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Geschichte

Zeitzeugen aus Papier: Historische Wertpapiere

 

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Katharina Söll

Katharina Söll

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Verrückte Welt: Wer sein Geld zur Bank bringt, muss gelegentlich schon dafür zahlen. Am 7. April 1843 „geruhte“ seine Majestät, der bayerische König Ludwig I., die Bildung einer Handelskammer in München zu genehmigen. Er ernannte 12 Mitglieder des Handels-, Fabrikanten und Gewerbsstandes zu deren Mitgliedern.

Unter dem Vorsitz des großen Industrie- und Eisenbahnpioniers Joseph Anton von Maffei nahmen sie ihre Arbeit auf. Sie hatten sich zur „pflichtgetreuen Erfüllung ihrer hochwichtigen Aufgabe“ bereit erklärt – nämlich die Regierung „in der Förderung des Gewerbefleißes und in der Beseitigung der ihrem Aufblühen entgegenstehenden Hindernisse durch ihren Rath und ihre Mitwirkung zu unterstützen“. Wie es scheint, hat sich der Spargedanke derzeit überlebt. Ein Lichtblick für den Anleger ist da die Aktie. Ihr Wert bemisst sich daran, was sie an Dividende abwirft. Und sie ist auch dann noch gefragt, wenn sie schon längst ausgedient hat. Als begehrtes Sammlerstück dokumentiert sie unternehmerische Erfolge oder enttäuschte Hoffnungen. Zu den ältesten bekannten bayerischen Anteilscheinen zählen die Aktien des „Fohlenhofes“, einer 1832 ins Leben gerufenen „Anstalt zur Beförderung der vaterländischen Pferdezucht“. Häufig gestalteten namhafte Künstler die alten Wertpapiere und stellten symbolhaft die Geschäftstätigkeit dar: mit Eisenbahnen und rauchenden Schornsteinen, mit Firmenemblemen und üppigen Ornamenten. Die Unterschrift bedeutender Unternehmer oder Industrieller verleihen den Papieren ihren besonderen Wert. 1830 legte die Münchner Börse den ersten Kurszettel vor. Er umfasste zunächst Staatspapiere und als einzige Aktie die Bankaktie der Österreichischen Nationalbank. 1834 kam die neu gegründete Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank dazu, eine Vorgängerin der heutigen HypoVereinsbank.

Gründungsaktie der Baumwollspinnerei Kolbermoor, 1862. (Foto: BWA)

Gründungsaktie der Baumwollspinnerei Kolbermoor, 1862.

 

Walchensee-Anleihe für die Finanzierung des Hochdruck-Speicherkraftwerks, 1923. (Foto: BWA)

Walchensee-Anleihe für die Finanzierung des Hochdruck-Speicherkraftwerks, 1923.

 

Aktie der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG, 1926. (Foto: BWA)

Aktie der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG, 1926.

 

Hypothekenpfandbrief der Bayerischen Landwirtschaftsbank, 1922. (Foto: BWA)

Hypothekenpfandbrief der Bayerischen Landwirtschaftsbank, 1922.

 

Anders als die Briefmarke fanden historische Wertpapiere vergleichsweise spät ihre Liebhaber. Erst ab den 1970er Jahren stieg die Nachfrage nach diesen Sammelobjekten. Im Bayerischen Wirtschaftsarchiv ist eine Vielzahl von historischen Aktien, Anteilscheinen, Schuldverschreibungen und Pfandbriefen erhalten, die den Lebensweg von heute längst nicht mehr bestehenden Unternehmen anschaulich machen.Dr. Eva Moser, Leiterin des Bayerischen Wirtschaftsarchivs

Fotos: Bayerisches Wirtschaftsarchiv BWA

 
 
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