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Conrad

Baufahrzeuge im Modell-Maßstab

Conrad © Udo Greiner

Die Modellbauer: Christine Conrad und ihr Mann Paul Bitschin.

1956 als Reparaturwerkstatt ins Leben gerufen, gießt das Unternehmen heute originalgetreue Modelle von Lastenkränen.

Vier Meter hoch ragen die Modelle von Auto- und Gittermastkränen in die Höhe, aufgestellt im Eingangsbereich der Conrad GmbH in Kalchreuth-Röckenhof. Die realen Gegenstücke werden weltweit auf Kraftwerks-, Industrie- oder Brückenbaustellen eingesetzt und befördern damit Lasten millimetergenau in Position. Im bevorzugten Conrad-Maßstab 1:50 bestehen die Kräne aus Zinkdruckguss und jonglieren wie ihre großen Brüder vergleichbare Lasten – ohne umzufallen.

Nutzfahrzeuge, Raupenbagger, Gabelstapler und andere Baumaschinen fertigt die 1956 gegründete Conrad GmbH in Stückzahlen ab 100 bis 5 000 – ein Gewerbe, das die Herzen der Modellbaufans höher schlagen lässt. Diese kommen allerdings an viele Ausführungen oft nur schwer oder gar nicht heran. Denn nur etwa 20 Prozent der Modelle landen bei Händlern in aller Welt. Der Grund: Conrad beliefert in erster Linie die Hersteller der Originale, die dann die Modelle als Präsente an ihre Kunden weitergeben. So besteht z. B. mit dem Baumaschinenkonzern Liebherr, der mit 130 Gesellschaften, 41 500 Mitarbeitern und 9,3 Mrd. Euro Umsatz ein weltweites Branchenschwergewicht ist, eine langjährige Partnerschaft.

Für die Industrie sind die Modelle aus Kalchreuth die besten Werbeträger, da eine maßstabsgetreue hochwertige Miniatur mehr aussagt als eine Beschreibung, Broschüre oder ein Foto. Conrads Kunden sind über die ganze Welt verteilt, man findet sie in den USA und Kanada, in Europa und Südafrika und auch in weiten Teilen Asiens. Sie schätzen die präzise Handarbeit, die Detailtreue und das „Made in Germany“. Heute beschäftigt das Unternehmen rund 90 Mitarbeiter, ein wachsender Teil davon im Zulieferwerk in der Nähe von Karlsbad in Tschechien.

Firmengründer Ludwig Conrad, der im Jahr 2006 verstorben ist, war ein begabter Entwickler und Elektrotechniker mit abgeschlossener Meisterprüfung. 1956 begann er, sein eigenes Unternehmen mit Zuarbeiten für die Nürnberger Elektrobranche und mit der Reparatur von Funkgeräten der US-Army aufzubauen. Später begründete er die Technik, Transformatoren in Kunstharz zu vergießen, und auch die Fahrregler der Carrera-Rennbahnen waren eine Erfindung des fränkischen Tüftlers. 1987 übernahm sein Sohn Günther das Unternehmen. Er war von seinem Vater und dessen Handwerk fasziniert: „Das Geheimnis einer Miniatur liegt nur auf den ersten Blick in ihrer Größe. Viel bedeutender ist die Fähigkeit, das Große im Kleinen zu entdecken. Und das beginnt im Kopf – oder besser gesagt: mit einem geschulten Auge.“ Seit dem 60-jährigen Firmenjubiläum im vergangenen Jahr sitzt Enkelin Christine Conrad (Jahrgang 1981) mit in der Geschäftsführung. Sie und ihr Ehemann Paul Bitschin hatten ursprünglich Hotelmanagement studiert, arbeiteten sich jedoch in die technische Materie ein.

Um die Modelle so originalgetreu wie möglich nachbauen zu können, sind umfangreiche Kenntnisse der Originalfahrzeuge und der Herstellungsschritte erforderlich. Manche Miniaturen bestehen aus bis zu 1 500 Einzelteilen, die per Hand und mit viel Geduld zusammengefügt werden müssen. 3D-CAD-Programme, computergesteuerte CNC-Fräsen, moderne Lasertechnologie und 3D-Druck-Verfahren sorgen für die Präzision eines jeden Bauteils. Die Liebe zum Detail wird dabei spürbar, nicht nur durch millimetergenaue Beschriftungen und Logos, sondern vor allem durch Feinheiten wie eine funktionale Hinterachslagerung oder den verborgenen Kettenspanner. Christine Conrad: „Wenn bei der Endmontage eines realen Baggers oder Krans normalerweise schwerstes Gerät zum Einsatz kommt, setzt man bei uns auf Konzentration und ruhige Hände. Denn was in der Realität Tonnen heben oder ziehen muss, wird in einer Miniatur zum filigranen Bauteil, das mit Können und Geduld montiert sein will.“ 1 400 Fahrzeugmodelle sind in den sechs Jahrzehnten vornehmlich in fünf verschiedenen Maßstäben entstanden. Zinkdruckguss kommt deshalb zum Einsatz, weil es leichter zu gießen ist und die Produktion von Stücken unter einem Millimeter Stärke ermöglicht. Ein Showroom, intern Museum genannt, vermittelt einen umfassenden Eindruck von der Firmengeschichte: Blechspielzeuge aus einer frühen Zusammenarbeit mit einem Hersteller aus Nürnberg findet man dort ebenso wie die neuesten Kreationen – vor allem Mobilkräne, aber auch Feuerwehrautos, Muldenkipper, Gabelstapler und Schneepflüge. Die Formen für die Modelle des Familienunternehmens werden unter der Leitung von Jürgen Conrad, dem Onkel von Christine, im Eckentaler Ortsteil Brand hergestellt.

Vom Auftrag bis zum fertigen Produkt können bis zu sechs Monate vergehen. „Und immer gleicht es einem Wunder, dass das Modell tatsächlich so funktioniert wie die Vorlage“, freut sich Christine Conrad über den Erfolg ihres Unternehmens nach wie vor. Ihr scheint die Liebe zu den Modellen in die Wiege gelegt worden zu sein: Schon als Kind hat sie ihre Barbie-Puppen mit Miniaturkränen in der Wohnung hin und her gehoben.

Autor: 

(ug.)

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 07|2017, Seite 78

 
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