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Editorial

Alles in bester Ordnung?

Auf kaum einem Gebiet gibt es so viele Missverständnisse wie bei der politischen Regelung unserer marktwirtschaftlichen Ordnung, kurz Ordnungspolitik. Knapp vor dem Jahreswechsel erlebten wir einen medialen Aufschrei, weil Energieversorger ihre Einkaufsvorteile nicht „umfassend an ihre Kunden weitergegeben“ hätten. Zu allem Überfluss reagierten die einschlägigen Verbandsfunktionäre auch noch mit wachsweichen Rechtfertigungen.

Nanu? Marktwirtschaft, erst recht soziale Marktwirtschaft lebt vom Wettbewerb, dem sich alle aussetzen, die unternehmerisches Risiko eingehen. Die Politik hat für einen intakten Wettbewerb ohne Kartellbildung zu sorgen, im Energiemarkt zugegeben keine ganz leichte Aufgabe. Die Unternehmen wiederum streben in diesem Wettbewerbsumfeld nach Gewinnen, natürlich auch durch die Nutzung von Einkaufsvorteilen. Das Gegengewicht sind Verbraucherinnen und Verbraucher, die zunehmend kritisch, informiert und vernetzt sind.

Wer das Gewinnstreben der Unternehmen mehr oder minder offen in Frage stellt, legt die Axt an unsere Wirtschaftsordnung. Die Alternative zu Privateigentum, unternehmerischer Risikobereitschaft und Gewinnerzielungsabsicht kann nur Planwirtschaft sein – eine grandios gescheiterte Episode der Geschichte.

Ich werde nicht müde, die ethischen und sozialen Elemente der Erhard’schen Wirtschaftsidee zu betonen, ich weise bei jeder Gelegenheit auf die gesellschaftliche Verantwortung von uns allen hin. Aber man muss beide Seiten der Medaille sehen. Ohne die Chance, in einem Unternehmen Gewinne zu erzielen, würde unser gesamtes Wirtschaftssystem in kurzer Zeit kollabieren. An den Folgen hätten alle schwer zu tragen.

Autor: 

IHK-Präsident
Dirk von Vopelius

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 03|2016, Seite 3

 
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