dienstleistern der Informations- und Kommunikationstechnologie sowie in der Immobilienwirtschaft. Anders die Stimmung im Transportgewerbe: Die Betriebe fürchten ein mögliches Ende der Schengen-Freizügigkeit im Zuge der Flüchtlingskrise und betrachten die Perspektiven deshalb eher düster.

Bei den verbrauchernahen Dienstleistungen hat sich die Geschäftslage der Umfrage zufolge verbessert. Besonders positiv bewertet das Hotel- und Gastgewerbe die aktuelle Geschäftslage, hier nennen 40 Prozent der Betriebe eine Verbesserung der Geschäfte, nur drei Prozent sind unzufrieden. Zuversichtlicher als noch im Herbst ist auch der Blick der verbrauchernahen Dienstleister auf die kommenden Monate: Kaum ein Betrieb rechnet mit rückläufigen Geschäften, jedes fünfte Unternehmen erwartet weitere Zuwächse. Deshalb denken die Betriebe wieder stärker an die Schaffung von neuen Arbeitsplätzen. In einigen Bereichen, vor allem im Hotel- und Gaststättengewerbe, dürfte aber der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern ein beschränkender Faktor bleiben.

Die mittelfränkische Wirtschaft ist also insgesamt mit guten Voraussetzungen in das neue Jahr gestartet. Ein Mix aus stabilen Arbeitsmarkt, Lohnzuwächsen, niedrigen Zinsen und billigem Öl beflügelt nach wie vor den Konsum, der ein wichtiger Treiber für die Konjunktur bleibt. Auch beim Export stehen die Zeichen gut: Das Auslandsgeschäft der Industriebetriebe hat sich in den zurückliegenden Monaten leicht verbessert und die Weltwirtschaft wächst zumindest moderat. Entspannt ist die Stimmung dennoch nicht: Der Flüchtlingsstrom, die Möglichkeit von Terroranschlägen und die Krise der Europäischen Union belasten auch das Klima in der Wirtschaft.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 03|2016, Seite 26

 
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