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Asien-Pazifik-Forum Bayern

Let‘s go east!

Japan war das diesjährige Partnerland des Asien-Pazifik-Forums.

Die Gewichte der Weltwirtschaft verschieben sich Richtung Asien. Wie können bayerische Unternehmen am Wachstum teilhaben?

Geschäftliche Chancen in Asien ausloten und mit Außenwirtschaftsexperten ins Gespräch kommen: Diese Möglichkeit bot wieder das Asien-Pazifik-Forum Bayern, das zum 14. Mal vom Bayerischen Wirtschaftsministerium, vom Außenwirtschaftszentrum Bayern (AWZ) und den bayerischen IHKs organisiert worden war. Das Programm mit Kurzvorträgen und Podiumsdiskussionen deckte eine große Bandbreite ab, u. a. Künstliche Intelligenz in Asien, Vorstellung aufstrebender Wirtschaftsregionen in China, Thailand, Philippinen und Malaysia sowie Erfahrungsberichte von bayerischen Unternehmen, die in Asien gute Geschäfte machen. Vertreter von 16 deutschen Auslandshandelskammern (AHK) in Asien standen den Kongressbesuchern zu Einzelgesprächen zur Verfügung, um konkrete Frage des Asien-Geschäfts zu klären. Besonders stark nachgefragt waren die Experten der AHKs von China, Korea und Japan, das in diesem Jahr das Partnerland des Kongresses war. Insgesamt standen 521 Gesprächswünsche auf der Agenda.

IHK-Präsident Dirk von Vopelius begrüßte die 430 Vertreter von Unternehmen, Politik und Verbänden zu dem Kongress in der Stadthalle Fürth, der erstmals 2002 auf Initiative der IHK Nürnberg für Mittelfranken stattfand. Mit Blick auf das gigantische chinesische Infrastrukturprojekt Seidenstraße (Belt and Road-Initiative) und den rasanten digitalen Wandel in Asien rief von Vopelius die Unternehmensvertreter dazu auf, die „Landkarte der neuen analogen und digitalen Autobahnen“ genau zu studieren. Asien-Pazifik sei die am schnellsten wachsende Region der Welt: Seit den 1990er Jahren habe sich das Bruttoinlandsprodukt mehr als verdreifacht, das von China sogar verneunfacht.

Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Roland Weigert hob die Bedeutung von Freihandelsabkommen hervor und beklagte den Protektionismus, der in wichtigen Märkten der bayerischen Wirtschaft um sich greife. Weigert nannte die USA und China zwar nicht explizit, sprach aber von einer „gewissen destruktiven Dynamik“, die sich nach einer „Logik der Selbstverstümmelung“ mit Zoll, Gegenzoll und Gegen-Gegenzoll vollziehe. Mit Blick auf das diesjährige Kongress-Partnerland Japan unterstrich Weigert die Bedeutung des Landes für die bayerische Wirtschaft, nach China sei es der zweitwichtigste Handelspartner in Fernost. Ein Baustein für diesen Erfolg sei die bayerische Repräsentanz in Japan, die bereits vor mehr als 30 Jahren eröffnet wurde.

Allerdings gebe es bei der deutsch-japanischen Zusammenarbeit noch Luft nach oben, erklärte Masayoshi Watanabe, Generaldirektor der japanischen Außenhandelsorganisation Jetro (Japan External Trade Organization) in Düsseldorf. Das gelte gerade mit Blick auf die kommenden Großereignisse, die von Japan ausgerichtet werden, etwa die Olympischen Spiele und die Paralympics in Tokio 2020 sowie die Weltausstellung Expo 2025 in Osaka. Innovative Technologieunternehmen wies er auf die japanische „Regulierungs-Sandbox“ hin, mit der sich Verwaltungsvorgänge beim Markteintritt schneller als früher erledigen ließen. Die japanische Regierung fördere Hochtechnologien intensiv, beispielsweise unter dem Schlagwort „Society 5.0“ – also digitale Technologien wie Augmented Reality oder Virtual Reality, die auch das Alltagsleben durchdringen und nicht zuletzt die demografische Entwicklung des Landes abfedern sollen. Eine gute Nachricht brachte Watanabe der bayerischen Wirtschaft mit: Das Jetro-Büro in München, das aus Kostengründen geschlossen worden war, soll im März 2020 wiedereröffnet werden.

Der Maschinenbauer DMG Mori gilt als ein Beispiel für eine deutsch-japanische Erfolgsgeschichte: Die Gruppe wurde aus dem deutschen Unternehmen Gildemeister und dem japanischen Konzern Mori Seiki durch Überkreuzbeteiligungen geschmiedet. Irene Bader, die das globale Marketing des Unternehmens mit seinen weltweit 12 000 Mitarbeitern verantwortet, berichtete von den erfolgreichen Aktivitäten, um die Stärken beider Kulturen für die Unternehmensentwicklung zu nutzen.

Die Firma Micro-Epsilon Messtechnik aus Ortenburg sieht sich mit Sensortechnik gut gerüstet für den technikverliebten japanischen Markt, wo autonomes Fahren und autonome Robotik schon weit fortgeschritten sind. Sensoren seien die Augen und Ohren der Industrie 4.0, aber auch für die Society 5.0, die auf einen durchdigitalisierten Alltag mit umfangreichen Online-Services abzielt. Hilfreich beim Japan-Geschäft sei die Niederlassung vor Ort und ein ähnliches Verständnis vom Datenschutz in beiden Ländern.

Sehr erfolgreich in Asien ist die weltweit tätige Weatherdock AG aus Nürnberg, die auf elektronische Produkte, Empfangsgeräte und Sicherheitslösungen für die Schifffahrt spezialisiert ist und bereits mehrfach ausgezeichnet wurde (u. a. IHK-Gründerpreis, Exportpreis Bayern). Nach Worten von Gründer und Vorstand Alfred Kotouczek-Zeise startet das Unternehmen stets mit einem lokalen Partner in ein neues Land und nutzt zur Marktanalyse und bei der Suche nach geeigneten Distributoren beispielsweise auch das Know-how der Auslandshandelskammern.

Die Bayreuther Hörtig Rohrpost GmbH hatte Anfang der 1990er Jahre zunächst vergeblich versucht, in China Fuß zu fassen. Das gelang erst einige Jahre später, mittlerweile sei China der wichtigste Markt. Seit 2004 beteiligt sich Hörtig Rohrpost regelmäßig an den Auslandsmesseständen des Freistaats Bayern in China. Das habe einerseits für einen Reputationsgewinn gesorgt, andererseits seien die Gemeinschaftsstände eine wichtige Plattform, um Messebesucher aus anderen asiatischen Ländern anzusprechen.

Neue Hotspots in Asien

Neu auf dem Asien-Pazifik-Forum war das Panel „New Hotspots in Asia“: Marktkenner berichteten über das Entstehen neuer Wirtschaftskorridore und Städte, allen voran die sogenannte „Greater Bay Area“ im südchinesischen Perlfluss-Delta, die auch Hongkong und Macau umfasst und in Konkurrenz zum Silicon Valley treten will. In Thailand entsteht mit dem „Eastern Economic Corridor“ eine neue Industrieregion, wo allein 1 000 japanische Firmen investieren wollen. Auf den Philippinen wird 140 Kilometer von Manila entfernt die „New Clark City“ mit einem internationalen Flughafen gebaut, um die Hauptstadt zu entlasten.

Den Stellenwert des Asien-Pazifik-Forums unterstrichen die Delegationen und Institutionen aus China, Hongkong, Indonesien, Japan, Malaysia, Philippinen und Thailand. Im Foyer gab es eine begleitende Ausstellung, bei der 30 Unternehmen und Institutionen ihre außenwirtschaftlichen Dienstleistungen für das Asien-Geschäft vorstellten.

Autor: 

tt.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 09|2019, Seite 30

 
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