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Innovation

Patentes Nürnberg

Familienarchiv Dieter Beckh_Ultramarinfabrik (unbekannt) © Familienarchiv Dieter Beckh

Die Zeltner’sche Ultramarinfarbrik in Lauf a. d. Pegnitz.

Innovativ von Anfang an: Die erste Patentanmeldung in Deutschland kam aus Nürnberg.

Er ist ein patenter Kaufmann, ein tüchtiger Tüftler und baut auf rote Farbe: Johannes Zeltner bekleidet sein Amt als zweiter Vorstand der Handelskammer Nürnberg, als er 1877 das deutschlandweit erste Patent anmeldet. Es beschreibt die industrielle Herstellung von rotem Ultramarin.

Wie es sich wohl angefühlt haben mag, der Allererste zu sein? Heute werden beim Bundespatentamt in München täglich etwa 180 Patente eingereicht und bearbeitet. 1877 ist die Idee, seine eigenen Ideen vor Diebstahl und der Handhabe anderer zu schützen, noch relativ neu. Am 1. Juli 1877 ist Johannes Zeltner der erste, der an die Pforten des just gegründeten Kaiserlichen Patentamtes in Berlin klopft und sein „Verfahren zur Herstellung einer rothen Ultramarinfarbe“ unter der Nummer DE000001 patentieren lässt.

Zeltner ist in Nürnberg kein Unbekannter. Gemeinsam mit seinem Bruder gründet er 1836 die Zeltner-Braue- rei, 1838 dann die erste Ultramarin-Fabrik in Bayern. In Lauf a. d. Pegnitz baut er 1855 ein eigenes Forschungslabor auf, in dem es seinem Laborleiter Justin Wunder schließlich gelingt, rote Ultramarin-Farbe künstlich herzustellen. Zeltner mausert sich derweil zu einem angesehenen Unternehmer, Kaufmann und Nürnberger Bürger. Mit ihm kann die Handelskammer ein einflussreiches Mitglied für sich gewinnen, das zeitweise sogar als stellvertretender Vorsitzender fungiert. Eine der zentralen Aufgaben der IHKs in den 1870er-Jahren ist es, die wirtschaftlichen und rechtlichen Veränderungen zu analysieren, die sich für Unternehmen im Zuge der Reichsgründung 1871 ergeben, und diese verständlich für die Mitglieder aufzubereiten.

Johannes Zeltner ist am 2. Juli 1877 nicht zufällig der erste Patent-Anmelder. Er weiß frühzeitig über die Bedeutung und Existenz des neu ins Leben gerufenen Patentamtes Bescheid. Auf diese Weise sichert er sich mehrere Jahre die alleinige Nutzung des neuartigen Herstellungsverfahrens von rotem Ultramarin und seiner Firma damit einen echten Wettbewerbsvorteil. Sein rotes Ultramarin wird damals vorzugsweise von Künstlern und Kunsthandwerkern verwendet.

Unterstützung macht erfinderisch

Mittelfrankens Ideenreichtum zu mehren, ist auch heute ein großes Anliegen der IHK. Der ist schon heute groß: Als Forschungs- und High-Tech-Standort verzeichnet Mittelfranken die höchste Patentdichte in Deutschland, so eine Erkenntnis des IHK-Patent-Reports. Und das soll auch in Zukunft so bleiben, weshalb die IHK vielfältige Aktivitäten zur Stärkung des Innovationsstandortes in Gang gesetzt hat: Sie fordert bei Politik und Verwaltung innovationsfreundliche Rahmenbedingungen ein, wie beispielsweise eine steuerliche Forschungsförderung. Sie unterstützt unternehmensinterne Innovationsprozesse, außerdem wirkt sie am Ausbau der Hochschulen und der Forschungsinfrastruktur mit (siehe auch Artikel Seite 22). Als Federführerin der „Interessengemeinschaft Hochschulen Region Nürnberg (igh)“ bringt sie Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik an einen Tisch.

Den Technologietransfer zwischen Unternehmen und Wissenschaftlern bringt die IHK mit ihren Netzwerken und Kompetenzinitiativen voran. Anwenderclubs für zahlreiche Techologiefelder und Netzwerke wie etwa das „Automation Valley Nordbayern“ sind einige Beispiele. Deutschland- und europaweit, das ergaben Erhebungen der IHK, ist Mittelfranken in Sachen Ideenreichtum und Erfindergeist vorne mit dabei. Wie es um Forschung und Entwicklung in Mittelfranken bestellt ist, beschreibt die IHK in ihrem jährlichen „IHK-Innovationsreport Mittelfranken“.

Dieser Beitrag steht online als Blog und Film.

Alle Beiträge zum 175-jährigen Jubiläum finden Sie unter
www.ihk-nuernberg.de/seit1843

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 07|2018, Seite 48

 
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