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Thermo Fisher

Mit Messgeräten Spitze im Weltmarkt

Wenn deutsche Stadtverwaltungen den Feinstaub analysieren und Fahrverbote festlegen, wenn der Deutsche Wetterdienst über die Radioaktivität in der Luft wacht und wenn die Angehörigen des Police Department in New York eventuellen Kontaminationen nachspüren, dann haben all diese Aktivitäten eines gemeinsam: Die Messgeräte dafür stammen aus der Produktion der Thermo Fisher Scientific an der Frauenauracher Straße in Erlangen. Das Erlanger Werk des US-Konzerns Thermo Fisher Scientific erzielt mit 250 Mitarbeitern einen Umsatz von 66 Mio. Euro.

Die US-Technologiekonzern mit Sitz in Waltham, Massachusetts, wurde 1902 gegründet, die weltweit 34 000 Beschäftigte in 40 Ländern setzen rund elf Mrd. Dollar um. 350 000 Kunden in 150 Staaten beziehen die Produkte, die in der Pharma- und Biotech-Industrie, in klinischen und diagnostischen Einrichtungen, Hochschulen und Forschungslabors, in Behörden, in der Umweltanalytik und bei der Steuerung von industriellen Prozessen zum Einsatz kommen. Der Erlanger Geschäftsführer Robert Lin, Spross eines alteingesessenen mittelständischen Unternehmens in der Hugenottenstadt: "Wir sind Marktführer im Dienst der Wissenschaft und versetzen unsere Kunden in die Lage, die Welt gesünder, sauberer und sicherer zu machen."

Der Erlanger Ableger des Weltkonzerns, der in Deutschland 20 Werke und Vertriebsbüros an 16 Standorten mit 2 500 Mitarbeitern unterhält, lässt sich dabei bis ins Jahr 1949 zurückverfolgen. Damals entstand die Firma Friesecke & Hoepfner, die 1981 in die FAG Kugelfischer überführt wurde. 1993 wurde der Messgeräte-Hersteller an die Thermo Instrument Systems verkauft und nach einigen weiteren Namensänderungen (z. B. Eberline und Thermo Electron) mündeten die beiden Erlanger Geschäftsbereiche PID und EID dann 2006 im Thermo-Fisher-Konzern.

In die Erlanger Immobilie, die auf einer Fläche von 20 000 Quadratmetern (mit Erweiterungsmöglichkeiten) entstanden ist und 4 500 Quadratmeter für die Produktion sowie 5 000 Quadratmeter für Büros und Verwaltung bereithält, sind die Mitarbeiter 1990 eingezogen. Oberbürgermeister Dr. Siegfried Balleis, damals Wirtschaftsreferent, erinnert sich: "Wir haben uns damals gegen zehn konkurrierende Standorte durchgesetzt. Fast wäre das Werk in den neuen Bundesländern entstanden." Die Entscheidung für Erlangen hat man beim Unternehmen bis heute nicht bereut. Lin nennt die optimale Verkehrsanbindung mit Flughafen und Autobahn, die Möglichkeiten der Synergien mit der Friedrich-Alexander-Universität und die Nähe wichtiger Kunden wie Siemens und Areva ebenso wie die große Zahl qualifizierter Arbeitskräfte. Kritik übt Lin allerdings an den deutschen Hochschulen, die im Hinblick auf die Nuklearindustrie zu wenig Nachwuchs bereitstellen.

Messgeräte, die Radioaktivität ermitteln, gehören nämlich zu den Standbeinen des Erlanger Werks. Sie werden in vielfältiger Form eingesetzt, um verborgene oder verschüttete Strahlenquellen aufzuspüren – so etwa nach dem letzten Erdbeben in China, an Schrottplätzen oder bei Speditionen wie FedEx und UPS. 370 Feuerwehren in Deutschland sind mit Spürgeräten ausgestattet worden. Sonderanfertigungen von Sicherheitsschleusen gab es beim G8-Gipfel in Heiligendamm, um die prominenten Teilnehmer vor eventuellen Anschlägen zu schützen.

Der zweite Geschäftsbereich kümmert sich um Messanlagen für Metall wie Stahl, Blech oder Aluminium. So werden z.B. in Walzwerken mittels Röntgenstrahlen die Stärke, Temperatur oder Kristallstruktur der jeweiligen Materialien gemessen. In Teilbereichen wie etwa bei Verzinkungsprozessen zählt man sich in Erlangen sogar zu den absoluten Weltmarktführern. Rund 66 Mio. Euro Umsatz standen für 2008 im Plan des Erlanger Werks – mit einem Ergebnis unter dem Strich von 6,6 Mio. Euro.

In den letzten fünf Jahren wurde die Mitarbeiterzahl um 25 Prozent gesteigert – Ausdruck auch des erfolgreichen internen Wettbewerbs im Konzern. So gelang es, bestimmte Fertigungsprozesse von Santa Fe/USA sowie ein Prüfzentrum von England jeweils nach Erlangen zu verlagern. Auch dies sind Ergebnisse der erwähnten Vorteile bei der Infrastruktur, die Erlangen im Gegensatz zu anderen Städten aufweisen kann.

Autor: 
Udo B. Greiner
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 01|2009, Seite 52

 
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