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Nivona

Maschinen für die „schwarze Droge“

Nivona © IHK Nürnberg für Mittelfranken

Geschäftsführer Peter Wildner wartet auf einen frischgebrühten Kaffee aus einer Nivona-Maschine.

Mit seinen Kaffeevollautomaten spielt das Nürnberger Unternehmen in einer Liga mit den Traditionsmarken.

Wie eine Ahnengalerie sieht die Vitrine aus, die bei der Nivona Apparate GmbH im Eingangsbereich zu den Büroräumen steht. Sie zeigt der Reihe nach, wie sich die Kaffeevollautomaten seit der Gründung des Nürnberger Unternehmens im Jahr 2005 entwickelt haben. Früher befand sich an dieser Stelle der Empfangsbereich für die Kunden, die ihre Maschinen zur Reparatur brachten. Nun geht man dafür ein paar Meter weiter den Gang entlang um die Ecke und biegt in die Service-Annahmestelle ein. Viele Geräte stehen dort nicht im Regal, auch nicht in der Werkstatt – für Geschäftsführer Peter Wildner ein Zeichen, dass die Qualität der Nivona-Produkte stimmt. Gleich nebenan gelangt man in den Schulungsraum, dort stehen die aktuellen Modelle, die mit ihren neuen Funktionen darauf warten, den Händlern präsentiert zu werden. Wildner startet eine der Kaffeemaschinen, die kurz darauf eine Tasse mit dem dunklen Heißgetränk und karamellbrauner Crema obendrauf füllt – die „schwarze Droge“, wie er den Wachmacher mit einem Schmunzeln nennt.

„Zu Beginn wurden wir erstmal belächelt“, sagt er über die Anfänge des Unternehmens. Die Idee zur Firmengründung kam ihm und seinen beiden damaligen Mitgründern Thomas Meier und Hans Errmann im Herbst 2004. Die drei, die zuvor Kollegen beim Hausgerätehersteller Electrolux gewesen waren, entwickelten ein Geschäftskonzept und schon ein Vierteljahr später, Anfang 2005, war die Firma gegründet. Noch ein paar Monate später, im Mai, wurden schon die ersten Geräte geliefert. Möglich wurde das, weil die Nivona-Pioniere auf Basis-Modelle von Eugster Frismag, einem Schweizer Hersteller von Haushaltsgeräten, zurückgreifen und diese nach ihren eigenen Vorstellungen anpassen konnten. Die Eidgenossen produzieren auch heute noch die Geräte für Nivona. Mit der Anlieferung der ersten Generation von Vollautomaten mussten die Gründer dann noch die Frage klären, wie sie ihre Produkte unters Volk bringen. Sie entschieden sich für die Strategie, die Kaffeemaschinen ausschließlich über den Fachhandel zu vertreiben. „Wir haben unseren Fachhändlern gesagt, dass sie sie als Geheimtipp verkaufen sollen“, berichtet der Nivona-Chef. So habe man das Unternehmen in den vergangenen 15 Jahren in einer Marktnische positioniert und in eine Reihe mit Traditionsmarken wie Delonghi und dem Lokalwettbewerber Jura aufrücken lassen.

Fachhandel als Geschäftsstrategie

Die Strategie, den Vertrieb über den Fachhandel laufen zu lassen, soll auch künftig beibehalten werden, auch wenn sich letzterer in nächster Zeit wandeln wird, wie Wildner vermutet: „Der Internet-Handel war zur Zeit unserer Gründung vor 15 Jahren natürlich noch nicht so präsent“. Er schätzt, dass im Bereich der Kaffeevollautomaten künftig der hybride Handel, also die Kombination aus Online- und Ladenverkauf, zunehmen werde. Zudem vertreiben auch verstärkt Kaffeehändler die Geräte, die sonst eigentlich nichts mit Elektrogeräten zu tun haben. Dass der Fachhandel aussterben wird, glaubt Wildner aber nicht. Das habe sich auch in der Corona-Krise gezeigt: In der Zeit des Lockdowns hätten die Kunden gemerkt, dass ihnen ohne persönliche Fachberatung doch etwas fehlt.

Mit Blick auf die bisherigen Monate der Pandemie fällt die Bilanz bei Nivona eher positiv aus, die Krise habe sich nicht negativ ausgewirkt, berichtet Wildner. Er führt dies auf den Effekt des „Cocooning“ zurück, also den Trend zum Häuslichen, der sich mit Beginn der Corona-Krise eingestellt hat: Als die Leute verstärkt ins Homeoffice gingen, hätten sie ihren heimischen Arbeitsplatz mit den Kaffeevollautomaten aus Nürnberg nachgerüstet. Deshalb läuft das Geschäft trotz Corona gut, fast etwas zu gut, wie der Nivona-Chef vorsichtig zu bedenken gibt. Man wolle die Umsatzmarke von 50 Mio. Euro knacken, nachdem 2019 rund 45 Mio. Euro erreicht wurden. Immerhin war für die Beschäftigten keine Kurzarbeit erforderlich, beziehungsweise konnte diese nach zwei Tagen schon wieder abgeblasen werden. Zwar konnten die Außendienstmitarbeiter vorübergehend nicht ihrem gewohnten Geschäft nachgehen, jedoch habe man mit rollierender Besetzung im Haus und digitaler Teamarbeit die Lockdown-Zeit gut überstanden. Aktuell arbeiten rund 60 Beschäftigte für Nivona, wobei der vielbesagte Fachkräftemangel aktuell kein Thema ist – denn die Rekrutierung läuft meist über die Belegschaft selbst, per „Empfehlungsmarketing“, so Wildner.

Mit Vorlauf Trends aufspüren

In den nächsten Jahren möchte der Firmenchef den bisherigen Kurs beibehalten und weiter moderat wachsen. Gleichzeitig komme es wie bei allen Produktentwicklern darauf an, den richtigen Riecher für die Trends der nächsten Jahre zu haben. Bei den Kaffeevollautomaten beträgt die durchschnittliche Entwicklungszeit etwa drei Jahre, daher wird aktuell schon an den Geräten gearbeitet, die 2023 auf den Markt kommen sollen. Auch Nivona sieht einen Trend hin zur Individualisierung, beispielsweise mit persönlichen Bildern, die man sich auf den Displays der Apparate anzeigen lassen kann. Da spiele weniger die Funktionalität eine Rolle, sagt der Geschäftsführer, vielmehr sei das Flair von Bedeutung, das die Automaten mit diesen Funktionen verbreiten. Wildner zeigt auf den blau leuchtenden Wasserbehälter der Maschine, aus der er sich eben seinen Kaffee geholt hat: „Man kann sich jetzt fragen, wofür man das braucht, aber die Händler sagen, dass das bei den Kunden richtig gut ankommt.“ Viele weitere technische Innovationen sind denkbar, mit denen der Nutzer seinen Vollautomaten und seinen Kaffee individualisieren kann.

Damit die Maschinen überhaupt so arbeiten, wie sie sollen, ist entsprechende Vorarbeit in der Nivona-Entwicklungsabteilung vonnöten. „Die ideale Einstellung der Geräte ist eine Wissenschaft für sich“, sagt Peter Wildner und meint damit Faktoren wie das Mahlwerk und den Brühdruck. Zudem müssten die Automaten in der Bedienung schlichtweg „idiotensicher“ sein: „Die Leute wollen das Gerät auspacken, aufstellen und den Kaffee genießen.“ Sollte aber doch einmal mehr Erklärung notwendig sein oder andere Probleme auftreten, stehen die Mitarbeiter vom Service-Telefon für Fragen zur Verfügung. Rund 40 000 Telefonate führen sie im Jahr. Ansonsten kommt es aber auch darauf an, womit man den Vollautomaten befüllt. Deshalb vertreibt das Unternehmen auf die Maschinen abgestimmte Kaffeeröstungen und -mischungen, die zusammen mit dem Cadolzburger Kaffeeröster Espressone entwickelt wurden. Für die Beschäftigten im Unternehmen ist der Kaffee – wenig überraschend für einen Vollautomatenhersteller – übrigens kostenlos.

Autor: 

(jf.)

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 10|2020, Seite 102

 
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