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Geschichte

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© Der Hauptmarkt, Ölgemälde von Lorenz Strauch

 

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Markus Lötzsch

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Nürnberg ist einer der traditionsreichsten und größten Handelsplätze Europas. Seit der Stadtgründung spielt die Nürnberger Kaufmannschaft eine bedeutende Rolle: Über die Jahrhunderte schuf sie die wirtschaftliche Grundlage für die politische Macht und den kulturellen Reichtum Nürnbergs im Deutschen Kaiserreich.

Am 16. April 1560 wurde von den Großkaufleuten die "Neue Marktordnung" durchgesetzt. Damals läutete auch zum ersten Mal das Börsglöcklein an den Brotlauben an der Sebalduskirche die Marktzeiten ein. Seitdem durften die Kaufleute selbst die Marktzeiten festlegen. Dieses Datum gilt deshalb als Beginn der wirtschaftlichen Selbstverwaltung in Nürnberg und damit als Geburtsstunde der heutigen Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken. Kaum eine IHK in Deutschland kann auf eine vergleichbar lange Geschichte zurückblicken. Die offizielle Gründung datiert auf das Jahr 1843, so dass die IHK im Jahr 2018 ihr 175-jähriges Bestehen feiern kann.

Im Folgenden haben wir einige Meilensteine der Historie der Industrie- und Handelskammer Nürnberg aufgelistet. Noch detailliertere Informationen zur Geschichte der Region und der IHK Nürnberg finden Sie auf der Seite zum 175-jährigen Jubiläum der IHK Nürnberg für Mittelfranken sowie in der Broschüre "IHK – 450 Jahre Wirtschaftsförderung".

Die Geschichte der IHK Nürnberg im Überblick

 

850 bis 1560: Die Anfänge

Das IHK-Gebäude selbst hat Stadtgeschichte geschrieben. Die Stadt-Fron oder die untere Waag wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. An gleicher Stelle entstand zunächst der Saalbau der IHK. Bei Bauarbeiten zum neuen Haus der Wirtschaft werden 2015 unter den abgebrochenen Kellern an der Waaggasse die ältesten Siedlungsspuren Nürnbergs gefunden: Keramikscherben, die ungefähr aus dem Jahr 850 stammen – 200 Jahre vor der ersten urkundlichen Erwähnung der Stadt 1040. 

Skizze Stadtwaage

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1560 bis 1843: Schritte zur Selbstverwaltung

Der "Herrenmarkt" auf dem Nürnberger Hauptmarkt, der Warenumschlagplatz der Großkaufleute, hat sich von einem Treffpunkt für vereinzelte Märkte und Messen zur ganzjährigen Warenbörse entwickelt – doch werden Geschäftsabschlüsse ohne allgemein verbindliche Regeln getätigt. Deshalb wenden sich die Nürnberger Kaufleute an den Rat der Stadt: Wie in Venedig und Antwerpen, in Hamburg und Köln sollen für den Großhandel feste Zeiten gelten und der Markt mit dem Börsglöcklein ein- und abgeläutet werden. Der Rat stimmt zu, erlaubt den Kaufleuten, an den Brotlauben von St. Sebald eine Glocke aufzuhängen und delegiert weitere Aufgaben der Marktaufsicht.

Die "Älteren Handelsleut" hatten die Marktglocke beschafft und den Marktabläuter bestimmt. Der Hohe Rat der Stadt bestellt zusätzlich zwei Marktherren, die der neuen Ordnung Respekt zu verschaffen und "Widerspenstige" zu bestrafen haben.

Die Vertreter der Kaufleute kümmern sich um die Marktordnung, müssen den Marktabläuter bezahlen, die Strafgelder verwalten und für eine ordentliche Kassenführung sorgen. Dafür mieten sie am Herrenmarkt, an der Westseite des Hauptmarkts, ein Marktgewölbe an. Die neue Marktordnung von 1560 ist die Geburtsstunde der selbst verwalteten Nürnberger Kaufmannschaft.

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1566: Zutritt nur für "ehrbare Personen"

Ein Kollegium von vier "Marktvorstehern", der Handelsvorstand, vertritt seit 1566 die Nürnberger Kaufmannschaft und ist damit eine der ältesten Institutionen der kaufmännischen Selbstverwaltung in Deutschland.

Die Kollegiumsnachfolger werden nicht gewählt, sondern von den Marktvorstehern vorgeschlagen und vom Rat der Stadt bestimmt. Ort der Zusammenkünfte der Nürnberger Oligarchie – adelige Honoratioren und Großkaufleute – ist die "Herrentrinkstube" im alten Waaggebäude in der Winklerstraße.

Hierarchisch definiert die "Trinkstubenordnung" den Kreis der "ehrbaren Personen und Geschlechter", die Zutritt zu dem erlauchten Kreis haben – kleine Handwerker und Kaufleute, die "en détail" verkaufen, bleiben ausgeschlossen. 

1570: Messegeleitzüge und schnelle Boten

Macht und Ansehen des Nürnberger Handelsvorstands, der ursprünglich als Schiedsgericht und Marktvorstand tätig ist, wachsen mit den Jahren. Ein europaweites Transportwesen wird organisiert. Regelmäßige Botenlinien stellen seit 1570 die Verbindung zu den wichtigsten Handelsplätzen sicher: Nach Straßburg, Wien und Breslau, nach Lyon, Antwerpen und Hamburg gehen die Waren. Geleitzüge zu den Messen nach Frankfurt und Leipzig schützen die wertvolle Fracht

Bald ist das fränkische Handelszentrum so bedeutend, dass sich die ersten offiziellen Kursnotierungen, ein eigenes Reglement zur Annahme fremder Währungen, durchsetzen – gegen den Widerstand der mächtigen Konkurrenz in Augsburg.

1621: Bargeldloser Zahlungsverkehr im 17. Jahrhundert

Die verheerende Verschlechterung des Münzgelds zu Beginn des 17. Jahrhunderts macht einen soliden Handel fast unmöglich. Auf Vorschlag des Handelsvorstands ruft der Rat der Stadt 1621 einen Banco Publico – eine städtische Girobank unter Aufsicht des Stadtrates – ins Leben, der nach dem Vorbild der großen Banken in Amsterdam, Hamburg und Venedig erstmals einen bargeldlosen Zahlungsverkehr ermöglicht und das Ansehen Nürnbergs als internationalen Handelsplatz weiter steigert.

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1806: Zusammenbruch des Kaiserreichs

Mit dem Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreichs unter Napoleon verliert Nürnberg seinen Status als freie Reichsstadt und wird 1806 Teil des Königreichs Bayern. Für das Nürnberger Patriziat bedeutet dies das politische Ende. Die zukunftsorientierte Kaufmannschaft jedoch verteidigt ihre Selbstverwaltung und wird zur ersten Macht in der Stadt. Als Kaufmann, Marktadjunkt im Handelsvorstand und zweiter Bürgermeister half besonders auch Johannes Scharrer (1785-1844) Nürnberg in der Zeit der Industrialisierung voranzutreiben. 

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1843 bis 1945: Gründung und Auflösung 

Mit der Gründung der Handelskammer für den Bezirk Mittelfranken am 15. Mai 1843 gilt Nürnberg als eine der Geburtsstätten des flächendeckenden Kammerwesens in Deutschland. Bis 1854 bestehen damit parallel der Handelsvorstand und die neue Handelskammer. Zu ihren Aufgaben in den Anfangsjahren gehört die Beratung der Regierung bei der Förderung des Handels. Mit der Reform 1886 durch König Ludwig II. kommt die "ständige Wirksamkeit". Das heißt: Zeitgleich mit der Einführung der Gewerbefreiheit erhält die Kammer Anhörungs-, Berufungs- und Initiativrechte sowie die direkte Wahl der Repräsentanten und die Beitragspflicht.

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1886: Wirtschaftliche Pionierleistung

Nürnberg ist in Bayern der Motor der Industrialisierung. Traditionsbranchen wie Maschinenbau und Elektrotechnik entstehen. Berühmte Namen wie Georg Simon Ohm, Sigmund Schuckert, Johann Friedrich Klett und Weltfirmen wie die Werke Faber, Faun, Leistritz, M.A.N., Siemens, Leoni, Schmitt & Sohn, Spaeth, Zündapp und Fahrradfabriken wie Hercules, Mars, Premier Cycle, Triumph und Viktoria machen das 19. Jahrhundert für Nürnberg zu einer Zeit wirtschaftlicher Blüte.

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1933: Das Ende der Freiheit

Mit der "Machtergreifung" der NSDAP 1933 beginnt eine Epoche der Unterdrückung und Vernichtung jeder Art von wirtschaftlicher Selbstverwaltung und politischer Freiheit, die im Terror des "totalen Staats" endet. Die IHK wird – wie die anderen Kammern und Wirtschaftsverbände auch – sofort gleichgeschaltet. Sie büßt ihre Selbstverwaltungskompetenz ein und wird mit der Errichtung der Gauwirtschaftskammer 1943 ganz aufgelöst.

 

1945 bis 2018: Neubeginn und Aufbruch

Von den katastrophalen Zerstörungen des zweiten Weltkriegs wird Nürnberg schwer gezeichnet. Nach den alliierten Luftangriffen im Januar 1945 liegt die Nürnberger Altstadt in Schutt und Asche. Das Waaggebäude in der Winklerstraße mit dem "Herrentrinkstüblein" ist zerstört. Vom IHK-Gebäude, seit 1563 Sitz der Marktvorsteher, stehen nur noch Reste der Außenmauern. Es wird bald nach Ende der Kriegshandlungen als eines der ersten Häuser am Hauptmarkt wieder hergerichtet. 

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Außerdem finden sich zügig nach Ende der Kriegshandlungen Vertreter der Unternehmen und der früheren Handelskammer zusammen, um über die wirtschaftliche Lage zu beraten. Die IHK wird neu konstituiert und leistet in den Jahren des "Wirtschaftswunders" tatkräftige Hilfe beim Wiederaufbau der zerstörten Region.

1989: Aufbruch in das 21. Jahrhundert

Mit der Öffnung der Grenzen zu Osteuropa und der Globalisierung sind die Herausforderungen an die Region und ihre IHK weiter gewachsen. Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung leistet die IHK engagierte Hilfe vor Ort in Thüringen.

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Berufsbildung, Technologietransfer, Innovationen und Unternehmensgründungen sind wichtige Handlungsfelder der IHK. Das 1997 eröffnete Service-Centrum in der Waaggasse bietet den mittelfränkischen Unternehmen umfangreiche Informationen und Dienstleistungen an. Die IHK hat sich zum modernen Dienstleister einer der großen Wirtschaftsregionen Deutschlands entwickelt.

2005: Europäische Metropolregion

Die intensiven Bemühungen der IHK Nürnberg für Mittelfranken tragen entscheidend dazu bei, dass ein großer Zusammenschluss nordbayerischer Gebietskörperschaften am 28. April 2005 in die Liga der damit elf Europäischen Metropolregionen in Deutschland aufgenommen wird. Mit rund 3,5 Millionen Einwohnern und einem Bruttoinlandsprodukt von 130 Milliarden Euro hat die "Europäische Metropolregion Nürnberg" (EMN), der heute 23 Landkreise und elf kreisfreie Städte angehören, auch international eine große Bedeutung.

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2010: Leitbild WaBe und 450 Jahre kaufmännische Selbstverwaltung

Das "Leitbild für nachhaltiges Wachstum und Beschäftigung (WaBe)" zeichnet seit 2010 die Orientierung der EMN vor. Es identifiziert sieben Kompetenzfelder, in welchen die Region wirtschaftliche und technologische Stärken aufweist: Information und Kommunikation, Medizin und Gesundheit, Energie und Umwelt, neue Materialien, Automation und Produktionstechnik, Verkehr und Logistik sowie Automotive.

Das umfassende Know-how wird seit der Fortentwicklung 2015/16 in den vier Aktionsfeldern "Digitale Gesundheitswirtschaft", "Intelligente Mobilität", "Nachhaltige Energiesysteme" und "Vernetzte Produktion" gebündelt. Die EMN bietet Lösungsansätze zu technologischen und gesellschaftlichen Zukunftsfragen an. Grundprinzip des unter der Federführung der IHK entstandenen Leitbildes ist der Konsens auf breiter regionaler Basis. Die IHK Nürnberg für Mittelfranken vertritt jetzt 145 000 Mitgliedsunternehmen.

Der Jahresempfang 2010 stand ganz im Zeichen des 450-jährigen Jubiläums der kaufmännischen Selbstverwaltung in Nürnberg: Zur Erinnerung an das erstmalige läuten des Börsglöckleins an der Sebalduskirche 1560 (siehe oben) wurde eine Gedenktafel am IHK-Gebäude enthüllt. Der Empfang, zu dem 250 Unternehmer und Politiker in den Historischen Rathaussaal gekommen waren, stand unter dem Motto "450 Jahre Wirtschaftsförderung – Selbstverwaltung in Selbstverantwortung".

Anlässlich des Jubiläums entstanden die Broschüre "IHK – 450 Jahre Wirtschaftsförderung" und ein begleitendes Video zur Geschichte der kaufmännischen Selbstverwaltung, welches am Ende der Seite zu finden ist.

 

2018: Verantwortung als Gestaltungsauftrag

Die Bausubstanz des IHK-Gebäudes ist stark erneuerungsbedürftig. 2011 entscheidet
sich die Vollversammlung der IHK daher für eine Generalsanierung mit Teilneubau. Das neue "Haus der Wirtschaft" bleibt auf diese Weise am Traditionsstandort Hauptmarkt erhalten. Wichtige Aspekte der Baumaßnahme sind Kundenorientierung, zeitgemäße Arbeitswelten, Energieeffizienz und Barrierefreiheit. Das neue Gebäude hält zudem Räume für öffentliche Veranstaltungen sowie Gastronomie und Läden vor. Bis zur Einweihung 2019 befindet sich das Interimsquartier der IHK Nürnberg für Mittelfranken im "Loftwerk" der Ulmenstraße 52 in der Nürnberger Südstadt.

2018 feiert die IHK ihr 175-jähriges Bestehen. Der Markenkern "Wirtschaft in Eigenverantwortung", der bereits dem Wirken des Handelsvorstands 1560 zugrunde liegt, erweist sich als Erfolgsgeschichte und begründet den Gestaltungsauftrag für die Zukunft. Besondere Bedeutung hat dabei das Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns. Im IHK-Gesetz verankert, ist es für die IHK als unabhängige, selbstverwaltete Institution der mittelfränkischen Wirtschaft Tradition und Verpflichtung zugleich.

 

Wichtige Personen unserer Geschichte seit 1843 

Hier finden Sie eine Liste aller Präsidenten, Vorstände und Vorsitzender, die seit 1843 an der Spitze der IHK oder ihrer Vorgängerinstitutionen standen.

Handelskammer Mittelfranken

1843 - 1845 Dr. Friedrich Campe

1843 - 1853 Carl Benedikt Crämer (1. Vorstand)

1845 - 1851 Albert Billing (2. Vorstand)

1851 - 1853 Daniel Ley (2. Vorstand)

Kreis-, Gewerbe- und Handelskammer Mittelfranken

1854 - 1856 Johann Christian Merck

1856 - 1857 Carl Conrad Cnopf

1857 - 1863 Johann Christian Merck

1863 - 1867 Johann Benedikt Zahn

Handels- und Gewerbekammer Mittelfranken

1869 - 1876 Hermann Müller

1876 - 1892 Friedrich von Grundherr

1893 - 1896 Jakob Volleth

1897 - 1898 (Vakant)

1899 - 1901 Ludwig Gebhardt

1902 - 1906 Otto Soldan

Handelskammer Nürnberg (ab 1912)

1907 - 1923 Eugen Mayer

1923 - 1924 Hermann Hetzel

Industrie- und Handelskammer Nürnberg (ab 1927)

1925 - 1933 Georg Ernst Schmidmer

1933 - 1937 Georg Schaub

1937 - 1939 Otto Strobl

1939 - 1942 Ernst Franke

1945 - 1946 Dr. Rudolf Kreutzer

1946 - 1948 Konsul Achill Scheuerle

1948 - 1952 Rudolf Haas

1952 (31.01. bis 27.03.) Wilhelm Nuber (kommissarisch)

1952 - 1963 Wilhelm Tafel

1963 - 1971 Dr. Fritz Scharlach

1971 - 1989 Konsul Senator Walter Braun

1989 - 1995 Dr. Gustl Drechsler

Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken
(ab Mai 1997)

1995 - 2000 Prof. Hubert Weiler

2000 - 2005 Hans-Peter Schmidt

2005 - 2010 Prof. Dr. Klaus L. Wübbenhorst

Seit 2010 Dirk von Vopelius

Anlässlich des 450-jährigen Jubiläums der kaufmännischen Selbstverwaltung in Nürnberg hat die IHK ein Video produziert, das die bisherige Geschichte der Kammer zusammenfasst.

 
 
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