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NürnbergMesse

Re-Start der Messewirtschaft

20190811_Halle3C_0168cs_NM_Heiko Stahl © NuernbergMesse/ Heiko Stahl

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren – auch für neue hybride und digitale Veranstaltungskonzepte.

Ende Mai sendete die Bayerische Staatsregierung ein wichtiges Signal, das für den Mittelstand insgesamt die Chancen auf Umsätze und neue Geschäftskontakte erhöht: Messen und Kongresse sind ab 1. September 2020 wieder möglich – vorausgesetzt natürlich, dass die Infektionszahlen landesweit auf niedrigem Niveau verbleiben und gleichzeitig hohe Hygiene- und Sicherheitsstandards eingehalten werden. Damit endet eine schmerzhafte Zeit, in der nicht nur die internationalen Messegesellschaften wie die NürnbergMesse mit massiven Einbußen zu kämpfen hatten. Denn verbunden mit der Wertschöpfung von Veranstaltungen im Messezentrum Nürnberg sind eine Vielzahl von Branchen – angefangen von Messestandbauunternehmen, Dienstleistern aus den Bereichen Veranstaltungstechnik, Sicherheit und Catering bis hin zur Hotellerie und Gastronomie. Messen und Kongresse in Nürnberg sind nachweislich ein sehr umfangreicher Wirtschaftsfaktor, der laut Ifo-Institut jährlich Kaufkrafteffekte von deutschlandweit rund 1,6 Mrd. Euro erzeugt.

Dieser Wirtschaftsmotor kam Mitte März komplett zum Stillstand. Nach einem dynamischen Start in ein verheißungsvolles Messejahr 2020 mit Spielwarenmesse, Biofach, Vivaness und Perimeter Protection setzte die Weltleitmesse für Embedded-Systeme, Embedded World, vorerst den Schlussstrich im Messezentrum. Über 31 Veranstaltungen musste die NürnbergMesse Group daraufhin weltweit verschieben oder absagen, 19 davon in Nürnberg. Die finanziellen Einbußen durch Terminverschiebungen und -absagen sind enorm. Und dennoch: Die unvorhersehbare Corona-Krise bietet auch Chancen, betont Messe-CEO Peter Ottmann. Die Krise habe die NürnbergMesse zum bestmöglichen Zeitpunkt erwischt. Denn nach einem "goldenen Messejahrzehnt", in dem ein Umsatzrekord dem nächsten folgte, habe die Messegesellschaft entsprechende Reserven gebildet und gemeinsam mit den Gesellschaftern ihr Eigenkapital aufgebaut. Die Schulden befinden sich auf einem historischen Tiefstand.

Sicher durch die Krise

Um die Liquidität des Unternehmens weiter zu sichern, gelte es, Kosten zu reduzieren und Ausgaben einzusparen. So hat die NürnbergMesse Großinvestitionen wie beispielsweise den Baubeginn für das geplante Kongresszentrum NCC Süd (Investition von rund 300 Mio. Euro) von 2021 auf 2024/2025 verschoben. Ebenso in die Zukunft verschoben ist das Bauvorhaben eines neuen Bürogebäudes für rund 400 Mitarbeiter am Standort Nürnberg. Zur Kosteneinsparung wendet die NürnbergMesse zum ersten Mal in ihrer Firmengeschichte zudem das Instrument der Kurzarbeit an. Rund 50 Prozent der Belegschaft leisten im Juli mit einer verkürzten Arbeitszeit einen wichtigen Beitrag für das Unternehmen. "Mit der Disziplin und Kreativität unserer Mitarbeiter und den verschiedenen Mitteln der Kosteneinsparung steuern wir die NürnbergMesse sicher durch die Krise", so Messe-CEO Dr. Roland Fleck.

Während die NürnbergMesse unternehmerisch wetterfest gemacht wurde, kümmerte sich an anderer Stelle das Team um die Veranstaltungsangebote für die Zeit nach dem Lockdown. Konkret ging es um die Messe-Hochkaräter des zweiten Halbjahres wie MedtecLive, GaLaBau und it-sa. Für jede dieser Veranstaltungen wurde ein ganz individuelles Konzept entworfen – genau angepasst an die Bedarfe von Kunden und Fachverbänden.

So traf sich die Medizintechnik-Community erstmals für drei Tage im Netz. Vom klassischen Zulieferer über Forschungsgruppen und Start-ups bis hin zu Herstellern tauschten sich alle Akteure der europäischen Medizintechnik-Branche auf einer gemeinsamen Online-Plattform aus. Auch zur GaLaBau erarbeitet die NürnbergMesse im engen Austausch mit ihren Kunden ein Alternativkonzept. Für die Aussteller und Besucher der führenden IT-Sicherheitsmesse it-sa startet ab 6. Oktober "it-sa 365". Das digitale Dialogformat bietet der Branche die Möglichkeit, sich auf smarte Weise zu vernetzen. Außerdem sollen geplante Elemente des Rahmen- und Forenprogramms der it-sa erstmals in virtueller Form stattfinden.

Oberste Priorität: Sicherheit

Bei aller Spannung auf die neuen Messeformate gilt auch weiterhin: Oberste Priorität hat für die NürnbergMesse die Sicherheit und Gesundheit ihrer Aussteller, Besucher und Mitarbeiter. Deshalb entwickelt sie aktuell Abstands- und Hygienekonzepte – zugeschnitten auf die einzelnen Veranstaltungen und angepasst an die rechtlichen Rahmenbedingungen Bayerns. Und was vor Corona galt, gilt danach umso mehr: Die Standards der medizinischen Versorgung im Messezentrum Nürnberg sind sehr hoch. Zentrales Element ist ein bewährtes Notfallmanagement, dessen Fäden in der zentralen "Security Control Unit" (SCU) zusammenlaufen. In dieser Sicherheitszentrale sind während der Veranstaltungen Polizei, Feuerwehr, das Deutsche Rote Kreuz sowie die Sicherheits- und Ordnungsdienste platziert.

Die Krise als Innovationsbeschleuniger

Die Corona-Pandemie hat sich auch bei der NürnbergMesse als Beschleuniger der digitalen Unternehmens-Transformation entwickelt. Wichtige, vor der Pandemie eingeleitete Schritte würden nun noch entschlossener angegangen. So nutzten Aussteller und Besucher bereits vor den Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen die digitalen Plattformen der NürnbergMesse zum Wissensaustausch und Netzwerken.

Beispielsweise trifft sich die Druckgussbranche auf der Euroguss in Nürnberg und tauscht sich auf der Digitalplattform www.spotlightmetal.com über neueste Entwicklungen in der Branche aus. Gleiches gilt für die Verpackungsindustrie, die neben der FachPack in Nürnberg auch das digitale Portal www.packaging-360.com nutzt.

In Zukunft sollen weitere hybride und digitale Angebote für Aussteller und Besucher entstehen, daran arbeitet der neu geschaffene Geschäftsbereich "Corporate & Digital Development". Dabei gehe es nicht um ein "Entweder-oder" von Analog und Digital, betonen die Messemacher. Vielmehr wolle man das reale Messeerlebnis mit digitalen Erweiterungen intelligent verknüpfen. Messen sollen künftig analoge Plattform bleiben, die zunehmend durch Produktpräsentationen, Netzwerke und Wissensplattformen in digitaler Form ergänzt werden.

Ziel der Messegesellschaft ist es, mit den Online-Erweiterungen der Messeveranstaltungen einen echten Mehrwert für die Kunden zu schaffen. Zum einen für diejenigen, die wegen der aktuellen Situation nicht vor Ort an der Messe teilnehmen können, und zum anderen für die Kunden, die auch vor oder nach der Messe mit ihrer Branche in Kontakt bleiben wollen. Im Ergebnis sollen sich "online" und "onsite" bestmöglich ergänzen.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 07|2020, Seite 22

 
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