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Miniköche

Nachwuchs am Herd

Mini-Köche Hersbruck © Mini-Köche Hersbruck

Miniköche in Aktion: Die Kinder bereiten Leckereien aus der fränkischen Heimat zu.

Bei den „Miniköchen“ lernen Kinder das Kochen und die Gastronomie kennen – auch in Mittelfranken gibt es zwei Gruppen.

Zeit für den Nachwuchs am Herd“: Das forderte das Bundeslandwirtschaftsministerium letztes Jahr in ihrem Ernährungsreport. Hintergrund war eine Erhebung über die Kochaktivitäten der Jugendlichen in Deutschland. Zwar gebe es dafür eine hohe Begeisterung unter den 14- bis 18-Jährigen, jedoch koche nur jeder Fünfte täglich. Dagegen stehe fast jeder Dritte nie am Herd, stellte das Ministerium in seiner Studie fest.

Da scheint ein Projekt wie die „Miniköche“ seiner Zeit weit voraus zu sein: Denn es kümmert sich schon seit fast 30 Jahren um den Nachwuchs am Herd. Hier lernen Kinder im Alter von zehn und elf Jahren, wie sie sich gesund und umweltbewusst ernähren. Darüber hinaus kommen sie mit der Welt der Gastronomie und deren beruflichen Ausbildungswegen in Kontakt.

Über einen Zeitraum von zwei Jahren treffen sich die Kinder mindestens zweimal monatlich unter Anleitung von Chefköchen, Ernährungs- und Servicefachkräften. In den Betrieben bekommen sie die Grundlagen des gastronomischen Handwerks beigebracht. Sie bereiten regionale oder überregionale Gerichte zu, servieren sie und essen sie auch gemeinsam. Hinzu kommen Besuche bei landwirtschaftlichen Betrieben, um die Produktion der Lebensmittel kennenzulernen. Jede Gruppe hat zudem einen eigenen Garten, den die Kinder bepflanzen, pflegen und ernten. Am Ende der zwei Jahre absolvieren die Nachwuchsköche eine von den Industrie- und Handelskammern bundesweit anerkannte Prüfung. Bei Bestehen erhalten sie ein Zertifikat, das ihnen später hilfreich sein kann, wenn sie sich für eine entsprechende Ausbildungsstelle bewerben.

Begonnen hatte das Projekt 1989 mit einem Ferienprogramm des Gastronomen und Hoteliers Jürgen Mädger aus Bartholomä in der Schwäbischen Alb. Momentan gibt es über 30 Gruppen in Deutschland. Die erste mittelfränkische Gruppe entstand 2001 in Hersbruck und wird von Gastronom Peter Bauer geleitet, dessen Familie dort schon seit den 50er Jahren das Hotel Restaurant Bauer betreibt. Mittlerweile betreut er die achte Gruppe von „Miniköchen“. Am Anfang waren es die eigenen Kinder und deren Freude am Kochen, die Bauer motivierten, sich als Gruppenleiter zu engagieren und mit den Nachwuchsköchen zu arbeiten. „Man sieht, wie die heiß darauf sind, das zu lernen“, beschreibt er seine Erfahrungen. Bauer findet es wichtig, bei den Sprösslingen das Bewusstsein für gesunde Ernährung sowie regionale Lebensmittel zu stärken, auf den Markt zu gehen und frische Waren zu kaufen. „Manche Eltern wissen ja gar nicht, was es da alles gibt“, sagt er.

Über mangelndes Interesse am Projekt kann sich Teamleiter Bauer nicht beschweren. Teilweise gibt es Auswahlverfahren, weil die Anmeldungen weit über der möglichen Teilnehmerzahl liegen. Bei der Betreuung der Gruppe ist noch das Hotel „Zum alten Schloss“ aus Kirchensittenbach beteiligt. Daneben gibt es mehrere Unternehmen, die das Hersbrucker Miniköche-Team sponsern, zum Beispiel Fackelmann GmbH + Co. KG. Der Haushaltsartikel-Hersteller schickte zu den Kochaktionen auch schon mal den Ex-Profiboxer Axel Schulz vorbei, der bis Ende letzten Jahres als Werbeträger für das Unternehmen aktiv war.

Beim anderen mittelfränkischen Miniköche-Team aus Rothenburg o. d. Tauber gibt es ebenfalls rege Nachfrage. Die Gruppe sei immer recht schnell voll, erklärt Roland Pfeiffer vom Gastronomischen Berufsbildungszentrum (GBZ) der IHK Nürnberg für Mittelfranken. „Die Kinder sollen das aber selber entscheiden, es bringt nichts, wenn die das nicht wollen“, betont er. Das Miniköche-Team hat seine Anfänge in Bad Windsheim, wo es 2008 los ging. Pfeiffer übernahm die Gruppe 2009 und seit 2012 ist sie in Rothenburg beheimatet. „Es macht Spaß, weil man jungen Menschen die Gastronomie näher bringen kann, weil sie einen Einblick bekommen und später dort vielleicht auch tätig werden“, erklärt der Gruppenleiter seine Motivation.

Für die Organisation tauscht er sich regelmäßig mit seinem Kollegen Peter Bauer vom Hersbrucker Team aus. Beide Gruppen haben auch schon gemeinsam Veranstaltungen bekocht und bewirtet, zum Beispiel eine Benefiz-Gala der Aids-Hilfe Stuttgart. Und auch auf der Grünen Woche in Berlin waren die mittelfränkischen Miniköche schon unterwegs. Dort zeigten sie nicht nur, wie man Fisch filetiert oder Servietten kunstvoll faltet, sondern bereiteten auch Leckereien aus der Heimat zu: Fränkische Baggers mit geräuchertem Saibling auf Sahnemeerettichhäubchen, glasierte Apfelschnittchen und süße fränkische Miniknödel.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 05|2018, Seite 42

 
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