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Verkehr | Logistik

Pilotprojekt Lastenfahrräder für die Stadtlogistik

Pilotprojekt Lastenfahrräder für die Stadtlogistik

© Kurt Fuchs / CNA

 

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Dipl.-Geograph Ulrich Schaller

Dipl.-Geograph Ulrich Schaller

Leiter Referat Verkehr und Logistik, Grundsatzfragen Verkehrsinfrastruktur und Verkehrsplanung Tel: +49 911 1335 415

 

Ausgezeichnet!

Das Nürnberger Pilotprojekt "Nachhaltige Stadtlogistik mit dem Mikrodepotkonzept" erhielt den diesjährigen Mobilitätspreis des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ) in der Kategorie "Internationales Vorbildprojekt". Österreichs größter Wettbewerb für nachhaltige Mobilität stand 2017 unter dem Motto "klimaverträglich mobil" (www.vcoe.at). Dieses Jahr gingen insgesamt mehr als 370 Einreichungen ein.

"Transport-Fahrräder sind eine zukunftsfähige und praxistaugliche Alternative zu herkömmlichen Zustellfahrzeugen", gratuliert Willi Nowak, Geschäftsführer des VCÖ. "Zudem erhöhen sie die Flexibilität und verringern die gesundheitsschädlichen Lärm- und Schadstoff-Emissionen."

 

Der Online-Handel führt dazu, dass der Lieferverkehr von Paketdiensten die Verkehrsbelastung und den Emissionsausstoß in den Innenstädten erhöht. In der Nürnberger City wird in einem Pilotprojekt getestet, ob die Pakete auch mit Lastenfahrrädern an die Empfänger ausgeliefert werden können.

An dem Praxistest, der von Prof. Dr. Ralf Bogdanski von der Technischen Hochschule Nürnberg wissenschaftlich begleitet wird, beteiligen sich die beiden Paketdienstleister DPD und GLS. Der Freistaat Bayern unterstützt das Projekt mit 153 000 Euro.

„Gerade mit dem Fahrrad ist man flexibler unterwegs in der Innenstadt und beeinträchtigt weniger den Verkehr“, so Bayerns Innen- und Verkehrsminister Joachim Herrmann bei der Vorstellung des Projekts. Die zahlreichen Lieferfahrzeuge, die in der Zeit der Zustellung meist am Straßenrand stehen, beeinträchtigen laut Herrmann auch den Verkehrsfluss und die Verkehrssicherheit in den Städten. Zudem hätten die Kurier-, Express- oder Paketdienste ein Interesse daran, die Zustellung auf der sogenannten „letzte Meile“ (vom Depot zum Empfänger) effizienter zu gestalten, denn auf die letzten Meter entfalle ein hoher Anteil der Gesamtkosten bei der Paketdienstleistung.

Bei dem Pilotprojekt, das in der Nürnberger Innenstadt und in einem Wohngebiet in der Nürnberger Südstadt beginnt, werden die Pakete in sogenannten „Mikro-Depots“ (z. B. Anhänger, Container oder Immobilien) zwischengelagert. Von dort holen die Fahrer ihr Transportgut mit den Lastenfahrrädern ab und bringen es bis zur Haustür. In Nürnberg wurden zwei Immobilien als Mikro-Depots angemietet.

 

Bewertung

Aus Sicht der IHK Nürnberg für Mittelfranken ist das Mikro-Depot-Konzept in Kombination mit einem fast emissionsfreien Transport auf der letzten Meile durch Lastenfahrräder ein wichtiger Beitrag für bessere Luft in deutschen Städten, der ausbaufähig ist.

Welche Rolle übernimmt die IHK bei der Entwicklung der "Nachhaltigen Stadtlogistik"?

Die IHK Nürnberg für Mittelfranken befasst sich seit der ersten Diskussion um Umweltzonen in Deutschland mit alternativen Möglichkeiten, um Feinstaub, Stickoxide und CO2 in Nürnberg einzusparen. In diesem Zusammenhang ist auch das Pilotprojekt Getränkelogistik entstanden.

Vorbereitung des Pilotprojektes

Als Grundlage für die Zusammenarbeit der KEP-Dienstleister in Nürnberg diente eine im Jahr 2012 durchgeführte Studie zur Messung der Belieferungssituation in der Nürnberger Innenstadt durch Paketdienstleister. An der Studie haben sich 143 innerstädtische Gewerbetreibende und 7 Paketdienstleister beteiligt. Auftraggeber war die IHK Nürnberg für Mittelfranken. Die Studie wurde durch Herrn Prof. Dr. Ralf Bogdanski, Professor für Nachhaltige Unternehmensführung und Logistik, TH Nürnberg durchgeführt.

Studie über die Möglichkeiten und notwendigen Rahmenbedingungen am Beispiel der Städte Nürnberg und Frankfurt am Main

Im Jahr 2015 wurde im Auftrag des Bundesverbands Paket & Express Logistik (BIEK) und mit Unterstützung der IHK Nürnberg für Mittelfranken eine weitere Studie mit dem Titel "Nachhaltige Stadtlogistik durch Kurier-, Express- und Paketdienste". Die befasste sich mit den Möglichkeiten und notwendigen Rahmenbedingungen am Beispiel der Städte Nürnberg und Frankfurt am Main. Autor war erneut Prof. Dr. Ralf Bogdankski von der TH Nürnberg.

Im Mittelpunkt der Studie steht die Untersuchung der Kohärenz. Zum ersten Mal wurden die Auswirklungen aktueller Konzepte der Stadtlogistik von KEP-Diensten in Nürnberg und Frankfurt quantifiziert. Weiterhin wurden Zielkonflikte, Akzeptanz und Rahmenbedingungen von Elektromobilität und Mikro-Depots bewertet. Eine zentrale Erkenntnis war die große Zielübereinstimmung von Kommunen, KEP-Diensten und Handel, eine wichtige Voraussetzung für Nachhaltige Stadtlogistik durch KEP-Dienste.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

  • Kommunale Entscheider sehen KEP-Dienstleistungen als unverzichtbare und notwendige Grundversorgung an.
  • Gleichzeitig zeigen sie sich gegenüber KEP-Dienstleistern voreingenommen und nehmen sie als Störfaktoren wahr.
  • Nachhaltigkeitspotenziale und Innovationsbereitschaft der Branche werden zu wenig erkannt
  • Die "Zerstückelung" der Zuständigkeiten (Baureferat, Verkehrsplanung, Wirtschaftsförderung, usw.) in den Städten erschwert die Abstimmung.
  • Spezielle Ziele und Maßnahmen für KEP-Verkehr fehlen.
  • Empfehlungen: Dialoge und Interaktionen zwischen KEP-Branche, Handel und Kommunen anregen. Darüber hinaus bedarf es einer Änderung der Rahmenbedingungen (u.a. in Bezug auf die Straßenverkehrsordnung). Die IHKs sollen die wichtige Rolle als Moderator einnehmen.

Start des Pilotprojektes

Mit den Ergebnissen dieser Studien brachte die IHK interessierte Paketdienstleister und die städtischen Referate und Genehmigungsstellen an einen Tisch: Gemeinsam wurde ein Pilotprojekt mit Paketdienstleistern ins Leben gerufen. Seit Start des Pilotprojekts im April 2016 moderiert das Verkehrsreferat der IHK den Projektlenkungskreis "Nachhaltige Stadtlogistik durch KEP-Dienste mit dem Mikro-Depot-Konzept".

Startschuss für das Projekt war ein Vortrag von Prof. Dr. Bogdanski im Nürnberger Rechts- und Wirtschaftsausschuss, der den Abschluss der im Vorfeld zahlreich durchgeführten Gespräche, Abstimmungen und runden Tische mit den KEP-Dienstleistern markierte.

Finanziell beteiligt sich die IHK mit einem Anteil von 8 500 Euro (5 Prozent des Gesamtprojektetats) an der Finanzierung der wissenschaftlichen Begleitung durch die TH Nürnberg. In gleichem finanziellem Umfang engagiert sich auch die Stadt Nürnberg (Wirtschaftsreferat).

Ausblick

Inzwischen ist die Ausdehnung der Nachhaltigen Stadtlogistik um zwei weitere Teilprojekte erfolgt, die durch das BayStMI gefördert werden: Entwicklung eines zulassungsfreien, elektrischen "Light Electric Vehicle" (LEV) für die Auslieferung von Kleinsendungen und Paketen sowie logistische Mehrwertdienste für Einzelhandel und Apotheken.

LEV@KEP

Laut Erkenntnissen des Mikro-Depot-Projektes können 30 Prozent der Paket-Fahrten von Transportern in deutschen Städten durch Lastenfahrräder ersetzt werden. Dabei ersetzt ein Lastenrad fast einen Transporter. Für die KEP-Branche optimierte Fahrzeuge sind am Markt nicht erhältlich.

Ziel: Entwicklung eines innovativen zulassungsfreien Fahrzeugs mit neuem Raumkonzept sowie guten ergonomischen Eigenschaften für eine Nachhaltige Stadtlogistik.

VALUE@SERVICE

Nachhaltige logistische Mehrwertdienste für Einzelhandel und Apotheken

Aktuelle Studie Innovationen auf der letzten Meile

Die BIEK-Nachhaltigkeitsstudie 2017 befasst sich mit den Herausforderungen und Lösungen für eine nachhaltige Stadtlogistik. Sie untersucht die Ökoeffizienz der städtischen KEP-Verkehre in Berlin, Hamburg und München. Erstmalig werden dafür die Mengengerüste der KEP-Verkehre erhoben und die logistische Leistung in der Einheit „Paketkilometer“ ermittelt. Weiterhin gibt die Studie einen Überblick über innovative Technologien und Geschäftsmodelle der KEP-Branche und bewertet Nachhaltigkeitspotenziale. Darüber hinaus vermittelt sie einen hervorragenden Überblick über die derzeit am Markt befindlichen Lastenfahrrädern.

 
 
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