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175 Jahre IHK

Innovation und Infrastruktur

Diskussion Verantwortung © Rainer Heubeck

„Reden über Verantwortung“: Talkrunde mit den westmittelfränkischen IHKG-Vorsitzenden Paul Habbel, Dr. Gerhard Walther, Dr. Norbert Teltschik, Frank Dommel und Wolfgang Högner sowie Moderator Klaus Seeger (v. l.).

„Reden über Verantwortung“: Unter diesem Motto stand die Jubiläumsfeier der westmittelfränkischen IHK-Gremien in Ansbach.

175 Jahre Industrie- und Handelskammer, das war auch in Westmittelfranken ein Anlass zum Feiern und zum Reflektieren. „Es bedurfte vieler Auseinandersetzungen, bis sich die Wirtschaft von der Politik emanzipieren konnte und ihre Angelegenheiten in eigener Regie regeln durfte“, gab IHK-Vizepräsidentin Erika Gruber zu bedenken, die zur Jubiläumsfeier am 19. April rund 100 Gäste im Grünen Saal der Ansbacher Orangerie begrüßen konnte.

Der Historiker Dr. Hans-Diether Dörfler von der Erlanger Agentur Birke und Partner machte deutlich, dass die Kammern anfangs auf Vorbehalte von König Ludwig I. von Bayern stießen. Nach der Gründung der Nürnberger Kammer im Jahr 1843 seien zudem noch keine regionalen Gremien in Westmittelfranken vorgesehen gewesen. Erst 1868, als die Zuständigkeiten und Kompetenzen der Kammern unter Ludwig II. erweitert wurden, kam es auch dort zur Gründung von IHK-Gremien.

Die wirtschaftlichen Aktivitäten in der landwirtschaftlich geprägten Region waren vor 150 Jahren noch recht überschaubar: In Ansbach dominierten Holz- und Metallbearbeitung, Malzherstellung und Brauwesen, im Raum Weißenburg-Gunzenhausen gab es Steinbrüche und leonische Industrie, in Dinkelsbühl und Neustadt Pinsel- und Bürstenindustrie sowie Karpfenzucht – und für Rothenburg dokumentierten die historischen Aufzeichnungen die Bedeutung des Tauberweins. Im 19. Jahrhundert brachten vor allem Wollwaren und die Textilindustrie die Region wirtschaftlich voran. Seither ist viel geschehen – und die fünf westmittelfränkischen IHK-Gremien (IHKG) stehen im 21. Jahrhundert vor vielfältigen Chancen und Herausforderungen. Diese wurden in einer Talkrunde unter dem Motto „Reden über Verantwortung“ diskutiert, an der die Vorsitzenden der westmittelfränkischen IHK-Gremien teilnahmen und die von Klaus Seeger (Radio 8) moderiert wurde. Dr. Gerhard Walther, Vorsitzender des IHKG Rothenburg o. d. T., verwies auf die zentrale Lage Westmittelfrankens in der Mitte Europas und die hervorragende Anbindung an die Autobahnen A6 und A7. Der Wirtschaftsraum habe das Potenzial, in Bayern ganz weit vorne mitzuspielen. Dr. Norbert Teltschik, Vorsitzender des IHKG Neustadt/Aisch – Bad Windsheim, sieht die Region schon jetzt in der Champions League angekommen und verwies auf viele „Hidden Champions“ mit Sitz in Westmittelfranken – Unternehmen, die teilweise internationale Marktführer in ihren Nischen sind.

Die vielfältige Struktur und der gute Branchen-Mix sind aus Sicht von Wolfgang Högner, Vorsitzender des IHKG Ansbach, ein „Riesenvorteil“ der Region. Er plädierte eindringlich für eine Versachlichung der Diskussion bei der Ausweisung neuer Gewerbegebiete, die zuweilen in einen Glaubenskrieg ausarte. Eine gewisse Bautätigkeit werde schon alleine wegen der stetig steigenden Bevölkerung in Bayern nötig sein. Das Thema Infrastruktur beschäftigt auch Frank Dommel, den Vorsitzenden des IHKG Dinkelsbühl, der sich für die Reaktivierung der Bahnstrecke von Dombühl nach Dinkelsbühl aussprach. Eine bessere Verkehrsanbindung würde es den Unternehmen nicht zuletzt erleichtern, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. Einen Blick in die Zukunft wagte Paul Habbel, Vorsitzender des IHKG Weißenburg-Gunzenhausen. „Neben digitalen Innovationen brauchen wir künftig auch soziale Innovationen“, sagte Habbel. „Wir müssen die Menschen stärker beteiligen.“ Räume öffnen, Hierarchien abbauen und neue Kommunikationsformen schaffen – das ist aus Sicht Habbels eine wichtige Aufgabe der nächsten Jahre.

Autor: 

(heu.)

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 05|2018, Seite 66

 
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