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Verkehr | Logistik

Unternehmen mit Verkehrspolitik in Europa nur bedingt zufrieden

Unternehmen mit Verkehrspolitik in Europa nur bedingt zufrieden

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Dipl.-Geograph Ulrich Schaller

Dipl.-Geograph Ulrich Schaller

Fachreferent für Verkehrsinfrastruktur, nachhaltige Logistik und intelligente Mobilität Tel: +49 911 1335 415

Die Union Europäischer Industrie- und Handelskammern für Verkehrsfragen (UECC) hat Ende 2015 / Anfang 2016 eine Umfrage zur Zufriedenheit mit der Verkehrspolitik in Europa durchgeführt. Die rund 550 Unternehmen aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Österreich und Luxemburg, die an der Umfrage teilgenommen haben, bewerteten insbesondere den Zustand und die Nutzbarkeit von Straßen und Breitbandinfrastruktur als nicht zufriedenstellend. In Mittelfranken haben sich 57 Unternehmen verschiedenster Größen an der Umfrage beteiligt, die auch in den IHK-Ausschüssen Ausschuss Industrie | Forschung | Technologie, Ausschuss Energie | Umwelt und Ausschuss für Verkehr und Logistik behandelt wurde.

Zusammenfassung der Ergebnisse

Insgesamt bewerteten die Unternehmen in Mittelfranken den Zustand der Straßen etwas besser als alle anderen deutschen Unternehmen insbesondere bei den Straßen fällt dies mit immerhin 0,4 Prozentpunkten auf. Österreich ist mit dem Zustand der Straßen um einen ganzen Punkt zufriedener als Deutschland, aber auch bei der Schiene gaben die Nachbarstaaten bessere Noten.

Bei der Nutzbarkeit schnitten fast alle Verkehrsmittel bei der mittelfränkischen Bewertung besser ab. Lediglich die Wasserwege wurden schlechter eingestuft, was aufgrund des Vorkommens von nur einem schiffbaren Wasserweg, der noch dazu nur eingeschränkt nutzbar ist (kein 2-3 lagiger Containerverkehr) verständlich ist.

Kosten werden von mittelfränkischen Unternehmern deutlich besser akzeptiert als in ganz Deutschland. Sind hier gleich auf mit der Schweiz. Insgesamt sind die Werte bis auf die Wasserstraße etwas besser.

Gut die Hälfte der Befragten in Mittelfranken ist der Meinung, dass Steuern und Abgaben vollkommen für die Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur eingesetzt werden sollen. Ein Drittel meint, das mind. 50 Prozent der Mittel hierzu herangezogen werden sollten. Insgesamt fiel damit das Urteil der mittelfränkischen Unternehmen etwas gemäßigter aus. Auf die Frage, ob die Straßeninfrastruktur durch Steuern und Abgaben des Straßenverkehrs finanziert werden sollte, antworteten in Mittelfranken 86 Prozent mit ja. Bundesweit waren es 90 Prozent, in Frankreich hingegen nur 70 Prozent.

Die Unternehmen sind überwiegend der Auffassung, dass die nationale Verkehrspolitik die Bedürfnisse der Wirtschaft nicht genügend berücksichtigt. Auch hier waren die Mittelfranken nicht ganz so kritisch wie im Bundesdurchschnitt: 28 Prozent der befragten vergaben in der Region die Note 1 oder 2 (auf einer Skala von 1 bis 4), bundesweit waren lediglich 18 Prozent so zufrieden. Weniger als ein Fünftel der Teilnehmer war mit Berücksichtigung der Wirtschaft komplett unzufrieden (Note 4), bei der Gesamtbefragung ist das immerhin ein Drittel.

Heftiger fiel die Kritik an der Verkehrspolitik der EU aus: Ein Durchschnittswert von lediglich 3,2 spricht für sich. In diesem Fall waren die mittelfränkischen Unternehmen noch kritischer als der Gesamtdurchschnitt: Zwei Fünftel waren der Meinung, dass die EU-Verkehrspolitik die Belange der Wirtschaft gar nicht berücksichtigt.

Betroffenheit durch Regulierungen

Am stärksten betroffen sind die Unternehmen in Mittelfranken von einer unterschiedlich konsequenten Durchsetzung von Regelungen in Europa. Dahinter liegen Fahrerarbeitszeiten, Sicherheitsstandards (die fast jedes zweite Unternehmen kritisierte) und Umweltstandards (gut ein Drittel). Die geringste Betroffenheit mit 7 Prozent haben mittelfränkische Unternehmen bei der Kabotage.

Diese Regulierungen äußern sich bei gut zwei Drittel der mittelfränkischen Unternehmen durch zusätzliche Kosten und zusätzlichen Bürokratieaufwand. Gut ein Drittel der Unternehmen muss bei der Umsetzung der Regulierungen auf externe Fachkompetenz zurückgreifen. Außerdem kritisierten die mittelfränkischen Unternehmen einen ruinösen Preiswettbewerb bei Ausschreibungen, die Rechtsunsicherheit und die fehlende Attraktivität des Fahrerberufes.

Den größten Harmonisierungsbedarf sieht die Wirtschaft bei den Mautsystemen: In Mittelfranken forderten fast drei Viertel der Unternehmen hier eine Vereinheitlichung. Auch die einheitliche Umsetzung von Kontrollen wünschen sich in allen Ländern fast 60 Prozent. In Mittelfranken fordern dies nur 46 Prozent deutlich weniger. Auch bei anderen Faktoren (Standards, Arbeitszeiten etc.) ist die Kritik aus Mittelfranken nicht ganz so ausgeprägt. Hintergrund ist vermutlich der geringere Anteil an besonders stark betroffenen Logistikunternehmen in Mittelfranken an dieser Umfrage.

Bei der Frage, ob EU-Vorschriften im Land des Befragten wirtschaftsfreundlicher oder wirtschaftsunfreundlicher umgesetzt werden als in anderen Ländern, fällt das Urteil der mittelfränkischen Unternehmen erneut weniger streng aus: Immerhin 34 Prozent der Unternehmen sind der Meinung, dass die EU-Vorschriften „so wie in jedem anderen Land auch“ umgesetzt werden. 60 Prozent (gegenüber 73 Prozent bundesweit) sind allerdings der Meinung, schlechter behandelt zu werden als Unternehmen in anderen Ländern. Am unzufriedensten mit der Umsetzung sind die Franzosen: Hier sind 85 Prozent der Meinung, weniger wirtschaftsfreundlich behandelt zu werden.

Auch nach Veränderungen bei LKW-Abmessungen und -Gewichten wurde im Rahmen der Umfrage gefragt: 46 Prozent der mittelfränkischen Teilnehmer wünschen sich den europaweiten Einsatz von Lang-LKW, 19 Prozent haben dazu keine Meinung. In der Schweiz haben mehr als ein Drittel der Teilnehmer keine Meinung zu Lang-LKW, da Schienengüterverkehr eine deutlich größere Rolle spielt. Die Heraufsetzung des Gesamtgewichtes eines LKW auf 60 Tonnen wird von 53 Prozent der Teilnehmer aus allen Ländern abgelehnt, auch in Mittelfranken sprachen sich 46 Prozent dagegen aus.

Verkehrspolitik: Nationale oder EU-Aufgabe?

Der Ausbau von Verkehrsinfrastruktur wird in den Ländern unterschiedlich intensiv betrieben, dennoch sind zwei Drittel der Befragten der Meinung, dass die Kosten für Teilstrecken von den Staaten bezahlt werden müssen. Eine zentrale Steuerung von Brüssel aus, die einem "Europa der unterschiedlichen Geschwindigkeiten" entgegen wirken könnte, lehnten 61 Prozent der befragten Unternehmen in Mittelfranken ab.

 
 
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