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Mittelfränkische Wirtschaft nimmt etwas Tempo raus

IHK-Konjunkturklima - Betriebe melden leichte Beruhigung, erwarten aber anhaltendes Wachstum

Datum: 15.05.2018
 

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Dr. Maike Müller-Klier

Dr. Maike Müller-Klier

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Nürnberg – Im Frühjahr 2018 befindet sich die mittelfränkische Wirtschaft weiter im Aufwind, allerdings haben die Expansionsraten ihren Höhepunkt überschritten. Im Vergleich zum Rekordhoch zu Jahresbeginn bewerten die Betriebe die wirtschaftliche Lage bei der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage etwas schlechter. Die Aussichten für die kommenden Monate bleiben positiv, was auf weiteres Wachstum bei geringerem Tempo hindeutet.

Der IHK-Konjunkturklimaindex, der die aktuellen Lageurteile und die Geschäftserwartungen zusammenfasst, sinkt um 6,5 Punkte und erreicht nun 131,5 Punkte. Dies ist allerdings immer noch ein Spitzenwert im Durchschnitt der vergangenen 25 Jahre. „Die gute Wirtschaftslage im In- und Ausland trägt den Aufschwung in sein achtes Jahr“, so IHK-Chefvolkswirtin Dr. Maike Müller-Klier.

Geschäftslage nicht mehr auf Rekordwert

Die mittelfränkische Wirtschaft zeigt sich weiterhin zufrieden mit ihren Geschäften: Derzeit bezeichnen 53 Prozent der Betriebe ihre aktuelle Geschäftslage als gut, weitere 39 Prozent sind zufrieden, eine Verschlechterung melden nur acht Prozent. Damit sinkt die Lagebeurteilung deutlich um 11 Punkte gegenüber der Vorbefragung, die einen Rekordwert der bisherigen IHK-Konjunkturumfragen markierte. Der Saldo der Bewertungen liegt aber immer noch sehr hoch bei +45 Punkten und erreicht damit das Niveau von vor einem Jahr. Die Nachfrage ist sowohl aus dem In- als auch aus dem Ausland weiterhin rege.

Weiterhin gute Geschäfte erwartet

Das aktuell gute Geschäftsniveau wird Bestand haben, davon geht die Mehrheit der mittelfränkischen Unternehmen aus: 66 Prozent von ihnen erwarten konstant gute Geschäfte in den kommenden Monaten. Mit einer weiteren Verbesserung der Geschäftslage rechnet rund ein Viertel der Betriebe. Im Saldo sinkt der Erwartungswert um 2 Punkte und erreicht aktuell solide und zuversichtliche +20 Punkte. Die positiven Zukunftsaussichten sind branchenübergreifend, einzig der Handel ist unentschlossen.

Unternehmen wollen kräftig investieren

Die Kapazitätsauslastung ist weiterhin sehr hoch, in der Bauwirtschaft machen sich bereits Engpässe bemerkbar. Dort schaffen es die Unternehmen kaum noch, die eingehenden Aufträge abzuarbeiten. Deshalb will die mittelfränkische Wirtschaft in den kommenden Monaten kräftig investieren: Mehr als ein Drittel der Betriebe plant, die Investitionsausgaben zu erhöhen, 7 Prozent hingegen wollen sie senken. Ein Großteil der Betriebe (47 Prozent) möchte das Investitionsniveau halten. Per Saldo steigt die Investitionsneigung um 7 Punkte und erreicht mit +29 einen Spitzenwert wie zuletzt im Herbst 2010. Der Schwerpunkt der Investitionen liegt im Inland – dies ist ein positives Signal für die wirtschaftliche Entwicklung in der Region. Hauptmotive bei Inlandsinvestitionen sind derzeit Kapazitätserweiterungen und Ersatzbeschaffungen.

Fachkräfte dringend benötigt

Die mittelfränkischen Betriebe sind hinsichtlich der Beschäftigungsentwicklung weiter sehr optimistisch: Gut 18 Prozent von ihnen planen, im laufenden Jahr zusätzliches Personal einzustellen, gerade einmal acht Prozent halten einen Stellenabbau für notwendig. Drei Viertel der Betriebe wollen an ihrem Mitarbeiterstamm festhalten. Der hohe Mitarbeiterbedarf zieht sich quer durch alle Branchen, allerdings gibt der regionale Arbeitsmarkt nicht mehr viel her. Mit anderen Worten: Die Unternehmen melden über alle Branchen hinweg zunehmende Probleme, geeignete Fachkräfte zu finden.

Konjunkturklima nach Wirtschaftszweigen

Industrie: Die mittelfränkische Industrie befand sich im gesamten Jahresverlauf 2017 auf einem stabilen Wachstumskurs und erreichte zu Jahresbeginn 2018 Rekordwerte. Im Frühjahr geht das Tempo etwas zurück, der Saldo der Lageeinschätzung sinkt um 8 Punkte, liegt aber mit +50 weiterhin auf einem hohen Niveau. Nahezu unverändert ist der Anteil der Industriebetriebe, die von einer weiteren Verbesserung der Geschäftslage berichten (58 Prozent). 8 Prozent vermelden dagegen schlechtere Geschäfte. Die gestiegene Unzufriedenheit geht vorwiegend auf die Produzenten von Gebrauchs- und Verbrauchsgütern zurück, die Vorleistungs- und die Investitionsgüterindustrie bleiben höchst positiv gestimmt. Die Auftragsbestände sind weiter angestiegen, die Kapazitätsauslastung bleibt hoch. Neben den anhaltend guten Geschäften der mittelfränkischen Industrie in Nordamerika und China hat sich insbesondere die Einschätzung des Asien-Pazifik-Raumes erneut verbessert.

Die Erwartungen der mittelfränkischen Industrie für die nächsten Monate sind äußerst optimistisch: Mehr als ein Drittel der Betriebe rechnet mit einer weiteren Verbesserung der jetzt schon guten Geschäftslage, nur jeder 20. Betrieb erwartet das Gegenteil. Außerdem ist die Investitionsneigung der Industrie deutlich angestiegen, weil die Produktion an der Kapazitätsgrenze läuft. Auch die Zahl der Mitarbeiter soll nochmals erhöht werden.

Bauwirtschaft: 87 Prozent der Baubetriebe berichten von einer guten Geschäftslage, 13 Prozent sind zufrieden, Unzufriedenheit ist derzeit in der Baubranche nicht zu finden. Damit setzt sich der Boom der mittelfränkischen Bauwirtschaft fort, die Branche kann sich angesichts der guten Konjunktur und der hohen Nachfrage nach Immobilien vor Aufträgen kaum retten. Neben weiterhin guten Auftragseingängen im Wohnungsbau sind aktuell Zuwächse aus dem Wirtschaftsbau und dem öffentlichen Bau die großen Treiber im Baugeschäft. Auch für die nächsten Monaten sind die Erwartungen äußerst positiv: 57 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer gleichbleibend guten Entwicklung, 43 Prozent sogar mit weiteren Zuwächsen, keiner erwartet Gegenteiliges. Im Saldo steigen die Erwartungen der Branche um satte 28 Punkte auf +43 an. Um die Aufträge abarbeiten zu können, wollen die Bauunternehmen verstärkt investieren und Personal einstellen. Neun von zehn Unternehmen gehen davon aus, dass die Baukosten weiter anziehen.

Handel: Die Stimmung im Handel ist derzeit verhalten. Nach den Spitzenwerten zum Jahreswechsel wird die geschäftliche Lage im Frühjahr deutlich zurückhaltender bewertet. Der Saldo sinkt um 22 Punkte auf +27 und liegt damit wieder auf dem Niveau des Vorjahres. Immerhin 40 Prozent der Handelsunternehmen bewerten ihre Lage als gut und 48 Prozent sind weiterhin zufrieden. Allerdings berichten 13 Prozent über einen Rückgang der Geschäfte gegenüber dem überaus guten Geschäft zum Jahreswechsel. Dies geht vor allem auf die die Einschätzung der Einzelhändler zurück, dagegen stellen Großhandel und Handelsvertretungen keine Verschlechterung der Geschäftslage fest. Immerhin geht die Branche davon aus, dass sich die Geschäfte in den kommenden Monaten konstant entwickeln: 80 Prozent der Handelsbetriebe erwarten gleichbleibende Umsätze, der Saldo der Geschäftserwartungen liegt aktuell bei +/-0. Investitionsabsichten und Beschäftigungspläne folgen dieser Markteinschätzung und gehen entsprechend zurück. Beim Personalbedarf haben die Händler zu 80 Prozent ein Ziel: Mitarbeiter halten.

unternehmensnahe Dienstleistungen: Auch die unternehmensnahen Dienstleister verlassen die zum Jahreswechsel erreichte Rekordzone, mit einem Saldo von +48 notieren sie aber weiterhin auf hohem Niveau. Mehr als jedes zweite Unternehmen berichtet von gestiegenen Umsätzen in den vergangenen Monaten, nur 6 Prozent melden Gegenteiliges – somit erreicht der Dienstleistungssektor den Vorjahreswert. Besonders zufrieden sind weiterhin die mittelfränkischen Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnologie (IuK). Für die kommenden Monate rechnen insgesamt 28 Prozent der Unternehmen aus den unternehmensnahen Dienstleistungen mit weiteren Verbesserungen, rund 10 Prozent erwarten eine Verschlechterung, die Mehrheit von 62 Prozent geht von konstant guten Geschäften aus. Damit fällt der Saldo der Erwartungen um 10 Punkte auf positive +18. Diesen weiteren Anstieg der Geschäftstätigkeit möchten die Dienstleister mit mehr Personal (+13) bewältigen – hier setzt jedoch der Arbeitsmarkt derzeit seine Grenzen. Zusätzlich planen die Dienstleister eine weitere Ausweitung der Investitionstätigkeit (Saldo +30). Besonders das Transportgewerbe und die IuK-Betriebe benötigen für ihre Geschäftsentwicklung zukünftig mehr Mitarbeiter. Allerdings ist es für diese Branchen jetzt schon schwierig, das nötige Personal zu bekommen.

verbrauchernahe Dienstleistungen: Die aktuelle Geschäftslage hat sich im Frühjahr etwas verschlechtert, der Saldo aus positiven und negativen Antworten ist auf einen Wert von +43 gesunken und liegt damit geringfügig unter dem guten Vorjahreswert. Dagegen ist sich die Branche über alle Sektoren einig, dass sich die Geschäfte in den kommenden Monate gut entwickeln dürften: Der Saldo bei den Erwartungen steigt um 2 Punkte auf +25. Allerdings beklagen die Dienstleister unisono Personalmangel, steigende Arbeitskosten sowie umfangreiche Bürokratie und Dokumentationspflichten. Die verbrauchernahen Dienstleister planen in den nächsten Monaten wie die meisten anderen Branchen umfangreiche Investitionen und zahlreiche Neueinstellungen.

Ausblick

Im Frühjahr 2018 befindet sich die Wirtschaft nach wie vor im Aufschwung. Doch die verfügbaren gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten werden allmählich knapper, sodass die Konjunktur etwas an Tempo verliert. Dennoch bleibt die Wirtschaft nach Aussage von Dr. Maike Müller-Klier in Schwung. Die Weltwirtschaft wächst und regt die Exporte weiter an und auch die Binnenwirtschaft dürfte aufgrund der außerordentlich günstigen Lage auf dem Arbeitsmarkt dynamisch bleiben.

Allerdings scheinen die Expansionsraten ihren Höhepunkt überschritten zu haben: In allen Branchen zeichnet sich ab, dass Grenzen bei den Produktionskapazitäten und beim Fachpersonal erreicht werden. Für 67 Prozent der mittelfränkischen Betriebe ist der Fachkräftemangel mittlerweile das größte Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung. Das ist die höchste Risikoeinschätzung überhaupt seit Messung des IHK-Konjunkturklimas. Die Unsicherheiten bei den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen schätzt die Wirtschaft mit 40 Prozent unverändert hoch ein. Die Wirtschaftspolitik der USA und protektionistische Tendenzen dürften für die Eintrübung der Stimmung mit verantwortlich sein. Mittelfranken mit seiner starken Exportorientierung braucht – wie die gesamte globale Wirtschaft – verlässliche Regeln für den grenzüberschreitenden Güteraustausch.

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