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IHK-Arbeitskreis Immobilienwirtschaft

Auf Argumenten aufbauen

Flächenpolitik, Bauplanung, Genehmigungsverfahren: Der IHK-Arbeitskreis bringt sich in die politische Diskussion ein.

Bauindustrie und Immobilienwirtschaft stehen vor großen Herausforderungen. Folgende Themen dürften nach Auffassung des IHK-Arbeitskreises Immobilienwirtschaft die größten Auswirkungen auf die Branche haben: Klimawandel und Nachhaltigkeit, Mangel an Wohn- und Gewerbeflächen, Einsparen von Flächen, Stärkung der Innenstädte und Ortszentren sowie Digitalisierung und veränderte Arbeitswelten. Der IHK-Arbeitskreis, der im Jahr 2017 ins Leben gerufen wurde, setzt deshalb aktuell Schwerpunkte auf diese Themen:

Flächenpolitik: Flächen für Wohnen und Gewerbe sind knapp und begehrt. Wie lassen sich die unterschiedlichen Interessen in Einklang bringen mit einer nachhaltigen Flächenpolitik? Diese Frage beschäftigt die Experten des IHK-Arbeitskreises besonders, denn auch in Mittelfranken sorgen steigende Bevölkerungszahlen, Wohnungsbau, Ausbau der Infrastruktur und das Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre für einen wachsenden Flächenbedarf. Angefacht wurde die Diskussion um die Zukunft der Flächenpolitik im vergangenen Jahr durch die „Flächenspar-Offensive“, die von der Bayerischen Staatsregierung beschlossen wurde. Darin wurden auch quantitative Obergrenzen für die Flächenausweisung ins Spiel gebracht. Die Mitglieder des IHK-Arbeitskreises sind sich einig, dass dies keine wirtschaftsverträgliche Lösung sein könne. Obergrenzen würden nicht nur die kommunale Planungshoheit in Frage stellen, sondern auch die bedarfsgerechte und flexible Ausweisung von Flächen erschweren. Für die Unternehmen würden sie bedeuten, dass sie ihren Flächenbedarf nicht mehr schnell an neue Marktsituationen anpassen können.

Der Arbeitskreis beschäftigt sich mit zahlreichen Facetten der Flächenpolitik. Einige der Themen: Verfügbarkeit von Industrie- und Logistikflächen („Masterplan Logistik“), Nachverdichtung von Bestandsflächen, Vereinbarkeit von Wohnen und Gewerbe, Möglichkeiten durch neue Gebietstypen (z. B. „Urbanes Gebiet“) und interkommunale Zusammenarbeit bei der Ausweisung von Gewerbegebieten.

Planungsprozesse optimieren: Der Arbeitskreis setzt sich dafür ein, Planungsprozesse effizienter zu gestalten. Insbesondere will er auch ein Bewusstsein dafür schaffen, welche Faktoren zum Gelingen von Planungsprozessen beitragen. „Kommunikation ist der Schlüssel zum Erfolg“, so Martina Stengel, Expertin für Raumplanung und Standortberatung bei der IHK, die die Aktivitäten des Arbeitskreises koordiniert. „Tragfähige Lösungen entstehen nur im Dialog aller, die am Planungsprozess beteiligt sind.“ Planung müsse auch als schrittweiser Prozess aufgefasst werden: Eine Annäherung an eine Lösung erfolge durch ein Abwägen von Interessen im Planungsverlauf. Dabei sollten die Planungsschritte so definiert werden, dass sich in jeder Etappe der Schnittmenge aller Interessen aller Verfahrensbeteiligten finden lässt. Konflikte mit Grundstückseigentümern, Anliegern und Interessensgruppen ließen sich nur in einem transparenten Verfahren lösen. Der Arbeitskreis will für die Bedeutung dieser Aspekte durch Veranstaltungen, Positionspapiere und Fachgespräche sensibilisieren.

Genehmigungsverfahren verbessern: Wer bauen will, braucht eine Genehmigung. Der IHK-Arbeitskreis sieht in diesem Bereich Handlungsbedarf sowohl bei der Wirtschaft als auch bei den Behörden: Viele Unternehmen wünschen sich von den Kommunen mehr Klarheit über die Entscheidungswege und die benötigten Unterlagen in einem Genehmigungsprozess. Dagegen bemängeln die Kommunen oft, dass die Kontaktaufnahme durch die Unternehmen zu spät erfolgt und dass unvollständige oder unzureichende Unterlagen eingereicht werden. Bei frühzeitiger Abstimmung ließen sich viele mögliche Streitpunkte schon im Vorfeld ausräumen. Der Arbeitskreis hat deshalb ein Merkblatt erarbeitet, das Unternehmen als Orientierungshilfe bei der Beantragung von Bauvorhaben dienen soll (www.ihk-nuernberg.de/merkblatt-bauantraege).

Erfahrungsaustausch „Planen und Bauen“: Der Arbeitskreis plant derzeit ein neues Veranstaltungsformat, bei dem sich Interessenten in kleineren Gruppen über die Themen Planen und Bauen austauschen können. Das Verfahren: Unternehmen können sich bei der IHK melden und praktische Fragen aus der Immobilienwirtschaft vorbringen, bei denen sie grundsätzlichen Handlungsbedarf sehen oder über die sie Erfahrungen mit anderen Branchenexperten austauschen möchten. Die IHK organisiert das jeweilige Forum für den Erfahrungsaustausch, die Ergebnisse sollen dann in die Diskussion mit Politik und Verwaltung eingebracht werden.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 09|2020, Seite 116

 
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