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Martin Bauer Group

Die Greuther und ihre Kräuter

Die Kompetenz der MB-Holding bei Tee und Extrakten ist weltweit gefragt – und eine wachsende Nachfrage nach Eistee sorgt für weitere Phantasie.

Vestenbergsgreuth, das Dorf mit etwa 500 Einwohnern am Rande des Steigerwalds, würde heute wohl keinerlei öffentliches Interesse wecken, wäre nicht Martin Bauer gewesen. Er wurde 1902 als Sohn eines Landwirts geboren und musste nach dem Ersten Weltkrieg miterleben, wie der damals verbreitete Hopfenanbau durch eine Pilzkrankheit ein plötzliches Ende fand. Mit dem Anbau von Pfefferminze, Kamille, Baldrian und anderen Kräutern entwickelte er ein neues Geschäftsfeld, das 1930 in die Gründung einer Kräuter- und Vegetabilienhandlung mündete. Diese bildete den Ursprung des heutigen Weltunternehmens, das führend bei Anbau, Veredelung und Vermarktung pflanzlicher Produkte ist.

Die Unternehmensgruppe, die als MB-Holding unter dem Titel „the nature network“ mehrere Geschäftsgebiete vereint, beschäftigt weltweit mehr als 3 000 Mitarbeiter, darunter 950 am Stammsitz Vestenbergsgreuth. Sie verarbeiten pflanzliche Rohstoffe aus mehr als 50 Ländern zu diversen Kräuter-, Früchte- und Arzneitees und zu Extrakten, die in Erfrischungsgetränken oder in phyto-pharmazeutischen Produkten eingesetzt werden. 40 000 Tonnen Rohware umfasst die Jahresproduktion, ein Hundertstel davon wird noch von vier Landwirten um Vestenbergsgreuth angebaut.

Die Erfolgsgeschichte des heutigen Marktführers vollzog sich in mehreren Etappen: Zu den Garanten zählte Hans Wedel, seit 1952 Martin Bauers Schwiegersohn. Die zunehmende Nutzung des Aufgussbeutels bescherte dem Familienunternehmen ein rasantes Wachstum. So schafften neu entwickelte Schneideanlagen eine Produktionsmenge von zehn Tonnen Kräuterfeinschnitt täglich, womit fünf Mio. Teebeutel bei den Kundenunternehmen gefüllt werden konnten. 1980 ein weiterer Meilenstein: Mit der Gründung des Tochterunternehmens Plantextrakt gelang der Einstieg in das Geschäft mit Pflanzenextrakten, 1986 wurde eine neue Technologie zur Entkoffeinierung von Schwarztee entwickelt. 1989 kam der damalige Marktführer für phyto-pharmazeutische Extrakte zur Firmengruppe hinzu.

Aus dem einstigen Betriebslabor wurde 1993 die eigenständige Gesellschaft PhytoLab, die heute als akkreditiertes und unabhängiges Prüflabor für pflanzliche Produkte agiert und mit 180 Mitarbeitern zu 50 Prozent Drittkunden bedient. Mit dem Einstieg in neue Märkte wie Tschechien, Russland und Polen entstand nach der Wende der weitere Geschäftsbereich Europlant Group, der pflanzliche Arzneimittel produziert, die ausschließlich in Mittel- und Osteuropa direkt über Apotheken vertrieben werden. 1998 wurde die Firma Paul Müggenburg in Alveslohe bei Hamburg, ebenfalls Spezialist für pflanzliche Rohstoffe und damalige Nr. 2 im Wettbewerb, übernommen. Weitere Übernahmen, Gründungen und Vertriebsstützpunkte in Spanien, Italien, den USA, in der Türkei, in Singapur, auf den Philippinen sowie ein Joint-Venture in China stärkten in den letzten 15 Jahren die Firmengruppe und stellten sie auf eine internationale Basis. Der Umsatz von 450 Mio. Euro wird heute zu zwei Dritteln im Ausland erzielt. Aber nicht nur die Kunden kommen aus aller Welt, auch die Rohstoffe für die 300 bis 350 Sorten Kräuter- und Früchtetees werden von allen fünf Erdteilen bezogen.

Produktion für bekannte Marken

Kräuter- und Früchtetees bilden nach wie vor die Schwerpunkte der Produktion, die ausnahmslos den Kundenunternehmen zur Weiterverarbeitung zur Verfügung gestellt wird. Eigene Marken vertreibt die Martin Bauer Group nicht, ihre Tees und Extrakte kommen unter den bekannten Markenlabels in den Handel. Im vergangenen Jahr wurde – bei einem Marktzuwachs von vier bis fünf Prozent – wieder mehr Tee nachgefragt. Einen Boom in den nächsten Jahren verspricht die Nachfrage nach Eistee – hauptsächlich bei jungen Leuten und in Märkten wie China, dem Tee-Land schlechthin.

Geführt wird die Gruppe von Martin und Adolf Wedel, den Enkeln von Martin Bauer, sowie von Albert Ferstl und Peter Köhr. Helmut Hack, ehemaliger Geschäftsführer der MB-Holding, ging vor Kurzem nach 50-jähriger Betriebszugehörigkeit in den Ruhestand. Nach wie vor ist er Präsident der SpVgg Greuther Fürth, die seit vielen Jahren von der Gruppe als Sponsor unterstützt wird. Die Gruppe fördert nicht nur den Fußball-Zweitligisten, sondern auch Kultur in der Region (z.B. „Klassik am See“, Freilandtheater Bad Windsheim) und Sozialprojekte (Laufer Mühle, Lebenshilfe, Förderungen durch den eigenen Sozialfonds).

Mit dem vor acht Jahren eingerichteten Kräutergarten, der im Ortskern von Vestenbergsgreuth zu finden ist und in dem von April bis Oktober in der Region wachsende Heilkräuter zu sehen sind, wollen die Geschäftsführer Azubis und Mitarbeiter sowie Ausflügler und andere Interessenten für den Wert dieser Pflanzen sensibilisieren. Für die Allgemeinheit engagieren sich Adolf und Martin Wedel darüber hinaus in der Kommunalpolitik bzw. im IHK-Ehrenamt – wie einst Firmengründer Martin Bauer, der jahrzehntelang Bürgermeister von Vestenbergsgreuth war. Als Unternehmer wollen sie Werte wie die Achtung vor der Natur vorleben und setzen auf ein stabiles Geschäft statt auf kurzfristiges Wachstum. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor seien die Mitarbeiter und deren Identifikation mit dem Unternehmen.

Autor: 

ug.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 01|2014, Seite 70

 
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