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Meinl

Klangvolle Adresse

Meinl Musikinstrumente © Thomas Tjiang

Geschäftsführer Reinhold Meinl.

Das Familienunternehmen aus Gutenstetten begeistert mit seinen Produkten Amateur- und Profi-Musiker weltweit.

Schlagzeuger aus dem In- und Ausland trafen sich im vergangenen Jahr wieder im mittelfränkischen Gutenstetten, denn die Roland Meinl Musikinstrumente GmbH & Co. KG hatte zur zehnten Auflage des „Meinl Drum Festival“ eingeladen. Der Spezialhändler und Hersteller von Cymbals, Percussion und inzwischen auch Gitarren hat sich einen internationalen Ruf in der Drummer-Szene erworben. Die Weichen dafür hat der 1952 geborene Reinhold Meinl, Familienunternehmer in zweiter Generation, gestellt. „Gewinn ist nicht unser allererstes Ziel“, so sein Grundsatz. Es gehe vielmehr darum, hohe Qualität als Gemeinschaftsaufgabe aller Mitarbeiter zu betrachten und diese bestmöglich zu erfüllen.

Über 15 000 Musikinstrumente und Zubehörartikel hat Meinl im Sortiment. Die Eigenprodukte Cymbals und Percussion sowie Nylongitarren werden in 88 Ländern meist über Großhändler vertrieben. Vor dem Verkauf steht eine sorgfältige Überprüfung, um mögliche Mängel auszuschließen. Das gilt für eine kleine Ukulele für 50 Euro ebenso wie für eine E-Gitarre, die stolze 15 000 Euro kostet. Ab und zu legen die Service-Mitarbeiter im Auto Hunderte Kilometer zurück, um bei Profi-Musikern vor Ort eilige Reparaturen durchzuführen. Solche Aktivitäten seien für den Aufbau der Marke entscheidend. Gleiches gelte für den riesigen Bestand von über 6 000 Ersatzteilen. Zwar könne man mit Schaltern, Schrauben oder Beilegscheiben, die teilweise nur Cent-Beträge kosten, kaum etwas verdienen. Für die Kunden seien diese Artikel aber oftmals die letzte Rettung, für die sie sehr dankbar seien.

Im vergangenen Jahr setzte Meinl rund 50 Mio. Euro um (plus 15 Prozent), ein gutes Drittel davon entfiel auf das Auslandsgeschäft. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Reinhold Meinl erneut mit einem zweistelligen Wachstum. Die Eigenprodukte der Marke Meinl – im Wesentlichen Becken und Percussion für Schlagzeuger und Orchester – tragen rund die Hälfte zum Umsatz bei. Heute gibt es knapp 20 Serien mit gut 500 Modellen, die Entwicklung wird immer weiter vorangetrieben. Becken-Rohlinge bestimmter Serien werden in der Türkei gegossen, gewalzt und teils von Hand gehämmert, der Feinschliff findet in Gutenstetten statt. In heißen Phasen, wie zuletzt vor Weihnachten, wird in dem 2003 errichteten Neubau im Drei-Schicht-Betrieb rund um die Uhr gearbeitet. Insgesamt sind rund 160 Mitarbeiter für Meinl tätig, einige von ihnen in der Vertriebsniederlassung in Polen und als Handlungsreisende in Ungarn, Österreich und der Slowakei. In Thailand hat sich das Familienunternehmen an einem Percussionbauer beteiligt.

Klangschalen für Yoga und Wellness

Eine neue Zielgruppe und ein „Riesenmarkt weltweit“ soll mit dem neuen Geschäftsfeld „Sonic Energy“ erschlossen werden: Mit Klangschalen u.a. aus Deutschland, Indien und China bedient Meinl die Anhänger von Wellness und Yoga. Schon jetzt sind in diesem Bereich rund 200 Produkte im Sortiment – Tendenz steigend. Klangschalen sind schon ab 30 Euro zu bekommen, aber auch als exklusives Stück mit einem Durchmesser von mehr als einem halben Meter für den beachtlichen Preis von über 2 800 Euro. Ebenfalls in diese Reihe gehören Stimmgabeln wie „die Blume des Lebens“, „Erde“ oder „Jupiter“, die nach der „kosmischen Oktave“ der Planeten gestimmt sind.

Reinhold Meinl hat das Unternehmen seit 2001 zu einem Premiumanbieter gemacht. Dafür hat er rund 30 Prozent des Umsatzes aufgegeben und sich auf wenige Partner fokussiert. Alle Produkte müssen immer dem hauseigenen Qualitätsanspruch entsprechen. Das gilt auch für Konzertgitarren der Marke Ortega, für die Instrumente der japanischen Firma Hoshino Gakki (mit der Gitarrenmarke Ibanez und der Schlagzeugmarke Tama) und für die Produkte der Firma D’Addario, einem Spezialisten für Instrumentenzubehör.

Roland Meinl, der Vater des heutigen Geschäftsführers, hatte das Unternehmen im Jahr 1951 gegründet und schon früh mit Partnern zusammengearbeitet. Mit Unterstützung der IHK Nürnberg hatte er 1963 die Zusammenarbeit mit Hoshino begonnen und war damit der erste Importeur in Deutschland, der japanische Drums verkaufte. Für die Japaner war Meinl wiederum der erste Kunde außerhalb Asiens. Über 50 Jahre lang arbeiten beide Unternehmen nun schon erfolgreich zusammen.

Aber auch Rückschläge blieben dem Firmengründer nicht erspart, so scheiterte er mit dem Bau von Blasinstrumenten, um dann in die Fertigung von Cymbals im günstigeren Anfängerbereich einzusteigen. Seinem Sohn gelang schließlich der Durchbruch im Profibereich; im weltweiten Vergleich der Beckenhersteller sieht sich Meinl auf dem vierten Platz.

Im Jahr 2007 wurde eine Logistikhalle errichtet, die schon vier Jahre später um ein Drittel verlängert wurde. Dort wird das ganze Sortiment vollautomatisch eingelagert, nur zur Bestückung und für den Versand wird – elektronisch unterstützt – noch Hand angelegt. Deshalb sind in der Lagerhalle keine Mitarbeiter mehr tätig, weshalb auf eine Beleuchtung verzichtet werden kann. Auch bei der Regelung der Raumtemperatur muss keine Rücksicht auf Mitarbeiter genommen werden, sie wird deshalb optimal für die Instrumente ausgelegt. Bei dem Bau des Gebäudes wurde nicht nur auf niedrigen Energieverbrauch, sondern auch auf eine möglichst geringe Flächenversiegelung geachtet. Energieeffizienz und Umweltschutz sind für den leidenschaftlichen Golfer und Hobbygärtner Meinl nicht nur eine Kostenfrage, sondern eine Herzensangelegenheit. So wurden mehrere Photovoltaikanlagen installiert, das in der Produktion verbrauchte Wasser wird wiederaufbereitet und zum Beheizen des Ausstellungsbereiches wird eine Luftwärmepumpe eingesetzt. Außerdem ist das Unternehmen seit Jahren im Qualitätsverbund umweltbewusster Betriebe (QuB) und im Umweltpakt Bayern engagiert.

Meinls Sohn Alexander ist bereits seit Jahren im Betrieb tätig und steht für die Nachfolge bereit. An einen vollständigen Generationswechsel denken Reinhold Meinl und seine Frau Ingrid noch nicht, geben aber Verantwortung ab, um dem Nachwuchs „Raum für eigene Fehler“ zu geben. Das Geschäft ist für den erfahrenen Unternehmer mittlerweile „eher wie ein Hobby“, das er nach diesem Grundsatz betreibt: „Liebe die kleinen Sachen und achte die Gesundheit der Mitarbeiter. Das sind die Dinge, die wirklich zählen.“

Autor: 

tt.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 03|2016, Seite 72

 
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