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Studiengänge

Qualifiziert für die Welt

Illu_WiM_1218 © Anton Atzenhofer

Die Hochschulen der Region Nürnberg bieten eine Reihe von Studiengängen an, die auf eine Karriere in der Außenwirtschaft vorbereiten.

Technische Hochschule Nürnberg (THN): Als die damalige Fachhochschule Nürnberg vor 20 Jahren ihr berufsbegleitendes Studienangebot zum „Master of Business Administration“ (MBA) aus der Taufe hob, betrat sie damals mit dem ersten rein englischsprachigen Angebot Neuland in Bayern. Ähnlich war es auch beim heutigen Bachelor-Studiengang (BA) „International Business“, der damals noch zu einem Diplom-Abschluss führte. Vergleichbare Studienangebote gab es zwar schon, die Nürnberger TH war aber im Jahr 1998 die erste, die im BA-Studiengang durchgängig auf Englisch unterrichtete. „Da waren wir Schrittmacher“, bilanziert Prof. Dr. Kai-Uwe Wellner von der Betriebswirtschaftlichen Fakultät der TH Nürnberg.

Heute bietet die TH Nürnberg eine Reihe von Studiengängen mit internationaler Ausrichtung: einen Bachelor „International Business“ (BA), einen Master „International Finance and Economics“ (MSc), einen Master „International Marketing Management“ (MA) sowie als Aufbaustudium den berufsbegleitenden „Master of Business Administration for Professionals“ (MBA). Zusätzlich wird seit diesem Jahr auch ein Bachelor „International Business and Technology“ (B. Eng.) angeboten, der betriebswirtschaftliches Know-how mit Ingenieurwissenschaften kombiniert. Bis auf das zweisprachige „B. Eng.“-Studium werden alle Studiengänge durchgängig nur auf Englisch durchgeführt.

Für das Studium zum Bachelor „International Business“ bewerben sich pro Jahr bis zu 700 Interessierte, starten können allerdings nur 60 Studenten. Davon sind ein Drittel Ausländer sowie Austauschstudenten von den 78 Partnerhochschulen rund um den Globus. Bei der Auswahl der Studenten werden u. a. Sprachkenntnisse, Auslandsaufenthalte oder auch das internationale – etwa familiäre – Umfeld berücksichtigt.

Als zweite Fremdsprache müssen etwa Französisch, Spanisch oder Italienisch verhandlungssicher auf B2-Niveau beherrscht werden. Von den sieben Regelsemestern bis zum Bachelor-Abschluss entfällt fast ein Drittel der Zeit auf das Ausland: Neben einem Pflichtpraktikum in einem anderen Land muss auch ein Semester an einer ausländischen Hochschule erfolgreich absolviert werden.

Die Studenten kommen beispielsweise aus Ägypten, Aserbaidschan, Indien, Nepal und Vietnam. Diese Internationalität auf der Studentenseite spiegelt sich auch auf der Seite der Lehrenden wider: Jedes Jahr hat die THN rund 50 ausländische Gastprofessoren der Partneruniversitäten aus der ganzen Welt an der Wirtschaftsfakultät zu Gast, die neben ihren Forschungstätigkeiten auch in den Lehrbetrieb eingebunden werden (www.th-nuernberg.de).

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU): Auch die Universität verfügt über ein breites Spektrum an international ausgerichteten Studiengängen, die rein in Englisch, teilweise in Englisch oder in einer weiteren Fremdsprache angeboten werden. Den Fokus auf Wirtschaft und Außenhandel setzt der Studiengang „International Business Studies“ (BA), der über sechs Regelsemester geht und überwiegend auf Deutsch abgehalten wird. Jedes Jahr starten 75 Studenten, die Zahl der Bewerber ist fünf bis zehn Mal so groß, berichtet Prof. Dr. Dirk Holtbrügge, Dekan für Internationale Angelegenheiten am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften. Er registriert auch einen steigenden Anteil an ausländischen Studenten, die allerdings meist schon in der Metropolregion leben, weil etwa ein Elternteil hier arbeitet.

Beim Studiengang Wirtschaftswissenschaften (BA) mit Spezialisierung BWL, VWL oder auch Wirtschaftsinformatik kann nach einem zweisemestrigen Auslandsstudium an der spanischen Universidad de Málaga ein Doppelabschluss erreicht werden. In den nächsten Jahren soll das zusätzlich auch mit Partnerunis in Russland, Japan und Indien möglich sein.

Großen Andrang gibt es auch für die außenwirtschaftlich orientierten Master-Studiengänge der FAU: So wollten zuletzt 1 000 Interessenten für den Master „International Business Studies“ (MSc) zugelassen werden – bei nur 60 Studienplätzen. Seit dem Jahr 2012 wird dieser Studiengang ausschließlich in Englisch angeboten. Da zum Studienstart keine Deutschkenntnisse erforderlich sind, stellen Ausländer aus der ganzen Welt über drei Viertel der Bewerber.

Gerade in diesem Bereich können sich die Studenten inhaltlich und sprachlich auf vier sogenannte „Areas“ spezialisieren: Ausländische Studenten mit der Zusatzsprache Deutsch wählen gerne den Schwerpunkt „Europa und Deutschland“. Die englische Area deckt den gesamten englischsprachigen Raum ab, die dritte Area setzt mit Spanisch den Fokus auf Spanien und Lateinamerika. Wer die Asia-Area wählt, für den ist eine asiatische Sprache – z. B. Chinesisch, Japanisch oder Koreanisch – Pflicht. In diesem Bereich entscheiden sich die Studenten zu 80 Prozent für China, weil dort auch die meisten Partner-Hochschulen zu finden sind.

Darüber hinaus bietet die FAU den Master-Studiengang „Economics“ (MSc) an, der vor zwei Jahren komplett auf Englisch umgestellt wurde. Er vermittelt u. a. fortgeschrittene Mathematik für Ökonomen, Ökonometrie, Statistik sowie Makro- und Mikroökonomik. Mit dem Fokus auf Wirtschaftsinformatik wird außerdem der überwiegend in Englisch gehaltene Master-Studiengang „International Information Systems“ (MSc) angeboten.

Doppelabschlüsse lassen sich im Studiengang „Marketing“ (MSc) mit der französischen Partneruni Ecole de Management de Strasbourg erzielen. Auch der Studiengang „Management“ (MSc) bietet sowohl mit der Ecole de Management de Strasbourg als auch mit der spanischen Universidad de Alcalá de Henares Doppelabschlüsse an. Einen Master of Arts kann man mit dem englischsprachigen Fach „Development Economics and International Studies“ (MA) erreichen, das einen Schwerpunkt u. a. auf internationale Wirtschaft und Wirtschaftsethik sowie Entwicklungshilfe legt.

Insgesamt hat die FAU 125 Partner-Unis und kann pro Jahr 400 Austauschstudienplätze anbieten. Holtbrügge sieht bei den internationalen Studiengängen gute Erfolge: Die Abbruchquote sei bei den Bachelor-Studenten sehr gering, bei den Master-Angeboten liege sie deutlich unter zehn Prozent. Durch die enge Vernetzung mit international orientieren Unternehmen in der Region Nürnberg über Praktika, Ferienjobs und andere studentische Tätigkeiten fänden viele Absolventen nach dem Studium dort auch eine Stelle (www.fau.de).

Hochschule Ansbach: Als einzigartig in Deutschland gilt der Studiengang „Bachelor of Arts in International Management“ der HS Ansbach. Das betriebswirtschaftliche Studium richtet sich ausschließlich an Spitzensportler, die parallel zu ihrer sportlichen auch ihre berufliche Karriere mit einem akademischen Studium vorantreiben wollen. Dieser Bachelor-Studiengang mit jährlich 30 Studienplätzen kombiniert Elemente eines Präsenz- und eines Fernstudiums.

Außerdem gibt es an der Hochschule Ansbach das englischsprachige MA-Studium „Internationales Produkt- und Servicemanagement“. Zu den Kernmodulen des drei- oder viersemestrigen Studiums gehören u. a. die Themenfelder Innovation, Produktentwicklung und Produktionsplanung. Kooperationen bestehen mit der Universität Valencia in Spanien und mit zwei Partnerhochschulen in Australien.

Betriebswirte können außerdem einen deutschen und einen ausländischen Bachelor- Doppelabschluss erreichen, weshalb es Kooperationen mit einer chinesischen und einer finnischen Hochschule gibt. Bettina Huhn, Leiterin des International Office der HS, zählt auch das gerade neu begründete BA-Studium „Interkulturelles Management“ in das Themenfeld Betriebswirtschaft und Außenhandel. Es wird am neuen HS-Standort Rothenburg o. d. Tauber abgehalten und vermittelt u. a. betriebswirtschaftliche Grundlagen sowie interkulturelle und digitale Kompetenzen. Die Vorlesungen für die rund 300 Studienanfänger finden in Deutsch und Englisch als „Blended Learning“ statt – einem Mix aus Online-Studium und Präsenzveranstaltungen in Rothenburg. Die Studenten können wählen zwischen den drei Schwerpunkten Gastronomie und Tourismus, Handel und Dienstleistung sowie Produktion und Handwerk (www.hs-ansbach.de).

Campus M21: Der privatwirtschaftliche Campus M21 aus München bietet seit 2011 auch Management-Studiengänge in Nürnberg an. Die Studenten erwerben nach internationalen Standards akkreditierte Bachelor- und Master-Abschlüsse der staatlichen Hochschule Mittweida. Zu den Nürnberger Bachelor-Studienangeboten gehört das „Internationale Marketing und Management“, bei dem u. a. internationales Management und Marketing, Marken-Management sowie Konsum- und Investitionsgüter-Marketing auf dem Lehrplan stehen. Das zweite hochspezialisierte Angebot ist der Studiengang „Internationales Automobilbusiness“ (BA), der ganz neu in Nürnberg angeboten wird. Themen sind z. B. internationale Aspekte des Automobilbusiness und -marketing, Automobilvertrieb, Automobilindustrie und -politik, Motorsport sowie Club- und Eventmanagement (www.campusm21.de).

FOM Hochschule für Oekonomie & Management: Die private Hochschule mit Sitz in Essen ist auf Studienangebote für Berufstätige spezialisiert, eines ihrer deutschlandweit 29 Hochschulzentren ist in Nürnberg zu finden. Dort können Studenten den deutsch-englischen BA-Studiengang „International Management“ belegen. Er bereitet auf eine Karriere in international ausgerichteten Unternehmen vor, auf dem Studienplan stehen u. a. BWL, VWL, Recht, Entrepreneurship, internationale Rechnungslegung und Turnaround-Management (www.fom.de).

International Business School Nürnberg (IBS): Zu den Anbietern im Großraum gehört auch die 2006 gestartete private IBS, die seitdem in Kooperation mit der englischen „University of Sunderland“ über 600 Bachelor-Absolventen für eine Tätigkeit im Auslandsgeschäft qualifiziert hat. Allerdings werden seit dem Sommersemester 2018 keine neuen Studenten mehr aufgenommen und voraussichtlich 2021 wird der Lehrbetrieb eingestellt, so IBS-Gründungsdirektor Thomas Nau. Als einen Grund für die Schließung nennt er auch die absehbaren Turbulenzen durch den Brexit (www.international-business-school.de).

Alle Anbieter internationaler Studiengänge haben gemein, dass sie eng mit Unternehmen aus der Metropolregion Nürnberg zusammenarbeiten. Dennoch wünscht sich Prof. Dr. Kai-Uwe Wellner von der TH Nürnberg, dass die Firmen das Potenzial der international ausgerichteten Studenten noch besser erkennen und noch stärker nutzen.

Autor: 

tt.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 12|2018, Seite 28

 
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