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Editorial

Vernetztes Denken

Kaum ein Begriff wird derzeit in öffentlichen Reden und Diskussionen so inflationär und meistens inhaltsleer verwendet wie „Digitalisierung“.

Dabei begann das „Zeitalter der Digitalisierung“ spätestens in den 1940er Jahren, der Innovationstreiber hieß Konrad Zuse. Der längst vergessene Lochstreifen war sein digitales Eingabemedium. Was also ist neu?

Es sind Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit: exponentiell steigende Rechnerleistung und schier unbegrenzte Speicherkapazität, beides zu immer günstigeren Preisen. Die eigentliche Herausforderung aber heißt nicht Digitalisierung, sondern Vernetzung. Diskutierte man noch vor Kurzem, ob wirklich „alles“ digital würde, geht es heute vorwiegend um die Vernetzung digitaler Systeme. Und schon morgen werden vernetzte digitale Systeme sich autonom und selbstlernend steuern.

Was bedeutet das für den Faktor Mensch im Betrieb – ersetzt Künstliche Intelligenz mehr und mehr unser Gehirn? Ich meine, es kommt künftig umso mehr darauf an, die typisch menschlichen Fähigkeiten zu entwickeln und einzusetzen: Denken in komplexen Zusammenhängen, effiziente Kommunikation, Prozessplanung bis zum gewünschten Endergebnis, vor allem aber Empathie und Respekt vor Kollegen. Nach wie vor ist Projektmanagement die Schwachstelle aller Digitalisierungsvorhaben.

Wie sagte einst der geachtete Deutschbanker Alfred Herrhausen: „Die meisten Probleme entstehen dadurch, dass Dinge nicht zu Ende gedacht werden.“ Das heute viel beschworene „Zeitalter der Digitalisierung“ war damals noch in weiter Ferne, Herrhausen aber war seiner Zeit weit voraus.

Autor: 

IHK-Präsident Dirk von Vopelius

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 07|2019, Seite 3

 
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