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Kultur- und Kreativwirtschaft

Inventur der Branche

Stellten den Bericht vor: Michael Söndermann (Büro für Kulturwirtschaftsforschung in Köln), Dr. Robert Bartl (Bayern Innovativ), Erlangens Kulturreferentin Anke Steinert-Neuwirth, Nürnbergs Wirtschaftsreferent Dr. Michael Fraas und Oliver Wittmann (Bayernkreativ) (v. l.).

Studie der Europäischen Metropolregion Nürnberg (EMN): Der kreative Sektor entwickelt sich gut.

Die Kultur- und Kreativwirtschaft (KuK) der EMN muss den Vergleich mit anderen Branchen nicht scheuen. Das geht aus einer Studie der Metropolregion Nürnberg hervor, die den Zeitraum 2009 bis 2016 analysiert. Er beleuchtet die Entwicklungen in den elf Teilmärkten der Branche und setzt thematische Schwerpunkte in den Bereichen „Handwerk“, „Frauen“ sowie „Qualifikation und Ausbildung“. Herausgeber des Berichts ist das Bayerische Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft, die Erhebung wurde vom Büro für Kulturwirtschaftsforschung in Köln durchgeführt. Vor neun Jahren wurde der erste vergleichbare Report vorgelegt.

Der aktuelle Bericht zeigt, dass sich die KuK im Beobachtungszeitraum zu einem stabilen und erfolgreichen Zweig entwickelt hat. Im Jahr 2015 erzielten die Unternehmen und Selbstständigen einen Umsatz von 4,2 Mrd. Euro, ähnlich viel wie die Verkehrswirtschaft (4,4 Mrd. Euro Umsatz). Seit 2009 hat die Zahl der kreativen Selbstständigen und Unternehmen um 4,1 Prozent zugenommen, während andere Branchen kein Wachstum oder einen Rückgang verzeichnen mussten, wie z. B. das Gastgewerbe und der Tourismus. Insgesamt arbeiten in der EMN mehr als 62 000 Erwerbstätige in der Kultur- und Kreativwirtschaft. Diese Zahl umfasst Beschäftigte in Kern- und Minibereich der Branche. Zum Kernbereich zählen rund 8 600 Selbstständige und Unternehmen, die über 33 200 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze bieten. Im Mini-Bereich arbeiten rund 6 800 Selbstständige in Nebentätigkeit oder als freie Honorarkräfte. Zusammen mit den geringfügig Beschäftigten (Mini-Jobber) sind in der KuK rund 20 600 Mini-Erwerbstätige beschäftigt.

Während die Zahl der Beschäftigten allein im Jahresvergleich 2015/16 um überdurchschnittliche 4,2 Prozent zugelegt hat, ist die Zahl der Selbstständigen und Unternehmen mit einem Prozent nur leicht gestiegen. Im bundesweiten Vergleich schneidet die EMN unterdurchschnittlich ab, weil einige Teilmärkte zu schwach ausgeprägt sind. So ist z. B. München ein bundesweit bedeutender Buch-, Film- und Rundfunkstandort, der anderen Regionen weit voraus ist.

In Mittelfranken trägt die Designwirtschaft 20 Prozent zur KuK bei und ist damit bezogen auf die Zahl der Betriebe der größte Teilmarkt. Auf Architektur sowie Software und Games entfallen jeweils 15 Prozent der KuK-Unternehmen. Die Werbung kommt als drittgrößter Teilmarkt auf einen Anteil von zwölf Prozent. Den mit Abstand größten Teil aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten stellt mit 31 Prozent die Software- und Games-Industrie. In wirtschaftlicher Hinsicht sind ebenfalls die Software- und Games-Industrie (22 Prozent des Umsatzes) und auch Printmedien (21 Prozent) vorne. Positiv fällt der Umsatz der Musikwirtschaft auf, der in der EMN 15 Prozent ausmacht, jedoch im bundesweiten Vergleich gerade einmal fünf Prozent zum Branchenumsatz beiträgt.

Der Bericht aus dem Jahr 2010 hatte erstmals auf die bereits gut verankerten Teilmärkte der KuK aufmerksam gemacht. Um das Netzwerk nach außen und innen zu stärken, veranstaltet die EMN jährlich Symposien zu den einzelnen Teilmärkten. Daraus entstanden viele Kontakte innerhalb der Szene sowie weitere Arbeitskreise und Projekte. Insgesamt ist das Fazit jedoch: Es ist noch Luft nach oben. Im Vergleich zur Entwicklung der Kultur- und Kreativwirtschaft im gesamten Bundesgebiet sei die KuK der EMN guter Durchschnitt.

Download des Berichts: www.bayern-kreativ.de

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 06|2019, Seite 26

 
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