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Leoni

100 Jahre gut verdrahtet

Historisch - lyonese_industry © Leoni AG

Kabelproduktion bei Leoni zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Der weltweit tätige Anbieter von Kabeln und Kabelsystemen feiert in diesem Jahr sein Jubiläum.

Die Leoni AG entstand 1917 aus der Fusion dreier Unternehmen: Die Johann Philipp Stieber Tressenfabrik aus Roth, die Johann Balthasar Stieber & Sohn GmbH aus Nürnberg-Mühlhof und die Vereinigten Leonischen Fabriken aus Nürnberg-Schweinau schlossen sich zu den Leonischen Werken Roth-Nürnberg zusammen. Die Wurzeln von Leonis Stammbaum reichen jedoch bis ins 16. Jahrhundert zurück, als der aus Frankreich eingewanderte Hugenotte Anthoni Fournier in Nürnberg eine Werkstatt zur Herstellung feinster Gold- und Silberdrähte für kostbare Stickereien gründete, sogenannter Leonischer Waren (siehe Kasten).

Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg waren die Startbedingungen für die Leonischen Werke Roth-Nürnberg schwierig: Der Absatz des Kernprodukts Leonische Waren knickte ein, deshalb setzte das Unternehmen auf die Produktion elektrischer Drähte, Litzen und Leitungen. Um frisches Kapital zu beschaffen, erfolgte 1923 der Börsengang. Die Aufrüstung während des Nazi-Regimes erhöhte die Nachfrage nach den Kabeln der Leonischen Drahtwerke, die für Panzer, Flugzeuge und U-Boote benötigt wurden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs begannen in Mühlhof die Fertigung von Anschlussleitungen für Elektrogeräte und die Konfektionierung erster Kabelsätze. Damit legte das Unternehmen den Grundstein für das Bordnetz-Geschäft. Am Standort Roth lag der Schwerpunkt auf kunststoffisolierten Leitungen.

Die rasante Entwicklung der Automobilindustrie in den Wirtschaftswunder-Jahren beschleunigte den Wachstumskurs von Leoni. Das Unternehmen belieferte die Fahrzeughersteller mit kompletten Kabelsätzen. In den 1960er Jahren kamen neue Produktionsstandorte in Kitzingen, Bad Kötzting, Neuburg an der Donau und Berlin hinzu. Mit dem Werk im tunesischen Sousse läutete Leoni 1977 die Ära der Globalisierung ein; im Zuge der internationalen Expansion wurden Produktionsstätten in Osteuropa, Amerika, China und Indien errichtet. Leonis wichtigstes Kundensegment ist die weltweite Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie. Aber Kabel von Leoni sind nicht nur in Autos verbaut, sondern auch in Schiffen und Bahnen, in Aufzügen sowie in Elektro- und Haushaltsgeräten. Als Global Player hat sich Leoni vor allem mit einer Produktwertschöpfungskette  profiliert, die den Kunden wertvolle Synergien bietet: „Sie beginnt beim feinsten Einzeldraht und der optischen Faser, führt über das Kupfer-, Glasfaser- oder Hybridkabel und endet beim komplexen Bordnetz-System mit integrierter Elektronik“, so die Beschreibung des Unternehmens.

„Wir können auf eine insgesamt sehr erfolgreiche Historie zurückblicken. Allein in den letzten 20 Jahren ist das Unternehmen jährlich um 14 Prozent gewachsen. Heute beschäftigen wir 79 000 Mitarbeiter an 93 Standorten in 32 Ländern“, erklärte Vorstandsvorsitzender Dieter Bellé bei der Bilanzpressekonferenz. „Die Vermögenslage ist stabil und der Auftragsbestand so hoch wie nie. Mit aktuell mehr als 130 Mio. Euro Ausgaben für Forschung und Entwicklung stellen wir sicher, dass wir auch künftig die richtigen Produkte und Dienstleistungen anbieten“.

Im Geschäftsjahr 2016 erzielte die im deutschen MDAX notierte Unternehmensgruppe, deren Zentrale in der Nürnberger Marienstraße liegt, einen Konzernumsatz von 4,43 Mrd. Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) belief sich auf 78 Mio. Euro. Der EBIT des Vorjahres lag bei 151 Mio. Euro, beinhaltete jedoch einen Veräußerungserlös in Höhe von rund 20 Mio. Euro. Beim Vergleichswert 2016 kamen Sondereffekte zum Tragen: 31 Mio. Euro Restrukturierungsaufwendungen sowie rund 40 Mio. Euro aus dem Betrugsfall im August 2016. Auf bereinigter Basis habe sich der EBIT um rund zwölf Prozent auf 160 Mio. Euro verbessert, so die Unternehmensleitung. Unter dem Strich bleibe ein Jahresüberschuss von zehn Mio. Euro (2015: 77 Mio. Euro).

Leoni will für das Geschäftsjahr 2016 eine Dividende von 0,5 Euro je Aktie ausschütten, was einer Gesamtsumme von 16,3 Mio. Euro entspricht und damit den Konzernüberschuss deutlich übersteigt. Mit dieser Dividendenpolitik will das Unternehmen zum einen den finanziellen Schaden aus dem Betrugsfall für die Aktionäre begrenzen. „Zum anderen zeigen wir damit klar unsere Zuversicht für eine erfolgreiche Entwicklung des Unternehmens in den nächsten Jahren“, so Finanzvorstand Karl Gadesmann. Diese Zuversicht gründet sich auf mehrere Faktoren, wie Vorstandsvorsitzender Bellé erklärte: „Zum einen ist dies die wachsende Automobilindustrie. Neben der zunehmenden Ausstattung der Fahrzeuge versprechen insbesondere die Elektromobilität und das autonome Fahren positive Impulse für unser Geschäft. Auch technologische und gesellschaftliche Trends, allen voran der steigende Bedarf an Energie- und Datenmanagement, bieten Leoni gute Wachstumschancen.“

Ein wichtiges Element für diese Wachstumsstrategie ist die „Fabrik der Zukunft“, die derzeit in Roth errichtet wird. Das neue Werk mit einer Gesamtfläche von 57 000 Quadratmetern soll „das modernste Kabelwerk Europas“ werden, so das Ziel von Leoni. Rund 400 000 Kilometer Kabel werden dort künftig pro Jahr gefertigt. Das Produktspektrum des neuen Standorts, in den Leoni rund 90 Mio. Euro investiert, umfasst neben Leitungen für die Automobilindustrie Glasfaserkabel für die Telekommunikation und Infrastruktur bis hin zu Hochvolt- und Ladeleitungen für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben. Leoni will die „Fabrik der Zukunft“, die in zwei Jahren ihren Betrieb aufnehmen soll, zum zentralen Labor- und Entwicklungszentrum im Konzern machen.

 

Geschichte der Leonischen Industrie

Im Mittelalter waren italienische und französische Manufakturen berühmt für die Produktion feinster Gold- und Silberdrähte. 1569 exportierte Anthoni Fournier dieses Know-how aus Lyon nach Franken und legte damit den Grundstein für einen florierenden Wirtschaftszweig in der Region, die Leonische Industrie. In dieser Bezeichnung klingt noch der Lyoner Ursprung mit. Zu den Leonischen Waren zählen feine Drähte, entweder aus purem Gold und Silber oder vergoldet, versilbert oder verzinkt, und daraus hergestellte Produkte wie Plätte, Gespinste und Bouillon. Die Erzeugnisse der Leonischen Industrie werden für Stickereien, Bänder, Borten, Tressen, Litzen und Posamente verwendet; sie zieren Uniformen, sakrale Gewänder und Festtagstrachten oder verschönern als Christbaumschmuck den Weihnachtsbaum.

Die Söhne Fourniers traten in die Fußstapfen ihres Vaters und zogen nach 1621 nach Roth. Dort war das Drahtzieherhandwerk bereits gut etabliert – die Wasserkraft der Rednitz und der Roth versorgten die Werkstätten mit Energie. So entstand in der rund 30 Kilometer von Nürnberg entfernten Stadt ein Zentrum der Leonischen Industrie. Die Techniken dieses Gewerbes – Drahtziehen, Versilbern, Vergolden, Plätten, Gespinstherstellung – wurden immer weiter verbessert. Der Einsatz von Dampfmaschinen löste schließlich einen Quantensprung der Produktivität aus und ermöglichte die Produktion in großen Stückzahlen. Neben dem Fabrikanten Stieber, der seit 1747 in Roth Leonische Waren herstellte, siedelten sich in der Stadt weitere Industrie- und Handwerksbetriebe an. Zu ihnen gehörte 1885 die Firma „Riffelmacher & Engelhardt“, heute als Bayerische Kabelwerke AG („Bayka“) bekannt. Im selben Jahr wurde auch die Karl Grimm GmbH & Co. KG gegründet. Auch Städte wie Schwabach und Weißenburg entwickelten sich zu Zentren der Leonischen Industrie mit vielen Neugründungen.

Ein neuer Markt

Um 1900 zeichnete sich für die Unternehmen der Leonischen Industrie ein neuer Markt ab: Für die Elektrifizierung waren massenhaft Stromkabel gefragt. So wurde die Kabelherstellung für die Leonische Industrie ein zunehmend wichtigeres Segment, während die Bedeutung der klassischen Leonischen Waren zurückging. Aus den Leonischen Betrieben hat sich die Kabelindustrie entwickelt, die heute zu den wichtigen Hightech-Branchen in Mittelfranken zählt und die Autoindustrie, die Kommunikationswirtschaft sowie den Energiesektor rund um den Globus beliefert. Bayka produziert unter anderem Starkstromkabel, Kupfer- und Aluseile, Bahnkabel und Lichtwellenleiter. Die in Weißenburg ansässigen Drahtwerke Wilhelm Gutmann GmbH & Co. KG. sind unter der Marke Gutmann Kabel als Experten für Kupferdrähte, Kupferrundseile, Spezialrundseile und Spezialkabel auf dem deutschen und internationalen Markt etabliert. Schwabach ist der Sitz der Maschinenfabrik Niehoff GmbH & Co. KG. Das 1951 gegründete Familienunternehmen hat sich auf Maschinen und Anlagen für die Draht- und Kabelindustrie spezialisiert und ist in diesem Segment nach eigenen Angaben Weltmarktführer. 

Externer Kontakt:

aw.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 05|2017, Seite 88

 
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