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Medtec Live

Medizintechnik hautnah

Medtec Live_2019tt_06238 © Thomas Tjiang

Technik zum Bestaunen: Die Medtec Live präsentierte u. a. robotische Assistenzsysteme.

Auf der neuen Messe waren in diesem Jahr zahlreiche Firmen aus Mittelfranken vertreten – ein Rundgang über die Ausstellung.

Premiere im Nürnberger Messeportfolio: Erstmals fand die Fachmesse Medtec Live statt, kombiniert mit dem internationalen Medizintechnik-Kongress Medtech Summit und der neuen Röntgen-Konferenz Carat. Mit über 400 Ausstellern aus 27 Ländern und fast 4 600 Besuchern aus 50 Ländern unterstrich die Veranstaltung ihren internationalen Anspruch und war aus dem Stand heraus Europas zweitgrößte Messe ihrer Art. Sie bildete die ganze Wertschöpfungskette der Medizintechnik ab – von Zulieferern über Hersteller und Inverkehrbringer bis zu nachgelagerten Prozessstufen wie Verpackung.

Der Neuling ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der NürnbergMesse und der britischen Messegesellschaft UBM. Mit der Veranstaltung wurden die bisherige Nürnberger MT-Connect und die ehemalige Stuttgarter Medtec Europe gebündelt und ausgebaut. Ziel ist es, den internationalen Bedarf an einer Medizintechnik-Plattform zu decken. Der Veranstaltungsort passt gut zu bereits vorhandenen Aktivitäten im Großraum. Dazu zählt das Spitzencluster „Medical Valley Europäische Metropolregion Nürnberg“ (EMN) sowie das von der Wissenstransfergesellschaft Bayern Innovativ initiierte Forum Medtech Pharma, das sich auch als ideeller Träger der neuen Messe engagiert.

Unter den zahlreichen mittelfränkischen Ausstellern war beispielsweise die Acad Group GmbH aus Heilsbronn. Der Automotive-Spezialist mit rund 40 Mitarbeitern erschließt sich über seine Geschäftsbereiche Prototyping und Systems auch den Markt für Medizintechnik. So können beispielsweise durch den Prototypen-Bau medizinische Gehäuse mit denjenigen Werkstoffen hergestellt werden, mit denen sie später auch verwendet werden. Die Modelle können auf diese Weise in kleiner Stückzahl produziert und geliefert werden. Kunden, die selbst nur eine Idee und die entsprechende Software haben, werden damit bei der Produktentwicklung für Medizintechnik unterstützt.

Die Adelsdorfer Actronic-Solutions GmbH mit ihren sechs Mitarbeitern wurde im vergangenen Jahr von Volker Löffler durch eine Firmenabspaltung aus der Münchner Maccon-Gruppe gegründet. Im Fokus steht der Vertrieb von elektrischen Aktuatoren, also von Bauelementen, die elektrische Signale in mechanische Bewegungen oder in andere physikalische Größen wie Druck oder Temperatur umsetzen. Dazu gehören u. a. Servomotoren, Schrittmotoren, Dreh- und Hubmagnete sowie die dazugehörigen Ansteuerungen. Die Motoren sorgen beispielsweise für das Öffnen und Schließen eines Beatmungsgeräts.

Bekannter als die Nürnberger GMC-I Messtechnik GmbH ist ihre Marke „Gossen Metrawatt“. Der weltweit aktive Anbieter messtechnischer Systeme mit einer über 100-jährigen Geschichte entwickelt und vertreibt Mess- und Prüftechnik für den Medizinbereich, aber auch für das Elektrohandwerk und die Industrie. Auf der Medtec Live präsentierte das Unternehmen u. a. Geräte, mit denen sich Defibrillatoren und die elektrische Sicherheit von Medizinprodukten prüfen lassen. Als Innovation zeigte GMC-I darüber hinaus Geräte mit antimikrobieller Beschichtung und Apparate mit Lichtmesstechnik, mit denen Bildschirme in der Diagnostik geprüft werden.

Der Aussteller Loew Präzisionsteile GmbH aus Fürth versteht sich als klassischer Zulieferer für die Medizintechnik, aber auch für Branchen wie Automotive, Luftfahrt oder Energie. Aktuell werden mit 50 Mitarbeitern im Drei-Schicht-Betrieb komplexe Dreh- oder Frästeile auch in Klein- und Mittelserien gefertigt. Die Oberflächen lassen sich je nach Einsatz und Anwendung nahezu beliebig veredeln. Geschäftsführer Harald Hufnagel beteiligt sich zudem zunehmend am Entwicklungsprozess seiner Kunden, damit diese schneller am Markt sind oder die Fertigungsqualität erhöhen.

Die Medicro GmbH aus Petersaurach ist ein international tätiges Auftragsforschungsinstitut und Beratungsunternehmen. Das siebenköpfige Team berät beispielsweise bei der Studienplanung für Arzneimittel in der klinischen Forschung oder führt sogenannte Postmarket-Studien durch. Dabei wird der Nachweis geführt, dass ein Medizinprodukt wie ein Rollstuhl in der Praxis sicher und leistungsfähig ist. Angesichts der neuen EU-Verordnungen für Medizinprodukte werden auch Hersteller über verstärkte Anforderungen beraten. 

Von Kalchreuth aus bedient die Modenplast GmbH mit einem vierköpfigen Team den nordeuropäischen Markt. Vertrieben werden Schläuche für die medizinische Anwendung, etwa für Infusionen oder Dialyse. Der deutsche Standort ist eine Tochter der italienischen Modenplast Medical, die die Schläuche aus selbstentwickelten Kunststoffen produziert. Es werden aber auch Entwicklungen von Kunden umgesetzt. Modenplast gehört zu den drei bis vier internationalen Herstellern in diesem Spezialmarkt.

Unter den Ausstellern auf dem Sonderstand „Innovation Market Place“ informierte das Nürnberger Start-Up Munevo GmbH über ihre Smartglass-Applikation, mit der Patienten den eigenen Rollstuhl durch Kopfbewegungen lenken können. Mit der Spezialbrille und einem Adapter lasse sich jeder Elektrorollstuhl steuern, berichtet Gründer Claudiu Leverenz. Auf diese Weise können sich Menschen mit Querschnittslähmung, Multipler Sklerose oder Parkinson ihre Mobilität erhalten. Nach der Zulassung haben bereits erste Krankenkassen die Kosten für die Innovation übernommen. 

Das von Nürnberg in das Erlanger Medical Valley Center umgezogene Jungunternehmen Portabiles Healthcare Technologies GmbH tüftelt an Sensoren in Schuhen, mit denen analysiert wird, ob sich der Gang von Patienten verschlechtert hat. Denn dies gilt als ein Kardinalsymptom beispielsweise bei neurologischen, geriatrischen oder orthopädischen Erkrankungen. Das Projekt mit dem Namen „Mobile Gaitlab“ soll hier eine bessere Diagnose und Therapie ermöglichen. Mediziner können über die Gangparameter auch die Wirksamkeit ihrer Medikation überprüfen. 

Die Ansbacher Senetics Healthcare Group GmbH & Co. KG präsentierte sich den Fachbesuchern als Dienstleister für Medizinprodukte. Unter der Prämisse eines „One-Stop-Shop“ werden Ideen der Kunden bis zur Markteinführung begleitet. Neben Produktentwicklung und Prototypenbau nimmt das hauseigene Prüflabor etwa die zulassungsrelevanten Tests vor und stellt die Verträglichkeit für Menschen sicher. Gut 20 Mitarbeiter sind in interdisziplinären Teams beschäftigt, die für Kunden mögliche Wachstumspotenziale in der Gesundheitsbranche identifizieren.

Die Solectrix GmbH aus Fürth entwickelt mit rund 100 Beschäftigten Systeme und Module aus den Komponenten Elektronik, Software und Mechanik. Diese Lösungen finden in der Medizin genauso Eingang wie in Industrie oder Automotive. Auf der Medtec Live war beispielsweise für die Medizintechnik eine Mikroskopie-Lösung zu sehen, die mit einem digitalen 3D-Kamerasystem und einem hoch auflösenden 4K-Monitor arbeitet. Außerdem können Hersteller medizinischer Teststreifen auf ein tragbares Gerät von Solectrix zurückgreifen, um etwa den Blutzucker zu bestimmen. Neuerdings ist die Zulassung der Teststreifen mit dem Auswertungsgerät verknüpft. 

Die Nürnberger Winicker Norimed GmbH mit ihren gut 130 Mitarbeitern ist ein unabhängiges Auftragsforschungsinstitut. Für neue Produkte wie Zahnimplantate oder für die Rezertifizierung von Arzneimitteln wird der gesamte Prozess von der Planung über die Feldphase und die Auswertung bis zum Abschlussbericht gemäß den entsprechenden Standards abgebildet. Das Unternehmen mit Büros in München und Berlin ist u. a. in den Sparten Arzneimittel, Medizinprodukte und Nahrungsergänzungsmittel aktiv. 

Unter den weiteren Ausstellern auf der Medtec Live fanden sich auch vier ehemalige IHK-Gründerpreisträger. Dazu zählt die Erlanger Corscience GmbH & Co. KG, ein Entwicklungsdienstleister in den Bereichen Elektrostimulation und Monitoring, Beatmung und Gasanalyse sowie Mobile Health. Die Erlanger Evosys Laser GmbH ist auf das Laserschweißen von Kunststoffen spezialisiert – ein Verfahren, das auch in der Medizintechnik Anwendung findet. Die Intego GmbH, ebenfalls aus Erlangen, hat einen Schwerpunkt in der Fertigung von Solarwafern, -zellen und -modulen für die Medizintechnik. Die Ottensooser Photon Energy GmbH legt ihren Fokus auf Laserstrahlquellen für die industrielle Lasermaterialbearbeitung und für Lasermarkieranlagen. 

Autor: 

(tt.)

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 06|2019, Seite 72

 
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