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Photon Energy

Gebündelte Energie

Photon Energy © Photon Energy GmbH

Ultrakurzpulslaser im Test: Die Geschäftsführer Dr. Josef Thumbs (l.) und Dr. Hans Amler.

Das Unternehmen in Ottensoos ist seit 20 Jahren auf Lasertechnologie spezialisiert.

Eher unscheinbar liegt der Firmensitz der Photon Energy GmbH im Ottensooser Gewerbegebiet am Bräunleinsberg zwischen Handwerksbetrieben und Lebensmittelgeschäften. Ob die Menschen aus der Umgebung wohl wissen, dass hier Hightech-Produkte entwickelt und produziert werden, die rund um  den Globus geschätzt und gefragt sind? Das Unternehmen, das der promovierte Physiker Hans Amler vor 20 Jahren gegründet hat, ist spezialisiert auf die Entwicklung und Fertigung von Laserstrahlquellen und Lasermarkieranlagen für verschiedene Branchen. Diese können z. B. Data-Matrix-Codes (DMC) auf Hüftgelenksimplantate auftragen, so dass sich die Produkte mit den eingescannten Aufdrucken nachverfolgen lassen. Ebenso kann man Firmenlogos auf Gegenstände wie Brotmesser oder Lichtschalter drucken. Darüber hinaus können die Laser besonders bruchsicheres Glas bearbeiten, das für die Bildschirme von Smartphones verwendet wird.

"Laser" ist ein Akronym und steht für "Light Amplification by Stimulated Emission of Radiation", also "Lichtverstärkung durch stimulierte Emission". Laserlicht ist stark gebündelt, das ist eine wesentliche Eigenschaft. Deshalb kann man den Laserstrahl mit einer Linsenoptik scharf fokussieren, sodass er berührungsfrei und mit bis zu 30 Megawatt (MW) Spitzenleistung zum Gravieren, Beschriften und Schneiden nahezu aller Materialien eingesetzt werden kann. "Der Lasertechnik-Markt ist sehr dynamisch und permanent am Wachsen, da mit Lasertechnik Materialbearbeitungen machbar sind, die mit herkömmlichen mechanischen Methoden nicht möglich wären", erklärt Amler. Zudem steige der Bedarf an Markierungsmöglichkeiten wegen der in allen Bereichen zunehmend erwünschten oder vorgeschriebenen Rückverfolgbarkeit, zum Beispiel bei Medizinprodukten oder in der Automobilindustrie, ergänzt Dr. Josef Thumbs. Er ist ebenfalls Physiker sowie Mitgesellschafter und verantwortlich für den Bereich Produktion und Service. Seit Schulzeiten ist er mit Hans Amler befreundet.

In der Fertigung von Photon Energy spielt Sauberkeit eine große Rolle: Es darf nicht das kleinste Staubkörnchen in das Innenleben der Laserstrahlquelle gelangen, denn das würde die Leistung und Zuverlässigkeit dieser sensiblen Technik beeinträchtigen. Im Produktionsgebäude, das sich nur wenige hundert Meter von der Firmenzentrale entfernt im selben Gewerbegebiet befindet, formal aber zur Gemeinde Neunkirchen am Sand gehört, tauschen daher alle vor dem Eintritt in die Halle die Straßenschuhe gegen "Hausschuhe". Und in den besonderen Reinräumen gehörten Masken und Schutzkleidung schon lange vor Corona zur Standardausrüstung der Beschäftigten. Im eigenen Qualitätslabor wird jede Laserstrahlquelle und jedes Lasersystem einem umfangreichen Abschlusstest unterzogen. Zuverlässigkeit und Robustheit werden in einem Langzeittest über mindestens 48 Stunden bei verschiedenen Umgebungsbedingungen geprüft, bevor die Geräte an die Kunden geliefert werden.

Sehr viel Energie wird bei Photon Energy aber nicht nur auf eine saubere Fertigung verwendet, sondern vor allem darauf, die Produkte noch besser, leistungsfähiger und angepasst auf spezielle Kundenwünsche herzustellen. So hat das Unternehmen vor einigen Jahren einen patentierten Ultrakurzpulslaser auf den Markt gebracht, der stetig verbessert wird. Seine Vorteile sind unter anderem, dass die Laserbeschriftung unter allen Blickwinkeln schwarz und kontrastreich lesbar ist, die Festigkeit des Werkstoffes nicht beeinträchtigt wird und es keine Anfälligkeit für Korrosion gibt. Deshalb ist er besonders für chirurgische Instrumente und Implantate oder für die besonderen Beschriftungsanforderungen in der Luftfahrttechnik geeignet.

Entwicklung spielt zentrale Rolle

"Wir sind sehr entwicklungslastig, darauf sind wir auch sehr stolz. Rund 30 Prozent unserer Personalkosten fließen in die Entwicklungsabteilung", so Amler. Die Firma, die 2006 den IHK-Gründerpreis Mittelfranken gewonnen hat, arbeitet eng mit der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen, dem Bayerischen Laserzentrum (BLZ) in Erlangen und dem Innovations-Institut für Nanotechnologie und korrelative Mikroskopie in Forchheim zusammen. Dass das Unternehmen seine Lasertechnik-Expertise derzeit in einem europäischen Förderprojekt mit einbringen darf, empfindet man bei Photon Energy als Auszeichnung. Hier wird zusammen mit Fachleuten aus Biologie und Materialwissenschaft von mehreren europäischen Universitäten an antimikrobiellen Oberflächen geforscht. Ein Doktorand aus diesem Projekt arbeitet und forscht hierfür bei den Laserspezialisten in Ottensoos.

Der Nachwuchs spielt bei Photon Energy eine große Rolle: Bachelor- und Master-Studenten wird die Möglichkeit gegeben, ihre Abschlussarbeiten im Unternehmen zu schreiben. Knapp über die Hälfte der mehr als 50 fest angestellten Beschäftigten haben einen Universitätsabschluss. Außerdem arbeiten zehn Auszubildende in der Firma, bei der man Physiklaborant, Elektroniker oder Software-Entwickler werden kann. Denn Photon Energy baut nicht nur Laserstrahlquellen und Laseranlagen, sondern bietet der Kundschaft auch die passende Software und den gesamten Applikationsservice an. Im Unternehmensteam sind auch viele unterschiedliche Nationalitäten vertreten. "Das schätze ich sehr und daher findet auch ein Teil unserer Unternehmenskommunikation auf Englisch statt", sagt Amler. Die Beschäftigten hätten maßgeblichen Anteil am Unternehmenserfolg, viele davon seien schon lange im Unternehmen. "Meine erste Mitarbeiterin ist immer noch hier, auch unser erster Azubi. So etwas freut einen sehr", so der Geschäftsführer. "Daher bin ich auch dankbar, dass wir jetzt in der Pandemie zwar Kurzarbeit hatten, aber niemanden entlassen mussten."

Auswirkungen der Pandemie

Die Auswirkungen von Corona hat das Unternehmen, das die Hälfte seines Umsatzes mit Medizintechnik erzielt, erheblich zu spüren bekommen. "Wenn immer davon gesprochen wird, dass wegen Covid planbare Operationen verschoben werden, haben wir genau das deutlich gemerkt", erklärt Amler. Wenn weniger Zahnimplantate oder Knieprothesen gebraucht werden, sei auch die Investitionsbereitschaft der herstellenden Unternehmen geringer. Nachdem der Umsatz zwischen 2015 und 2019 kontinuierlich um 20 Prozent pro Jahr gewachsen ist, fiel er 2020 erstmals. Neben dem Hauptumsatzträger Medizintechnik gehören Firmen aus der Automobilbranche, der Werkzeug-, Display- und Glasindustrie sowie der Mikroelektronik zu den Kunden des fränkischen Hightech-Unternehmens. 70 Prozent seines Umsatzes erzielt Photon Energy im Inland, zehn Prozent in der EU und 20 Prozent in Japan, Korea und Singapur.

"Aber man spürt jetzt schon, dass es langsam wieder anzieht und ich gehe davon aus, dass wir Ende des Jahres wieder eine normale Geschäftstätigkeit haben", so der positive Ausblick des Firmenchefs. Außerdem hat das Unternehmen die Zeit der schwachen Auftragslage genutzt, um an neuen Produkten zu arbeiten, die in den nächsten Monaten auf den Markt kommen sollen. Neben neuen Software-Anwendungen wurde u. a. eine Laseranlage für die Glasbearbeitung entwickelt, mit der es möglich ist, feinste Löcher zu bohren. Dieses Verfahren kann beispielsweise bei neuem Leiterplattenmaterial für die 5G-Technologie eingesetzt werden. Auch der Ultrakurzpulslaser von Photon Energy habe verbessert werden können, erklärt Amler: Mit deutlich kürzeren Pulszeiten bleiben Materialien wie Glas, Metall oder Kunststoff bei der Bearbeitung kälter und es können noch feinere Strukturen erzeugt werden, sogar bei transparenten Oberflächen. "Wir sind schon sehr gespannt, wie die neuen Produkte auf dem Markt ankommen." Für die Zeit ab Herbst hofft er, dass Reisen zu den Kunden wieder möglich sein werden. In Japan sei er beispielsweise sonst mehrmals im Jahr. Und er fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: "Ja, vielleicht ist es wirklich so, dass wir hier in Ottensoos im Nürnberger Land nicht so bekannt sind wie zum Beispiel in Japan."

Autor: 

(cp.)

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 06|2021, Seite 66

 
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