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Vogel Hornwaren

Markterfolg im Mittelalter

Bei Mittelalter-Fans im ganzen deutschsprachigen Raum sind die Produkte der Vogel Hornwaren GmbH mit Sitz in Zirndorf gefragt: Das Familienunternehmen fertigt in Handarbeit Trink- und Rufhörner sowie eine Reihe anderer Artikel aus Horn und kann dabei auf eine lange Tradition zurückblicken.

Der Betrieb wurde im Jahr 1895 gegründet und stellte in den Anfangsjahren hauptsächlich Rufhörner her, die damals als Spielzeug beliebt waren. Nach Kenntnis von Geschäftsführer Marco Vogel, der das Unternehmen heute in der fünften Generation gemeinsam mit seinem Vater Willi Vogel leitet, gab es zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts allein in Zirndorf fünf Manufakturen, die auf Hornwaren spezialisiert waren. Sie fertigten neben Rufhörnern damals auch eine Reihe von Alltagsgegenständen aus Horn wie beispielsweise Besteck oder Kämme. Diese gehören bei Vogel Hornwaren auch heute noch zum Sortiment, das darüber hinaus Dekorationsartikel (z.B. Windlichter, Vasen, Schalen, Dekohörner), Artikel für den Tisch (u.a. Eierbecher, Pfeffer- und Salzstreuer), Schmuck (Armreife, Ohrringe, Spangen, Knöpfe) und Spielwaren (u.a. Pfeifen, Nostalgieautos und Würfelbecher) umfasst. Diese Produkte werden beispielsweise über Deko-Abteilungen von Möbelhäusern, Haushaltwarengeschäfte sowie Souvenir- und Spielzeugläden vertrieben.

Das Hauptgeschäft macht die Vogel Hornwaren GmbH seit den 90er Jahren jedoch mit Trink- und Rufhörnern, wie Senior-Chef Willi Vogel erklärt. Das liegt vor allem am gestiegenen Interesse für das Mittelalter und an den zahlreichen Mittelalterfesten und Ritterspielen. Die Veranstalter solcher Feste bzw. die Betreiber von Marktständen sind eine wichtige Zielgruppe, auf die rund 40 Prozent des Umsatzes entfallen. Selbst nach Skandinavien werden die Hörner geliefert, wo sie bei Wikingerfesten verkauft werden. Die Produkte sind zudem auf historischen Weihnachtsmärkten sowie bei Veranstaltungen der Gothic-Szene und bei Hardrock-Festivals erhältlich. Zu den Geschäftspartnern zählt auch der stationäre Einzelhandel, der sich auf die entsprechenden Zielgruppen spezialisiert hat. Neue Kundenkreise werden über Fachmessen sowie die Internet-Präsenz erschlossen, wobei ausschließlich an Wiederverkäufer, nicht an Endverbraucher geliefert wird.

Die Hörner, aus denen die Trink- und Rufhörner entstehen, werden in der Regel aus Nigeria und Indien importiert. Die afrikanischen Hörner stammen u.a. von Watussi-Rindern, sind groß und haben unterschiedliche Farben und Maserungen, während die indischen kleiner und weniger bunt sind. „Die Hörner sind Nebenprodukte der Fleisch- und Lederherstellung. Keines der Tiere musste wegen der Hörner sterben“, so Marco Vogel, der auf die strengen veterinärmedizinischen Prüfungen in den Herkunftsländern, am Hamburger Zoll und im eigenen Betrieb verweist. Die fünf Mitarbeiter verarbeiten die ausgehöhlt angelieferten Hörner weiter, indem sie sie waschen, schleifen, polieren und lebensmittelecht lackieren. Je nach Kundenwunsch werden sie auch mit Schriften oder mit Zinnapplikationen (z.B. Wappen) versehen. Insgesamt werden in der Zirndorfer Klampferstraße, wo sich der Firmensitz seit der Gründung befindet, pro Jahr etwa 20 Tonnen Horn verarbeitet. Marco und Willi Vogel, die in Auftragsabwicklung, Produktion und Verwaltung von Sandra Vogel unterstützt werden, zeigen sich mit der Geschäftslage sehr zufrieden: Zwar gebe es einige Mitbewerber und Billigimporteure, man habe sich aber mit dem Anspruch „handgefertigte Qualität aus Deutschland“ einen großen und stabilen Kundenkreis erarbeitet.

Autor: 
bec.
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 07|2013, Seite 57

 
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