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IHK-Report

Wie steht es um den Industrie-Standort?

Der Hafen Fürth am Main-Donau-Kanal.

Aktueller IHK-Report zum Industrie-Standort: Unternehmen kritisieren Defizite bei Breitband und Fachkräfte-Potenzial.

Die deutschen Industrie- und Handelskammern hatten im Februar und März dieses Jahres rund 1 800 Unternehmen zur Wettbewerbsfähigkeit des Industrie-Standorts Deutschland befragt. Die Einschätzungen der fast 200 teilnehmenden Unternehmen aus Mittelfranken wurden von der Nürnberger IHK im „IHK-Industrie-Report Mittelfranken 2020“ zusammenfassend bewertet.

Die aktuelle Wirtschaftspolitik im Bund und im Freistaat erhält von den mittelfränkischen In-
dustrieunternehmen im Schnitt die Schulnote 3,9 bzw. 2,8 – eine deutliche Verschlechterung bei der Bundespolitik und eine leichte Verschlechterung im Freistaat gegenüber der Befragung von 2017 (damals Bund 3,0 und Freistaat 2,6).

Spürbare Rückschritte gab es bei der Einschätzung darüber, ob Deutschland bei einzelnen Standortfaktoren im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig sei – fast alle Standortfaktoren werden schlechter beurteilt als vor drei Jahren. Insbesondere die Aspekte Umweltschutzauflagen (minus 0,4 Punkte), Verfügbarkeit und Qualifikation von Fachkräften (jeweils minus 0,3 Punkte), Image der Industrie sowie Einstellung der Bevölkerung zur Technik (jeweils minus 0,3 Punkte) und Verfügbarkeit von digitaler Infrastruktur (minus 0,3 Punkte) wurden schlechter bewertet. Leicht verbessert hat sich allein die Einschätzung der Industriebetriebe beim Aspekt „staatliche Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ (plus 0,3 Punkte).

Auf die Frage nach den wichtigsten Investitionshemmnissen wurden am häufigsten folgende Faktoren genannt: Fülle und Verständlichkeit von bürokratischen Auflagen (Schulnote 4,8), Dauer und Komplexität von Genehmigungsverfahren (Note 4,8) sowie Komplexität des Steuerrechts (Note 4,4).

Energiekosten und Umweltauflagen: Die Höhe der Energiekosten in Deutschland treibt immer mehr mittelfränkische Industriebetriebe um – auch die kleinen und mittleren sowie die weniger energieintensiven Unternehmen. Dieser Standortfaktor ist deshalb in der Umfrage auf einem der hinteren Plätze gelandet und wird nur noch mit der Note 4,3 bewertet (minus 0,4 Punkte im Vergleich zu 2017). Auch bei den Umweltschutzauflagen hat sich die Note deutlich verschlechtert (von 3,3 auf 3,7): Die Unternehmen halten Umweltschutzauflagen für grundsätzlich sinnvoll, kritisieren aber die Vielzahl und Komplexität neuer Regelungen. Diese hätten teilweise einen hohen Verwaltungsaufwand und zahlreiche Meldepflichten mit sich gebracht. Beispiele sind die Neuregelungen für Umweltverträglichkeitsprüfungen, Störfallbetriebe oder Einwegkunststoffe sowie das neue Verpackungsgesetz und die Gewerbeabfallverordnung.

Das Umfeld für Innovationen wird erneut über alle Brachen nur als befriedigend (3,2) erachtet. Nur die Branchen Medizintechnik und Kunststoffindustrie beurteilen das Innovationsumfeld mit 2,6 besser als vor drei Jahren. Ein positiver Aspekt ist, dass nach jahrzehntelanger Diskussion zum 1. Januar 2020 die steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung endlich eingeführt wurde. Sie wurde seit Langem von der IHK-Organisation gefordert, die darin eine wichtige Ergänzung zur bewährten Projektförderung sieht, um die Innovationsaktivitäten der Unternehmen zu stimulieren.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 09|2020, Seite 22

 
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