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Sound-Design

Nicht zu überhören

Wenn Unternehmen passende Töne zu ihren Produkten oder Dienstleistungen kreieren, bleiben sie bei ihren Zielgruppen nachhaltig im Gedächtnis. Auch im Mittelstand findet dieses Marketing-Instrument zunehmend Anklang. Von Bernhard Pluskwik

Wer kennt ihn nicht, den markigen Sound eines Porsche 911? Manche Autos erkennt man eben blind – am Geräusch ihrer Motoren. Doch nicht nur am satten Klang von Kolben, Ventilen und Türen wird in den Sound-Labors getüftelt. Die Kommunikationsabteilungen arbeiten auch daran, durch intonierte Logos, Filmmusiken oder Warteschleifenmusik Wirkung zu erzielen.

Gute Sounds sind Gänsehaut-Garanten, sie lassen uns in Erinnerung schwelgen und bringen unseren Puls auf Touren. Zwar sind wir ständig von Klängen und Geräuschen umgeben, aber einige davon sind eben einzigartig. Wer es also versteht, Töne stimmig zu arrangieren und sie zur richtigen Zeit ernst oder heiter, majestätisch, edel, markig, sanft oder wild zu gestalten, kann sich unsterblich machen. Man denke an Themen aus Filmklassikern wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ oder auch an die markanten fünf Klaviertöne, mit denen die Telekom ein Musterbeispiel der akustischen Markenführung geschaffen hat.

In der Industrie spielt der Wohlklang der Dinge längst auch beim Produkt-Design eine wichtige Rolle. So sollen beispielsweise Staubsauger nicht zu leise sein, da gerade die Lautstärke dem Nutzer eine hohe Saugleistung suggeriert. Cornflakes werden als ganz besonders lecker wahrgenommen, wenn sie im Mund auf die richtige Art knuspern. Andere Firmen haben „den guten Ton“ zum Bestandteil ihres Firmenlogos gemacht oder untermalen damit einen Produkt-Relaunch. Viel Potenzial für das Sound-Design steckt noch bei den Internet-Auftritten der Unternehmen, die eindrucksvoller werden können, wenn man dort Sounds richtig platziert.

Entscheidend sind Töne auch für den Erfolg von Apps, die ganz individuell vertont werden. Das liegt daran, dass viele Nutzer ein akustisches Feedback wünschen, wenn sie auf dem Smartphone herumtippen. Denn mit dem Gehör lässt sich ein Sachverhalt viel schneller erfassen als mit den Augen. Ein Beispiel ist das markante Geräusch, wenn man als User an einem Mac etwas in den Papierkorb wirft. Viele werden sich noch an das „gehörte“ Versenden einer E-Mail erinnern, einem Klassiker aus der Urzeit der elektronischen Kommunikation.

Starke Töne haben einen großen Einfluss darauf, wie die Produktqualität vom Kunden wahrgenommen wird, wie Beispiele aus der Automobilindustrie zeigen. So setzt Audi bei jedem Modell auf ein ganz individuelles Sound-Design. Das Fahrzeug soll nicht nur wie ein Audi klingen, sondern speziell wie ein A1, A4 oder Q5. Bereits bei der Entwicklung werden die Fahrzeuge „mikrofonisiert“, d.h. die Sound-Designer arbeiten beispielsweise am eleganten Geräusch beim Zuschlagen der Türe oder am edlen Blinker-Ton.

Dank Sound-Design lassen sich Informationen leichter vermitteln, die Erlebnisqualität wird intensiviert und der Wiedererkennungswert einer Marke oder eines Produkts lässt sich steigern. Zudem lassen sich Emotionen und Kaufentscheidungen über den gezielten Einsatz von Tönen und Geräuschen beeinflussen. Das gilt auch für das Marketing, das auf Unternehmenskunden abzielt (Business-to-Business). Das beginnt bei der Integration von Tönen in die Produkte und Produktoberflächen, etwa im Maschinen- und Anlagenbau. An einer Werkzeugmaschine können intuitiv verständliche Sounds warnen, hinweisen oder bestätigen, sodass Sicherheit, Bedienerfreundlichkeit und Ausfallsicherheit verbessert werden. Bei der Werbung für solche „nüchternen“ Produkte stellen Töne eine emotionale Zusatzkomponente dar.

Den konkreten Nutzen des Sound-Designs bestätigen auch Vertreter der Wissenschaft: So integrieren Prof. Dr. Cornelius Pöpel (Studiengang Multimedia und Kommunikation an der Hochschule Ansbach) und Prof. Dr. Maximilian Kock (Experte für Audioproduktion und Veranstaltungstechnik an der Hochschule Amberg-Weiden) dieses Thema mittlerweile in die Ausbildung ihrer Studenten.

Autor: Bernhard Pluskwik, ist Geschäftsführer der Agentur GernBotschaft in Fürth, die sich im Rahmen integrierter Unternehmenskommunikation bereits seit Längerem mit dem Thema Sound-Design beschäftigt (www.gernbotschaft.com).
 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 10|2013, Seite 64

 
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