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Digitalisierung

Eintauchen in virtuelle Welten

Durch die digitale Brille: Komplexe Produkte und Prozesse wie in der Realität erleben.

Komplexe Inhalte mit modernen Technologien darstellen: Die Digitalisierung eröffnet neue Chancen in der Messe-Kommunikation. Von Gregor Bruchmann

Wie bringt man auf Messen seine Botschaften an die Besucher? Wie kann man erklärungsbedürftige Produkte realistisch demonstrieren? Diese Fragen stellen sich die Planer in den Unternehmen stets, wenn ein Messeauftritt zu organisieren ist. Technologien wie Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR) oder Holographie eröffnen ihnen die Möglichkeit, die Messegäste gleichsam in Maschinen, Anlagen und viele andere komplexe Produkte eintauchen zu lassen. Diese Technologien, die sich in den letzten Jahren weiterentwickelt haben, sind längst dem Stadium einer Spielerei für Technik-Freaks entwachsen. Sie lassen sich heute vielfältig und auch kostengünstig einsetzen. Die Messeverantwortlichen sollten sich deshalb intensiv damit auseinandersetzen, welche Inhalte und Botschaften sich am besten damit vermitteln lassen. Denn klar ist: Die virtuellen Technologien sollten nicht einfach als Attraktion gesehen werden; es kommt darauf an, geeignete Inhalte damit zu transportieren.

Was ist Immersion?

Der Gedanke der Immersion, also des Eintauchens in neue Welten, ist nicht neu und nicht erst im digitalen Zeitalter entstanden. Im Grunde ermöglicht schon ein klassisches Brettspiel, sich in eine neue Welt zu begeben, eine eigene Story zu erleben und diese durch eigenes Handeln mitzugestalten. Ob dies gelingt, liegt wesentlich am Spielkonzept und an den Spielregeln. Wie intensiv das Spielerlebnis letztlich ist, hängt zu großen Teilen davon ab, wie klar und eindeutig die Spielwelt definiert ist.

Bei der Messekommunikation nehmen Unternehmen die Rolle des Spieleentwicklers ein. Sie geben den Rahmen vor, in dem sich die Besucher innerhalb der Technologie bewegen. Die Immersion ist dabei das zentrale Ziel, um die Inhalte bei den Messebesuchern zu verankern. Dafür reicht eine oberflächliche Show nicht aus, die Nutzer müssen alles so real wie möglich wahrnehmen und die Produktwelten frei, interaktiv und in Echtzeit erleben. Je abstrakter der Inhalt, desto konkreter müssen die Botschaften sein. Gleichzeitig müssen die Anwendungen es schaffen, vielen verschiedenen Besuchern mit unterschiedlichen Hintergründen genau die Informationen zu bieten, die sie brauchen.

Messeauftritte inszenieren

Die „Inszenierung“ des Messeauftritts beginnt allerdings nicht mit der Form und der Technologie, sondern mit dem Inhalt. Am Anfang muss klar sein: Was will ich erzählen? Erst dann wird die passende Technologie dafür ausgewählt. Gefragt ist bei diesem Prozess das Know-how mehrerer Experten: Texter, Strategen, Software-Entwickler, Grafikdesigner und Messebauer. Dieses Team sollte gemeinsam die Inhalte zusammenführen und konkretisieren. Anschließend werden in einem kreativen Prozess Ideen entwickelt, wie man den Messebesuchern diese Inhalte vermitteln könnte. Ob dafür Technologien wie VR und AR eine Option sein können, hängt auch von den Zielgruppen ab. Auf Messen treffen sich viele verschiedene Menschen und Berufsgruppen, die unterschiedlich auf bestimmte Technologien reagieren. Einen jungen, medienaffinen Informatiker wird man durch virtuelle Angebote sicher ganz anders „abholen“ können als nüchterne Kaufleute. Auf keinen Fall kann man voraussetzen, dass alle Besucher am Stand von vornherein eine Affinität dafür haben. Die einen finden beispielsweise VR-Brillen überaus interessant und haben vielleicht schon Erfahrungen damit gemacht, andere müssen sich erst überwinden, eine solche Brille überhaupt aufzusetzen.

Das Eintauchen und Interagieren in virtuellen Welten funktioniert jedoch auch ohne VR-Brille bestens, wie auf der Fachmesse SPS IPC Drives 2017 in Nürnberg demonstriert wurde. Dort setzte die Siemens AG auf ihrem Messestand das „interactive Telescope“ ein – eine Art „intelligentes“ Fernglas: Damit kommunizierten die Messebesucher von einer Aussichtsplattform aus mit den Maschinen. Gesteuert wurde die Kommunikation über die MindSphere, das Internet-of-Things-Betriebssystem von Siemens. Die visuelle Verknüpfung von Maschinen und MindSphere machte die Beobachter zu aktiven Teilnehmern; die Möglichkeiten der Digitalisierung wurden für sie konkret sichtbar. Auf diese Weise gelang es, IT-Experten und Maschinenbauer gleichermaßen anzusprechen.

Neue Technologien machen es also einfacher, die reale und die virtuelle Welt verschmelzen zu lassen. Damit dies wirklich gelingt – und die Nutzer am Ende auch die Botschaften wahrnehmen – müssen Messeinszenierungen von Grund auf inhaltlich durchdacht und mit der richtigen Technologie umgesetzt werden. Messeplaner und Medienexperten müssen eine gemeinsame Vorstellung davon entwickeln, welche Geschichte erzählt werden soll und wie man daraus eine virtuelle Erlebniswelt kreiert, in die die Besucher eintauchen können.

Autor: 

Gregor Bruchmann ist Geschäftsleiter für Strategie und Beratung der hl-Studios GmbH in Erlangen, die auf Industriekommunikation in Bereichen wie Print, Online, Film, Foto, digitale Medientechnologien sowie Events und Messen spezialisiert ist (www.hl-studios.de).

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 01|2018, Seite 102

 
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