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Pyraser

Was auf dem Kasten

Pyraser_IMG_2413 © IHK / Johannes Froschmeir

Große Getränkepalette: Geschäftsführerin Marlies Bernreuther und Marketing-Leiter Alexander Schwab.

Marlies Bernreuther hat die Brauerei im Süden Mittelfrankens vor knapp zehn Jahren übernommen und erfolgreich weitergeführt.

Sie liegt sehr idyllisch, die Pyraser Landbrauerei: Fährt man von Hilpoltstein aus sechs Kilometer in südlicher Richtung und durchquert ein paar Waldstücke, sieht man am Ortseingang von Pyras auf der rechten Seite schon die Produktion und das Lager. Fährt man ein paar hundert Meter weiter, tauchen auf der linken Seite der Gutshof und die Verwaltung auf. Dort hat auch Marlies Bernreuther ihr Büro – sie ist die Geschäftsführerin der Brauerei.

Ihre Familie kaufte sich 1749 einen Bauernhof mit der Gastwirtschaft „Zum Angerwirt“ in Pyras, mit der Brauerei ging es aber erst 1870 los. Auslöser war damals der Nonnenfalter, eine Schmetterlingsart und gleichzeitig ein Forstschädling, der die Bäume in der Region kahl gefressen hatte. Viele davon mussten gefällt werden und der Holzpreis sank. Adam Bernreuther, der „Angerwirt“, war ebenfalls betroffen, nicht einmal sein Bierlieferant nahm ihm das Holz mehr ab. Darüber war der Gastwirt so verärgert, dass er seine eigene Brauerei gründete, die nun im kommenden Jahr ihr 150-jähriges Bestehen feiern kann.

Aber auch die Geschichte der Region ist eng mit der des Bierbrauens verbunden: So gab es im Mittelalter fast überall Brauereien, oft auch in Verbindung mit Bäckereien oder in der Landwirtschaft als Nebenerwerb. Zudem sei es unbedenklich gewesen, Bier zu trinken, was beim Wasser aus dem Brunnen nicht immer der Fall gewesen sei, erklärt Bernreuther. Von dieser jahrhundertelangen Geschichte sind in der Region um Pyras zwar nur eine Handvoll Gaststätten geblieben, mit diesen pflege man aber schon jahrelange Geschäftsbeziehungen. Zudem gebe es Kunden, die schon seit knapp eineinhalb Jahrhunderten ihr Bier von der Brauerei beziehen, also schon seit es die Brauerei gibt.

Umfangreiche Getränkepalette

Heute stellt die Pyraser eine Produktpalette aus über 20 ganzjährigen sowie saisonalen Biersorten und über 20 alkoholfreien Getränken her – das ergibt einen Ausstoß von über 200 000 Hektolitern pro Jahr. Diese Marke hatte die Brauerei im letzten Jahr erstmalig geknackt. Mit den Durstlöschern, die in einem Umkreis von etwa 60 Kilometern ausgeliefert werden, erzielte das Unternehmen zuletzt einen Umsatz von über zwölf Mio. Euro. Auch für 2019 sei ein Zuwachs zu erwarten, auch wenn man beim Bier froh wäre, wenn der Vorjahresausstoß erreicht würde, erklärt Bernreuther. Der größte Umsatzanteil entfalle auf Mineralwasser, auch wenn da natürlich die Witterung immer eine gewisse Rolle spiele. „Aber getrunken wird immer“, so die Brauerei-Chefin. Sogar eine Bier-Edellinie namens „Herzblut“ gab es bis letztes Jahr, diese musste aber aus markenrechtlichen Gründen eingestellt werden. „Das Herzblut ist aber geblieben“, sagt Bernreuther. Und über die eigenen Biersommeliers im Haus sei man auch mit der Craft-Bier-Szene in Kontakt. Um neue Sorten zu entwickeln, veranstaltet der Betrieb in regelmäßigen Abständen sogenannte Sortiments-Workshops. Dabei spüren die Getränkeentwickler aktuelle Trends auf dem Markt auf und lassen diese in die neuen Sorten mit einfließen. Heraus kommt dann z. B. ein exotisches Teegetränk, das aus der in Südamerika beheimateten Guayusa-Pflanze gewonnen und als kalorienarmer Durstlöscher vermarktet wird.

Beim Thema Marketing setzt die Brauerei stark auf Veranstaltungen. Neben dem „Pyraser Cup“, der wechselweise bei Fußballvereinen aus der Region ausgerichtet wird, gibt es auch zahlreiche Festlichkeiten auf dem Betriebsgelände. So findet seit über 20 Jahren ein Brauereifest statt, darüber hinaus pilgern unzählige Musikfans zur „Classic Rock Night“ und zum Hopfenpflücker-Festival, bei dem Künstler aus Bayern auftreten, die traditionelle und moderne Musik miteinander verbinden. Und nicht zuletzt gibt es etwa 100 Brauereibesichtigungen im Jahr. „Wir machen wenig klassische Werbung, sondern uns ist wichtig, dass die Leute nach Pyras kommen“, sagt Marketing-Leiter Alexander Schwab. „Wir wollen das Flair des Gutshofs rüberbringen.“

Mit dem Brauereibetrieb groß geworden

Marlies Bernreuther kennt dieses schon seit jungen Jahren. Denn sie ist in den Betrieb mit hineingewachsen, hat dort ihre Ausbildung gemacht und das Brauereigeschäft von der Pike auf kennengelernt – inklusive Kessel schrubben, Flaschen aussortieren, Bierkisten schleppen und per Lkw ausliefern. Nachdem sie als Assistentin der Geschäftsleitung mit ihrem Vater zusammengearbeitet hatte, übernahm sie von diesem 2010 den Betrieb und war damals mit 31 Jahren Deutschlands jüngste Brauerei-Inhaberin. Sie führt das Unternehmen schon in der elften Generation. Mit Blick auf ihre rund zehnjährige Amtszeit als Brauerei-Chefin zieht sie ein positives Fazit: „Das nimmt einen voll ein, aber das ist auch der vielseitigste Job, den ich mir vorstellen kann.“ Dennoch beschäftigt sie sich aber auch mit der Frage, wie es einmal mit der Nachfolge aussehen soll. Dass eines ihrer Kinder sie einmal beerbt, ist derzeit noch alles andere als sicher.

Davon lässt sie sich aber nicht aus der Ruhe bringen: „Ich möchte jetzt erstmal noch 20 Jahre Vollgas geben und dann entscheiden“, erklärt die resolute Unternehmerin. An die Zukunft denken muss man schließlich nicht nur beim Thema Geschäftsführung, sondern auch was Investitionen in die Anlagen betrifft. Rund eine Mio. Euro fließen jedes Jahr in neue Anschaffungen, erst kürzlich ging eine neue Abfüllanlage in Betrieb. Diese läuft jede Woche auf Hochtouren und füllt das Bier ab, das dem Firmenwerbespruch zufolge die mittelfränkische Ortschaft so bekannt macht.

 

WiM – Wirtschaft in Mittelfranken, Ausgabe 09|2019, Seite 58

 
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