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Editorial

Schule des Lebens

Wir erleben eine merkwürdige Entwicklung: Einerseits klagen Unternehmen über mangelnden Nachwuchs, andererseits sind junge Menschen mit hervorragender akademischer Bildung oft monatelang vergeblich auf Stellensuche.

Gerade kleinere Betriebe tun sich schwer, Einsteigern mit hart erarbeiteten Master-Titeln, aber ohne wirkliche Berufserfahrung eine brauchbare Stelle anzubieten. Was läuft da schief?

Statt uns über den oft zitierten Akademisierungswahn auszulassen, sollten wir jede Chance nutzen, die duale Berufsbildung anziehender zu machen. Hier sind alle gefragt: Politik, Kammern, Gewerkschaften, vor allem aber jeder einzelne Betrieb. Was tun wir, um unsere Unternehmen und deren Berufsbilder in Elternhaus und Schulalltag bekannt und bewusst zu machen?

Eine einfache Möglichkeit ist eine nachhaltig angelegte Partnerschaft mit einer Schule in der Nachbarschaft. In aller Regel sind die Verantwortlichen dort dankbar über jeden Kontakt zur Unternehmenswelt und freuen sich über kreative Zusammenarbeit in Projekten. Das muss nicht zwingend mit großem finanziellen Engagement verbunden sein. Ein gemeinsam erstelltes Technikmodell, ein Unternehmensspiel, eine knifflige Sonderaufgabe und schon haben wir Kontakt zu interessierten jungen Leuten, die sich mit etwas langem Atem als zukünftige Leistungsträger entwickeln können.

Übrigens, das polarisierte Denken Studium oder Ausbildung ist längst überholt. Beide Bildungswege sind mittlerweile gleichzeitig und natürlich auch nacheinander möglich, das berufsbegleitende Bildungsangebot ist so groß wie noch nie. Wir reden gerne von lebenslangem Lernen – warum erwarten wir von unseren Kindern, dass sie in ihrer Jugend ein Maximum an Bildung in sich hineintrichtern, um dann ein Berufsleben lang davon zehren zu können? Zeit zum Umdenken.

Autor: 

HK-Präsident Dirk von Vopelius

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 05|2018, Seite 3

 
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