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Verkehrsprojekte

Was kommt in Fahrt?

Bauarbeiten Raupen Straßenbau Baustelle © iStock - Thinkstockphotos.de

In der Metropolregion Nürnberg sind zahlreiche Verkehrsprojekte in Planung oder im Bau. Ein Überblick über den aktuellen Stand.

Autobahn A3: Der sechsstreifige Ausbau der A3, die ein Bestandteil des transeuropäischen Verkehrsnetzes ist, kommt voran. Seit letztem Herbst laufen die Vorbereitungen für den ersten, fünf Kilometer langen Abschnitt östlich von Wiesentheid bis östlich der Anschlussstelle Geiselwind. Der eigentliche Ausbau für 54 Mio. Euro soll im nächsten Jahr fertig werden.

Dieser Abschnitt der insgesamt 80 Kilometer langen Strecke vom Kreuz Biebelried zum Kreuz Fürth-Erlangen wird unter der Regie der Autobahndirektion Nordbayern gebaut. Der Rest der gesamten Strecke bis zur Brücke über den Main-Donau-Kanal wird als Öffentlich-Privates-Partnerschafts-Modell (ÖPP) realisiert, der künftige Betreiber ist danach für insgesamt 30 Jahre lang für Betrieb (z.B. auch Winterdienst und Grünpflege) und Bauunterhalt zuständig. Er wird erst in einem mehrstufigen, über zwei Jahre dauernden Vergabeverfahren ermittelt. Derzeit läuft noch die vorläufige Wirtschaftlichkeitsuntersuchung, bei der die Wirtschaftlichkeit eines ÖPP im Vergleich zu einer herkömmlichen Realisierung untersucht wird. Ziel ist es, den gesamten Ausbau für 1,3 Mrd. Euro bis Ende 2019 abzuschließen.

Autobahn A6: Der Ausbau der A6 zwischen den Autobahnkreuzen Nürnberg-Süd und Nürnberg-Ost Richtung Heilbronn ist abgeschlossen. In diesem Jahr erfolgt nun der dreispurige Ausbau des knapp sechs Kilometer langen Abschnitts Richtung Amberg. In diesem Bereich liegt die Verkehrsbelastung bei bis zu 75 000 Kraftfahrzeugen pro Tag, bis zum Jahr 2025 wird mit einem Anstieg auf bis zu 87 500 Kraftfahrzeuge täglich gerechnet.

Im weiteren Verlauf Richtung Heilbronn beginnen ab dem Frühjahr die baulichen Vorbereitungen für den rund sechs Kilometer langen sechsstreifigen Ausbau von der Anschlussstelle Schwabach-West bis zur Anschlussstelle Roth. Der eigentliche Ausbau des 112 Mio. Euro teuren Abschnitts startet dann im nächsten Jahr. Von den weiteren 69 Kilometern über das Kreuz Feuchtwangen-Crailsheim bis zur Landesgrenze nach Baden-Württemberg sind zwei weitere Abschnitte mit gut 20 Kilometern in Planung.

Autobahn A73: Seit Februar wird auf der A73 zwischen den Anschlussstellen Forchheim/Süd und Baiersdorf/Nord der Seitenstreifen zeitweise für den Verkehr freigegeben. Durch diesen Probebetrieb wird u.a. geprüft, ob die Verkehrssteuerungsanlage Hindernisse auf dem Seitenstreifen erkennt und die Schaltung so funktioniert, dass dieser zusätzliche Seitenstreifen dann sofort wieder für den Verkehr gesperrt wird. Geplant ist, den Seitenstreifen ab Ostern dauerhaft freizugeben, wenn bis dahin alle Tests problemlos verlaufen. Dann erstreckt sich die temporäre Seitenstreifenfreigabe von der Anschlussstelle Erlangen-Zentrum bis Forchheim-Süd.

Bundesstraße B2: Der Ausbau der wichtigen Fernverkehrsachse B2, die die Großräume Augsburg und Nürnberg verbindet, kommt voran. Die letzte Ausbaulücke in südlicher Richtung bis Weißenburg ist die Ortsumgehung Wernsbach, für die im zweiten Quartal mit einem Planfeststellungsbeschluss gerechnet wird. Bleibt das Vorhaben weiterhin im kommenden Bundesverkehrswegeplan „vordringlich“ und der Bund gibt für die vier Kilometer lange Umgehung die veranschlagten 31 Mio. Euro frei, könnte bereits im Herbst der erste Spatenstich erfolgen.

Südlich von Weißenburg befindet sich die Ortsumgehung Dettenheim im Bau, die Mitte 2017 fertiggestellt sein soll. Damit wäre auf mittelfränkischer Seite im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen die Ortsumgehung Dietfurt in der Nähe von Treuchtlingen der einzig verbliebene Flaschenhals, den IHK und regionale Wirtschaft schnell beseitigt sehen wollen.

Knifflig ist auch der Ausbau in Weißenburg, wo sich die B2 mit der B13 kreuzt, die von Ansbach über Gunzenhausen nach Weißenburg und weiter nach Ingolstadt führt. Die Kosten für die „Ertüchtigung“ der Straße in Weißenburg durch einen sogenannten höhenfreien, dreistreifigen Ausbau hatte der Bund als hoch eingestuft. Die Alternativpläne für einen vierstreifigen Ausbau – allerdings mit Ampeln – hat das Staatliche Bauamt Ansbach erstellt, das Ergebnis wird nun in Stadt und Landkreis diskutiert. Würde die Grundsatzentscheidung für die vierstreifige Lösung mit Ampel fallen, müsste erneut geplant und genehmigt werden.

Bundesstraße B13: Wenn es nach den IHKs in Mittelfranken und Oberbayern soll in Zukunft auch die B13 zwischen Ansbach, Gunzenhausen, Weißenburg, Eichstätt und Ingolstadt ausgebaut werden. Im Schulterschluss der regionalen Wirtschaft, Politik und Verwaltung sollen die Planungen für Ortsumgehungen und Überholstreifen forciert werden. Nun gilt es aber zunächst, die Einstufung der einzelnen Streckenabschnitte in den neuen Bundesverkehrswegeplan 2016 abzuwarten.

Kreisstraße N4 (Frankenschnellweg): Der Planfeststellungsbeschluss für den kreuzungsfreien Ausbau der Kreisstraße N4 (Frankenschnellweg) im Stadtgebiet Nürnberg liegt seit 2013 vor. Derzeit liegt das Projekt beim Europäischen Gerichtshof in Luxemburg, der klären soll, ob der Frankenschnellweg als Schnellstraße im Sinne des Europarechts gilt und deshalb eine Umweltverträglichkeitsprüfung nötig ist. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hatte dieses Vorabentscheidungsersuchen in Luxemburg eingereicht. Die Stadt Nürnberg hofft, in Verhandlungen mit dem Kläger Bund Naturschutz eine gemeinsame Lösung zu finden, damit die Klage zurückgezogen wird.

ICE und S-Bahn

Die Deutsche Bahn bleibt dabei: Ab 2017 soll der ICE von Nürnberg nach Berlin nur noch knapp drei Stunden brauchen. Dafür wird der Bahnabschnitt zwischen Nürnberg und Ebensfeld um zwei auf vier Gleise erweitert und auf eine Fahrgeschwindigkeit von bis zu 230 Kilometern pro Stunde ausgelegt. Zuletzt wurde auf der Strecke der Erlanger Haltestelle Paul-Gossen-Straße in Betrieb genommen: Die S-Bahn auf den beiden inneren Gleisen bedient den Mittelbahnsteig, die beiden äußeren sind für den Fernverkehr. Nächste Bauetappe ist der Burgberg-Tunnel im Erlanger Norden, wo die Tunnelbauer gerade den Stab an die Gleisbauer übergeben haben. Weiter Richtung Norden ist der Abschnitt bei Baiersdorf in Bau, der Ausbau der zweigleisigen Strecke von Eggolsheim über Bamberg nach Breitengüßbach wird frühestens ab 2018 in Angriff genommen. Komplett gesperrt ist derzeit die Schienenstrecke Breitengüßbach bis Bad Staffelstein. Der Ausbau auf vier Gleise bis zur Anschlussstelle mit der Neubaustrecke bei Ebensfeld soll bis September 2016 abgeschlossen sein. „Alternative zu diesen 34 Wochen Vollsperrung wäre eine achtjährige Bauzeit bei laufendem Betrieb“, so Anton Knapp, der Pressesprecher der Deutschen Bahn in Bayern.

Belastend für den Ausbau der S-Bahn-Strecke ist der juristische Streit um den sogenannten Fürther S-Bahn-Verschwenk. Über den neuen Streckenbogen mit einer neuen Haltestelle Fürth-Steinach, der von Bahn, Freistaat und Wirtschaft favorisiert wird, entscheidet das Bundesverwaltungsgericht voraussichtlich in diesem Jahr. Wird die Klage der Stadt Fürth abgewiesen, könnte der Normalbetrieb ab 2021 starten. Als „Notfallplanung“ bei einem Klageerfolg ist eine zeitweise Einbindung der S-Bahn in Fürth-Unterfarrnbach/Fürth-Klinikum vorgesehen.

Offen beim Eisenbahnknotenpunkt Nürnberg-Fürth ist auch noch der Bau des neuen Güterzugtunnels zwischen Nürnberg und Fürth. Eigentlich sollte die Finanzierung für den Baubeginn im Jahr 2018 stehen. Realistischer erscheint allerdings, dass es auch hier Verzögerungen gibt, die erwünschte Verbesserung der Güterkapazität auf der Schiene bleibt also zunächst aus.

Wie es mit der geplanten Stadt-Umland-Bahn (StUB) weitergeht, die von Nürnberg-Wegfeld über Erlangen nach Herzogenaurach führen soll, stand zum Redaktionsschluss dieser WiM noch nicht fest. Am 6. März waren die Erlanger Bürger aufgerufen, über die Planung dieses Verkehrsprojekts abzustimmen. Umstritten ist insbesondere die Finanzierung des Vorhabens, dessen Kosten auf insgesamt rund 300 Mio. Euro veranschlagt werden, wovon bis zu 90 Prozent durch Förderungen des Bundes und des Freistaats getragen würden.

Autor: 

tt.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 03|2016, Seite 34

 
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