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Sparkasse Nürnberg

Mehr als Geld

Sparkasse Nürnberg_Burgis Everding © Thomas Tjiang

Führungsspitze: Vorstandsvorsitzender Dr. Matthias Everding (r.) und stellvertretender Vorstandsvorsitzender Roland Burgis.

Das Kreditinstitut sieht sich zu ihrem 200-jährigen Bestehen trotz eines schwierigen Umfelds gut aufgestellt.

Mit einem gestreamten Festakt aus dem Historischen Rathaussaal ist die Sparkasse Nürnberg offiziell in ihr Jubiläumsjahr gestartet. 1821, vor 200 Jahren, wurde das Kreditinstitut gegründet. Das Jubiläumsjahr steht unter dem Motto "Weil’s um mehr als Geld geht". Laut Vorstandsvorsitzendem Dr. Matthias Everding soll dabei nicht nur eine aktuelle Standortbestimmung zwischen der Corona-Pandemie und dem Transformationsprozess in der Finanzbranche vorgenommen werden. Es gehe auch um das Selbstverständnis des Instituts, Privatkunden und Unternehmen finanziell bei Projekten zu begleiten, die den Menschen in der Region wichtig sind und Nürnberg als Wirtschafts- und Lebensort voranbringen.

Über das Kerngeschäft hinaus verstärkt das Haus derzeit sein klassisches Gemeinwohl-Engagement für die Gesellschaft. Beispielsweise stockt sie das Stiftungskapital ihrer beiden Kulturstiftungen für die Stadt Nürnberg und für den Landkreis Nürnberger Land um jeweils eine Mio. Euro auf. Ziel ist, Kreativität und künstlerisches Schaffen vor Ort zu fördern und nachhaltig Kulturgüter für die folgenden Generationen zu bewahren. Unter den zahlreichen Spenden und Sponsorings liegt ein Fokus auf dem Thema Nachhaltigkeit. Deshalb werden 200 000 Euro an nachhaltige Projekte vergeben, beispielsweise für die Pflanzung neuer Bäume im Nürnberger Stadtgebiet. Zudem stellte die Zukunftsstiftung drei Mio. Euro für den Waldpfad im Tiergarten zur Verfügung.

Gesellschaftliches Engagement spielte schon in den Anfängen der Sparkasse Nürnberg eine Rolle: Der Nürnberger Magistratsrat Johannes Scharrer überzeugte 1821 die Verwaltung der Stadt, Bayerns erste Sparkasse aufzubauen. Er begründete das mit einem vorteilhaften Einfluss "auf die Moralität der Dienstboten und der niederen Stände überhaupt", wie es damals hieß. Ausdrücklich beinhaltete die erste Satzung das Ziel, Dienstboten und anderen unbemittelten Personen Zinsen für ihre Ersparnisse zu bieten. Die Öffnungszeiten beschränkten sich zunächst auf einen Tag in der Woche, die Einlagenhöhe war von einem bis 300 Gulden reglementiert. Es folgte das Anlagegeschäft an Kommunen sowie Kredite an Gewerbetreibende und Gutsbesitzer. 1876 öffnete sich das bisherige "Institut für Dienstboten" nach einer Reform zu einer Sparkasse für den Mittelstand.

Während der Erste Weltkrieg dem Haus auch durch das Geschäft mit Kriegsanleihen ein kräftiges Wachstum bescherte, sorgte die Inflation 1923 für einen Tiefpunkt im Bankgeschäft. Mit der damaligen Währungsreform wurde aus zehn Mrd. Papiermark ein Rentenpfennig, über 200 000 Konten wurden so wertlos. Unter dem Regime der Nationalsozialisten wurde das Haus zur "Sparkasse der Stadt der Reichsparteitage". Diese unrühmliche Zeit beleuchtet die historische Untersuchung "Die Stadtsparkasse Nürnberg 1933 - 1945", die im Vorfeld des 200-jährigen Jubiläums vorgestellt wurde. Bis zur Einführung der Deutschen Mark im Jahr 1948 verwaltete die Sparkasse fast 358 000 Konten mit einem Gesamteinlagewert von knapp 625 Mio. Reichsmark, die im Verhältnis zehn zu eins umgetauscht wurden. Ab den 1970er Jahren hielten Technisierung und Digitalisierung Einzug: Rechenzentrum, Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker wurden nach und nach zum Alltag. 2001 folgte die Fusion der Stadt- und der Kreissparkasse Nürnberg zur Sparkasse Nürnberg, wodurch das neue Haus mit knapp 2 500 Beschäftigten zu einer der größten Sparkassen Bayerns wurde. Eine schwierige Phase machten alle bayerischen Sparkassen durch, als ihr Spitzeninstitut, die BayernLB, wegen der Finanzmarktkrise 2008 mit Milliardenbeträgen gerettet werden musste. 2013 starteten die Nürnberger als eine der ersten Sparkassen mit einer Online-Filiale, zudem folgte die Sparkassen-App für mobiles Banking und Bezahlen mit dem Handy.

Der Corona-Pandemie getrotzt

Den Schwierigkeiten im Corona-Jahr 2020 hat die Sparkasse Nürnberg nach eigenen Angaben gut getrotzt. Laut Everding habe sich das traditionelle Geschäftsmodell – "Einlagen aus der Region, Kredite für die Region" – erneut bewährt, die Bilanzsumme stieg um mehr als sechs Prozent auf knapp 13 Mrd. Euro. Auf der einen Seite erhöhten sich die Einlagen der Kunden um mehr als sechs Prozent auf über zehn Mrd. Euro. Auf der anderen Seite legten die Kreditbestände um fast acht Prozent auf beinahe acht Mrd. Euro zu. Sowohl das gewerbliche Kreditgeschäft als auch die Darlehenszusagen an Privatpersonen verbuchten deutliche Zuwächse.

Bei den Privatkunden sorgte insbesondere ein zweistelliges Plus im hart umkämpften Baufinanzierungsmarkt für den Aufwärtstrend. Auch das gewerbliche Kreditgeschäft profitierte insbesondere im Bereich der Immobilienfinanzierung: In ihrem Geschäftsgebiet finanziert die Sparkasse eigenen Angaben zufolge mehr als jedes zweite gewerbliche Immobilienprojekt. Roland Burgis, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und verantwortlich für das Firmenkundengeschäft, nennt exemplarisch das Tafelhof-Palais neben dem Hauptbahnhof und den "Seetor City Campus", ein Quartier zum Arbeiten und Wohnen auf dem ehemaligen Coca-Cola-Gelände. Aber auch zahlreiche kleinere Vorhaben von Projektentwicklern, Bauträgern und Investoren hätten für eine gute Entwicklung im Immobilienbereich gesorgt, so Burgis: "Nürnberg bleibt ein gefragter Standort."

Die Sparkasse half auch ihren gewerblichen Kunden, um Corona-bedingte, finanzielle Engpässe zu überbrücken. Über 600 Corona-Kredite in Höhe von rund 100 Mio. Euro wurden bereitgestellt und 800 Tilgungsaussetzungen mit einem Volumen von insgesamt rund 30 Mio. Euro bewilligt. Die Aussetzungen wurden wieder planmäßig aufgehoben, so Burgis. Die Betriebe kommen ihm zufolge auch deshalb vergleichsweise gut durch die Krise, weil sie in den guten Jahren zuvor ihre Eigenkapitalquote im Schnitt auf 25 Prozent verdoppelt hätten. Die Gefahren durch die zwischenzeitlich ausgesetzten Insolvenzregelungen und die damit möglicherweise entstandenen, sogenannten "Zombie-Unternehmen" seien überbewertet, findet Burgis. Zudem dürfe man nicht die Branchen und Unternehmen übersehen, die in der Pandemie Rekordgeschäfte verbucht haben.

Die anhaltende Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank und die Corona-Pandemie führten zu einem geringeren Zinsüberschuss. Auch der Provisionsüberschuss erreichte trotz eines wachsenden Wertpapiergeschäfts nicht den Vorjahreswert. Dafür reduzierten sich die Sach- und Personalkosten, allerdings nicht in entsprechender Höhe. Unter dem Strich halbierte sich der Jahresüberschuss fast, und zwar auf etwas mehr als zehn Mio. Euro. Trotz der schwierigen Umstände zeigt sich Everding zufrieden: "Unser Selbstverständnis als Sparkasse ist es, dem Gemeinwohl verpflichtet zu sein. Gewinn ist nicht alles." Zumal das Institut bezogen auf Girokonten, Einlagen und Kredite im Geschäftsgebiet nach wie vor einen Marktanteil von fast 40 Prozent habe und damit Marktführer sei, so Everding. Die Zahl der Beschäftigten sank leicht um 33 auf knapp 1 700, darunter fast 160 Azubis und Trainees.

Kundennähe im Digitalzeitalter

Im Stadtgebiet Nürnberg und im Landkreis Nürnberger Land blieb die Zahl der 107 Standorte, davon 71 Geschäftsstellen, stabil. Bündnisse mit angrenzenden Sparkassen seien nicht geplant, so Everding. Und Fusionen seien auch kein Allheilmittel, denn entscheidend sei die Nähe zu den Kunden und den kommunalen Trägern. Dieser Anspruch ist in Zeiten sinkender Filialfrequenzen immer schwieriger durchzuhalten: Immerhin erledigen 70 Prozent der Kunden ihre Bankgeschäfte online. Die Kundennähe soll im digitalen Zeitalter vor allem durch persönliche Beratung erhalten bleiben: "Unsere Geschäftsstellen werden noch stärker zu spezialisierten Beratungseinheiten", so Everding. Dafür stehen mehr als 500 Berater zur Verfügung, ergänzt durch Spezialisten für besondere Beratungsthemen. Zudem läuft aktuell im Stadtteil Mögeldorf ein Pilotversuch zur Filiale der Zukunft. Getestet wird, inwieweit die Stadtverwaltung einzelne städtische Dienstleistungen in den Sparkassen-Räumen anbieten kann. In Zukunft könnten sich Bürger dann wohnortnah beim Filialbesuch auch ummelden oder einen neuen Pass abholen.

Darüber hinaus ist die Sparkasse weiterhin bei Existenzgründungen aktiv: 2020 finanzierte das Institut 60 Vorhaben. Das jährliche Volumen beziffert Burgis auf durchschnittlich rund elf Mio. Euro. Und auch in der Finanzbildung von Schülern behält die Sparkasse ihr Engagement bei: Seit 1983 richtet sie das Planspiel Börse als mittlerweile onlinebasiertes Lernspiel für Schulteams aus, um sie mit persönlicher Finanzplanung, Kapitalmärkten und dem Wirtschaftsgeschehen vertraut zu machen.

Autor: 

(tt.)

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 07|2021, Seite 90

 
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